DAX: Anleihemarkt macht Aktien Konkurrenz
Steigende Bundesanleihe-Renditen und Ölpreis belasten den DAX. Festverzinsliche Papiere werden zur ernsthaften Konkurrenz für Aktien.

- DAX fällt um 0,4 Prozent
- Anleiherenditen erreichen 15-Jahres-Hoch
- Ölpreis steigt wegen Golf-Konflikt
- Telekom gewinnt, Infineon verliert
Der DAX gibt am Dienstag nach – moderat, aber spürbar. Der Leitindex verliert 0,4 Prozent auf 26.244 Punkte, während gleichzeitig ein anderer Markt für Aufsehen sorgt: die Renditen deutscher Bundesanleihen. Sie kletterten bei zehn- und dreißigjährigen Laufzeiten auf ein 15-Jahres-Hoch. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren, wenn festverzinsliche Papiere plötzlich wieder attraktiver werden als Aktien.
Öl und Zinsen als Doppelbelastung
Zwei Faktoren drücken parallel auf die Stimmung. Zum einen der Ölpreis: Brent notiert knapp unter 91 Dollar je Barrel, nachdem US-Präsident Donald Trump eine Verlängerung des Waffenstillstands mit dem Iran ausgeschlossen und dem Oman sogar mit Bombardierung gedroht hat, sollte das Land sich einer Friedenslösung in den Weg stellen. Die Lage rund um die Straße von Hormus bleibt angespannt, nachdem erneut ein Handelsschiff beim Versuch der Durchfahrt beschossen wurde.
Zum anderen sind es die steigenden Anleiherenditen, die laut Marktbeobachtern von QC Partners Renten bei der Kapitalallokation zur wachsenden Konkurrenz für Aktien machen. Steigende Zinsen verteuern zudem die Refinanzierung von Staaten und Unternehmen – ein Umfeld, das besonders technologielastige Werte trifft. Der Sektor Technologiewerte verliert in Europa 1,6 Prozent, Infineon ist mit einem Minus von 4,9 Prozent der schwächste DAX-Wert.
Gegen den Trend hält sich die Deutsche Telekom mit einem Plus von 1,7 Prozent an der Spitze der Gewinner. Die Umsätze bleiben laut Marktteilnehmern erneut dünn, entsprechend hält sich der Abgabedruck insgesamt in Grenzen. Ein überraschend starker ZEW-Index zur deutschen Konjunkturlage und den -erwartungen konnte daran nichts ändern – die Daten setzten am Markt keine Akzente.
Auffällig ist die Bewegung bei Einzelwerten abseits der großen Indexschwankungen. Lanxess verliert 4,0 Prozent nach einer mutmaßlichen Abstufung durch Exane, während Sixt nach einer Hochstufung auf „Buy“ durch Berenberg um 3,7 Prozent zulegt – die Analysten setzen auf ein starkes Sommergeschäft und eine mögliche Neubewertung der Aktie.
Für die kommenden Tage bleibt die Gemengelage aus geopolitischem Risiko und Zinsdruck bestimmend. Sollte sich der Anleihemarkt weiter verteuern, dürfte der Renditewettbewerb für Aktien zum zentralen Thema werden – unabhängig davon, wie sich die Lage am Golf entwickelt.
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