DAX auf Rekordkurs — Telekom und Healthineers glänzen, Beiersdorf enttäuscht

Der DAX erreicht ein Rekordhoch bei 26.000 Punkten, getragen von sinkenden Ölpreisen. Einzelwerte zeigen jedoch ein gemischtes Bild: Telekom und Healthineers legen zu, während Beiersdorf und Bayer nachgeben.

Die Kernpunkte:
  • DAX erreicht neues Allzeithoch
  • Telekom profitiert von Fusionsgerüchten
  • Healthineers hebt Gewinnprognose an
  • Beiersdorf senkt Jahresziele

Sinkende Ölpreise haben dem DAX zum Wochenstart einen kräftigen Schub gegeben. Der Index kletterte auf ein Allzeithoch und knackte im Tagesverlauf sogar die Marke von 26.000 Punkten. Unter der Oberfläche zeigt sich allerdings ein deutlich zerrisseneres Bild: Während Kommunikations- und Gesundheitswerte kräftig zulegen, geraten Konsumgüter- und Pharmatitel spürbar unter Druck.

Auslöser der Index-Rally war die Entspannung an der geopolitischen Front. Nachdem US-Präsident Donald Trump am Wochenende neue Gespräche mit dem Iran signalisiert und einen angedrohten Großangriff abgesagt hatte, gaben die Ölpreise deutlich nach. Das nahm der Inflationsdebatte etwas Schärfe und dämpfte Sorgen vor weiter steigenden Zinsen. Zusätzlichen Rückenwind lieferte eine überwiegend solide Berichtssaison, ergänzt durch die jüngste Erholung bei Technologiewerten.

Auf Einzelwertebene dominiert derzeit die unternehmensspezifische Nachrichtenlage. Mit gleich mehreren DAX-Schwergewichten, die in den kommenden Tagen ihre Zahlen vorlegen, dürfte die Nervosität hoch bleiben.

Deutsche Telekom: Fusionsgerüchte beflügeln vor dem Zahlentermin

Die Telekom-Aktie zählt zu den auffälligsten Gewinnern und notiert bei 28,05 Euro, ein Plus von 4,47 Prozent. Damit setzt sich die Erholung der vergangenen Wochen fort: Binnen 30 Tagen hat das Papier bereits über 11 Prozent gewonnen.

Den entscheidenden Impuls lieferte ein Bericht, wonach die US-Tochter T-Mobile Pläne für eine mögliche Fusion mit der Konzernmutter nicht mehr unterstützen wolle. Der Markt wertete das positiv — ein solcher Deal war zuvor wiederholt auf Skepsis gestoßen. Gestützt wird die Aktie zusätzlich von einem laufenden Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu zwei Milliarden Euro für dieses Jahr. Am Donnerstag legt der Konzern seine Zahlen zum zweiten Quartal vor, was zeigen dürfte, ob die Jahresziele in Reichweite bleiben. Trotz des Kurssprungs notiert die Aktie mit 28,60 Euro noch knapp unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt — der langfristige Trend bleibt also angeschlagen.

Siemens Healthineers: Angehobene Gewinnprognose überzeugt verzögert

Der Medizintechnikkonzern führt die Gewinnerliste an. Der Kurs sprang um 4,06 Prozent auf 38,71 Euro, nach einem Plus von fast 9 Prozent binnen einer Woche. Bemerkenswert: Am Freitag nach den Quartalszahlen hatte die Aktie zunächst keine klare Richtung gefunden und leicht schwächer geschlossen. Erst am heutigen Handelstag setzte sich die positivere Lesart durch.

Der Konzern hat trotz eines schwächeren Umsatzausblicks die Gewinnprognose kräftig angehoben, auf eine Spanne von 2,35 bis 2,45 Euro je Aktie für das Gesamtjahr. Grund waren Rückerstattungen von Zöllen aus einem US-Regelwerk. Operativ zeigte sich das Geschäft robust: Der vergleichbare Umsatz stieg im dritten Quartal um 2,8 Prozent, das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern legte um 15,6 Prozent zu. Ein Analyst von JPMorgan ordnete die gesenkte Umsatzprognose sogar konstruktiv ein — sie entschärfe die Risiken für die kommenden Geschäftsjahre. Mit einem RSI von 73 gilt die Aktie inzwischen als überkauft, was kurzfristig für eine Verschnaufpause sprechen könnte. Die schwächelnde Labordiagnostik-Sparte bleibt zudem ein ungelöstes Problem.

Zalando: Vorfreude auf Zahlen treibt den Kurs

Der Online-Modehändler gewann 3,18 Prozent auf 29,24 Euro und nähert sich damit wieder seinem Jahreshoch von 30,44 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von fast 16 Prozent zu Buche.

