Das Warsh-Paradoxon, die Frankfurter Party und Disneys kalte Dusche
Die Nominierung des Falken Kevin Warsh zur Fed löst eine massive Rotation aus: Gold und Kryptowährungen brechen ein, während der DAX von Konjunkturhoffnungen profitiert.

- Goldpreis nach Warsh-Nominierung stark im Minus
- DAX steigt deutlich, angeführt von Siemens Energy
- Ethereum unter massivem Verkaufsdruck
- Disney-Aktie trotz Rekordzahlen abgestraft
Liebe Leserinnen und Leser,
an der Börse gibt es Tage, die Lehrbuch-Autoren zur Verzweiflung bringen. Normalerweise flüchten Anleger in Zeiten geopolitischer Unsicherheit und fallender Rohstoffpreise in die Sicherheit. Heute jedoch erlebten wir eine Anomalie, die man als „Warsh-Paradoxon“ bezeichnen könnte: Während die klassischen sicheren Häfen wie Gold und Staatsanleihen massiv unter Wasser gedrückt wurden, feierte der Aktienmarkt eine Party, als gäbe es kein Morgen.
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Die Märkte sortieren sich neu. Die Personalien in Washington diktieren die Kurse in Frankfurt und New York, und das alte Mantra „Gute Nachrichten sind schlechte Nachrichten“ scheint zumindest für den Moment ausgesetzt.
Willkommen zu einer neuen Woche, die mit einem Paukenschlag beginnt.
Der „Warsh-Effekt“: Goldanleger auf dem falschen Fuß
Der Elefant im Raum – oder besser gesagt, der Bär im Goldmarkt – hat einen Namen: Kevin Warsh. Seit Donald Trump am Wochenende den ehemaligen Fed-Gouverneur als seinen Kandidaten für den Vorsitz der US-Notenbank nominierte, spielen die Märkte „Reise nach Jerusalem“ – und für Goldanleger wurde am Montag abrupt der Stuhl weggezogen.
Der Goldpreis, der im Januar noch stolz über der 5.000-Dollar-Marke thronte, erlebte zum Wochenstart einen regelrechten Einbruch und notierte zeitweise bei 4.670 US-Dollar. Das entspricht einem Minus von rund 4 Prozent an einem einzigen Handelstag. Auch Silber wurde in den Abwärtssog gerissen und fiel auf eine Spanne zwischen 71 und 80 Dollar, weit entfernt vom jüngsten Rekordhoch von über 120 Dollar.
Die Lesart des Marktes ist eindeutig: Warsh gilt als geldpolitischer Falke und Verteidiger der Notenbank-Unabhängigkeit. Investoren antizipieren einen stärkeren Dollar und weniger Angst vor einer ausufernden Geldentwertung. Damit verliert das Edelmetall kurzfristig seinen Glanz als ultimative Absicherung. Der „FOMO-Trade“ (Fear Of Missing Out), der Gold zuletzt trieb, ist einer nüchternen Zins-Realität gewichen.
DAX im Höhenrausch: Siemens Energy zieht den Karren
Während Rohstoffanleger ihre Wunden lecken, rieben sich Aktionäre in Frankfurt verwundert die Augen. Der DAX startete zwar zögerlich, entkoppelte sich dann aber völlig von der düsteren Stimmung bei den Assets und schloss 1,1 Prozent höher bei beeindruckenden 24.798 Punkten. Nach einem flauen Januar scheint der Februar den Bullen neues Leben einzuhauchen.
Treibende Kraft war einmal mehr Siemens Energy. Die Aktie kletterte um über 3,6 Prozent und ist mit einem Plus von über 18 Prozent auf Monatssicht der unangefochtene Star im Index. Auch das Schwergewicht SAP (+2,5 %) und die Commerzbank (+2,6 %) sorgten dafür, dass der deutsche Leitindex den europäischen Vergleich outperformte – der EuroStoxx 50 schloss lediglich gemischt.
Gestützt wurde die Stimmung durch überraschend robuste Daten aus den USA. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe signalisierte im Januar wieder Wachstum. Das ist die andere Seite der Medaille: Eine robuste US-Wirtschaft hilft den deutschen Exporteuren, trieb aber auch die Renditen für US-Staatsanleihen und deutsche Bundesanleihen (jetzt bei 2,86 %) wieder nach oben.
