Daimler Truck Aktie: Rådström warnt vor CO2-Strafen
Daimler-Truck-Chefin Rådström beziffert Strafzahlungen bei Verfehlung der EU-CO2-Vorgaben auf 120 Millionen Euro pro Prozentpunkt.

- 120 Mio. Euro Strafe pro Prozentpunkt
- EU-Ziel: 35 Prozent E-Lkw bis 2030
- Aktuell nur zwei Prozent E-Anteil
- Ladeinfrastruktur als größtes Hindernis
Die Zahl klingt zunächst abstrakt: 120 Millionen Euro. Genau so viel müsste Daimler Truck laut Konzernchefin Karin Rådström für jeden Prozentpunkt zahlen, den der Hersteller bei den EU-Klimazielen für Lkw verfehlt. Bei einer Zielverfehlung von zehn Prozentpunkten würde das komplette operative Ergebnis der Sparte Mercedes-Benz Trucks aufgezehrt.
Rådström äußerte sich in Berlin zur aktuellen CO2-Regulierung für schwere Nutzfahrzeuge. Als Vorsitzende des Nutzfahrzeug-Ausschusses beim Herstellerverband Acea vertritt sie dabei nicht nur die Interessen von Daimler Truck, sondern der gesamten europäischen Branche.
Die Rechnung hinter der Warnung
Die EU verlangt bis 2030 eine Reduktion der CO2-Emissionen neuer schwerer Lkw um 43 Prozent gegenüber 2019. Um das zu erreichen, müssten nach Rådströms Berechnung rund 35 Prozent aller neu zugelassenen Lastwagen in Europa elektrisch oder mit Wasserstoff fahren. Aktuell liegt dieser Anteil bei gerade einmal zwei Prozent.
Der Sprung von zwei auf 35 Prozent innerhalb von vier Jahren nennt die Managerin eine „wirklich große Herausforderung“. Das größte Hindernis sieht sie nicht bei der Technik, sondern bei der Ladeinfrastruktur. Selbst wechselwillige Kunden könnten sich nicht sicher sein, ob sie ihre Fahrzeuge entlang der Strecke laden können.
Diesel bleibt für Kunden die rationale Wahl
Hinzu kommt das Kostenargument. Solange Diesel im Vergleich zu Strom günstig bleibt, rechnet sich der Umstieg für viele Spediteure schlicht nicht. Deren Geschäfte laufen laut Rådström mit sehr geringen Gewinnspannen — teure Experimente sind da kaum drin.
Vor diesem Hintergrund fordert Daimler Truck eine Überprüfung der CO2-Regulierung, die stärker an den tatsächlichen Infrastrukturausbau gekoppelt sein soll. Rådström betont zwar, es sei noch zu früh, um von einer nötigen Zielanpassung zu sprechen. Der schleppende Infrastrukturaufbau und der fehlende Wille mehrerer EU-Staaten bei der CO2-Differenzierung der Lkw-Maut deuteten aber darauf hin, dass die Branche mehr Zeit brauchen dürfte.
Die Aktie selbst zeigte sich von der Debatte wenig beeindruckt und notierte am Montag zeitweise leicht im Plus bei 42,17 Euro. Die eigentliche Belastungsprobe für Daimler Truck dürfte erst dann beginnen, wenn Brüssel signalisiert, ob es die Zielvorgaben für 2030 tatsächlich antastet.
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