Diese Entwicklung bei Siemens Energy ist Teil eines größeren Trends, den ich seit Monaten intensiv beobachte. Bernd Wünsche, Tech-Experte und Herausgeber der Tech-Aktien-Masterclass, hat eine umfassende Analyse zur kommenden Robotik-Revolution durchgeführt und zeigt in seinem kostenlosen Webinar, wie Anleger von diesem Megatrend profitieren können. Er stellt einen Robotik-Champion vor, der mit KI-gestützten Systemen und über 75.000 installierten Robotern weltweit bereits Marktführer in seinem Segment ist – mit Wachstumsraten von bis zu 75 Prozent jährlich. Wünsche analysiert, warum dieser Sektor vor einem ähnlichen Durchbruch steht wie die KI-Branche vor drei Jahren und welche konkreten Investmentchancen sich daraus ergeben. Das Webinar zeigt detailliert, wie Sie ein Portfolio für die Robotik-Ära aufbauen und welche Fehler Sie dabei vermeiden sollten. Sie erfahren auch, warum kollaborative Robotik mit 19 bis 30 Prozent jährlichem Wachstum das schnellste Segment der Branche ist. Kostenlose Analyse zur Robotik-Revolution ansehen
Krypto-Kater: Ethereum unter massivem Druck
Der „Warsh-Schock“ macht auch vor der digitalen Welt nicht halt. Bitcoin rutschte zum Wochenstart zeitweise unter die psychologisch wichtige Marke von 75.000 US-Dollar (Tief bei 74.532 USD), bevor er sich im Tagesverlauf mühsam auf rund 77.000 bis 78.000 Dollar zurückkämpfte.
Viel dramatischer traf es jedoch Ethereum. Die zweitgrößte Kryptowährung verlor rund 7 Prozent und fiel zeitweise auf ein Tief von etwa 2.160 US-Dollar. Hier greifen technische Faktoren: Massive Liquidationen von Long-Positionen (über 200 Millionen Dollar) und Abflüsse aus den ETFs beschleunigten den Absturz.
Für Unternehmen wie Strategy (ehemals MicroStrategy) wird die Lage zum Stresstest: Die Firma hält inzwischen 713.502 Bitcoin zu einem Durchschnittskaufpreis von 76.052 Dollar. Beim heutigen Tageskurs von rund 77.000 Dollar befindet sich das Unternehmen damit nur noch knapp am Break-Even. Als Bitcoin kurzzeitig unter 75.000 Dollar fiel, stiegen die Buchverluste vorübergehend auf fast eine Milliarde Dollar an. CEO Michael Saylor gibt sich zwar weiterhin optimistisch und kauft unbeirrt zu, doch die Aktie verlor heute rund 3 Prozent. Der von Analysten beschriebene „Cocktail der Unsicherheit“ schmeckt Krypto-Anlegern derzeit bitter.
Das Disney-Rätsel: Rekordzahlen, aber kein Applaus
Zum Schluss ein Blick nach Hollywood, wo Disney heute Abend ein Lehrstück darüber lieferte, dass die Börse immer die Zukunft handelt, nicht die Vergangenheit. Der Unterhaltungsriese meldete für das erste Quartal 2026 (Stichtag Ende Dezember 2025) Rekordzahlen: 26 Milliarden Dollar Umsatz und einen Gewinn pro Aktie von 1,63 Dollar – beides über den Erwartungen. Blockbuster wie „Zootopia 2″ spülten Milliarden in die Kassen.
Trotzdem wurde die Aktie mit einem Minus von 7 Prozent abgestraft. Der Grund? Das Segment „Experiences“ (Parks & Kreuzfahrten), Disneys eigentliche Cash-Cow, zeigt Risse. Ein Rückgang internationaler Touristen in den US-Parks und ein schwelender Streit mit YouTube drückten auf die Stimmung. Zudem wächst die Gewinnüberraschung nicht mehr so dynamisch wie im Vorjahr. Wenn selbst Rekorde nicht mehr gut genug sind, ist Vorsicht geboten. Immerhin: Die Nachfolge von CEO Bob Iger rückt näher, mit Josh D’Amaro als Favorit – eine Personalie, die bald für neue Fantasie sorgen könnte.
Was das für Sie bedeutet
Der heutige Tag war eine Lektion in Sachen Korrelation: Wenn der „Dollarstärke-Trade“ (ausgelöst durch Warsh) zurückkehrt, leiden alle Assets, die als Dollar-Alternative dienen – seien es Goldbarren oder Bitcoin. Gleichzeitig profitieren Aktien von der Hoffnung auf eine robuste Konjunktur, solange die Zinsen nicht zu schnell steigen.
Für den Rest der Woche bleibt der Blick stur auf die Daten gerichtet: Am Donnerstag warten die US-Arbeitsmarktdaten. Bis dahin gilt: Anschnallen. Die Rotation in den Portfolios ist in vollem Gange.
Ich wünsche Ihnen einen entspannten Abend und gute Nerven für diese wilde Börsenwoche.
Herzlichst,
Ihr
Felix Baarz
Finanzjournalist
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