Treiber ist die Vorfreude auf die morgigen Quartalszahlen. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Gewinn von 0,505 Euro je Aktie, verglichen mit 0,370 Euro im Vorjahr. Auch beim Umsatz wird ein deutlicher Sprung erwartet, um gut 22 Prozent auf 3,47 Milliarden Euro. Zusätzlich stützend wirkten zuletzt Aktienkäufe aus dem eigenen Management — ein Signal, das Investoren häufig als Vertrauensbeweis werten. Für das Gesamtjahr rechnen Analysten mit einem Gewinnsprung auf 1,48 Euro je Aktie nach 0,83 Euro im Vorjahr. Ob sich diese Hoffnung bestätigt, entscheidet sich bereits morgen — die hohe Schwankungsanfälligkeit der Aktie macht sie rund um den Zahlentermin besonders reaktionsfreudig.

Bayer: Doppelte Unsicherheit vor Zahlen und Gerichtsurteil

Bayer gehört trotz des starken Gesamtmarkts zu den Verlierern. Die Aktie gab um 2,19 Prozent auf 47,43 Euro nach, nachdem sie binnen 30 Tagen bereits fast 11 Prozent verloren hatte. Der langfristige Aufwärtstrend bleibt davon unberührt: Auf Jahressicht steht immer noch ein Plus von über 72 Prozent.

Grund für die Nervosität sind zwei anstehende Termine. Am Dienstag legt Bayer die Zahlen zum zweiten Quartal vor, nur zwei Wochen später entscheidet ein Gericht in Missouri über den milliardenschweren Sammelvergleich im Glyphosat-Komplex. Im Zentrum steht ein geplanter Vergleich über bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar, mit dem der Konzern bestehende und künftige Schadensersatzforderungen rund um Roundup-Produkte weitgehend abschließen will. Klägeranwälte versuchten zuletzt, das Verfahren nach Kalifornien verlegen zu lassen — Bayer widerspricht und geht weiter von einer Zuständigkeit Missouris aus. Die hohe Verschuldung des Konzerns bleibt ein strukturelles Risiko, das viele Anleger im Hinterkopf behalten.

Beiersdorf: Nivea-Schwäche zwingt zur Prognosesenkung

Der Hamburger Konsumgüterkonzern ist der klare Belastungsfaktor unter den defensiven Werten. Die Aktie fiel um 2,39 Prozent auf 79,16 Euro und unterschritt zeitweise wichtige technische Marken. Seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von über 15 Prozent zu Buche.

Auslöser war ein schwaches zweites Quartal im größten Segment Consumer, das den Konzern zur Senkung seiner Jahresziele zwang. Beiersdorf rechnet nun sowohl auf Konzernebene als auch bei Consumer mit organisch rückläufigen Umsätzen im niedrigen einstelligen Prozentbereich — zuvor war noch ein stagnierender bis leicht steigender Umsatz in Aussicht gestellt worden. Auch die Profitabilität leidet: Die Ebit-Marge wird nun bei mindestens 11,8 Prozent statt der zuvor erwarteten rund 14 Prozent gesehen. Als Reaktion hat das Management einen mehrjährigen Turnaround-Plan für die Marke Nivea aufgesetzt. Die Analystenmeinungen gehen dabei auseinander: Einige Häuser senkten ihre Bewertungen, andere verteidigen die Aktie mit Verweis auf die langfristige Markenstärke.

Siemens Energy: Sog der Windkraft-Branche belastet

Der Energietechnikkonzern verlor 1,06 Prozent auf 147,62 Euro und liegt damit rund 12 Prozent unter dem Niveau von vor 30 Tagen. Die Belastung kam allerdings nicht aus dem eigenen Geschäft. Auslöser waren enttäuschende Signale des US-Konkurrenten GE Vernova, dessen schwächelndes Windgeschäft den gesamten Sektor unter Druck setzte. Über die Tochter Siemens Gamesa ist der Konzern selbst stark im Windkraftgeschäft engagiert, entsprechend strahlte die Schwäche ab.

Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die branchenübliche Ruhephase vor Quartalszahlen, in der sich das Management nicht zur Geschäftslage äußert. Die Zahlen selbst stehen kurz bevor: Bestätigt der Vorstand am Mittwoch die hohe Dynamik im Netz- und Gasturbinengeschäft sowie die Jahresziele, könnte sich die jüngste Schwäche als vorübergehende Korrektur erweisen. Fundamental bleibt der Konzern mit einem Rekordauftragsbestand von 154 Milliarden Euro und milliardenschweren Investitionen in den USA gut aufgestellt.

Was die Woche noch bringt

Die anstehende Berichtssaison dürfte über die Richtung mehrerer DAX-Werte entscheiden:

  • Dienstag: Bayer legt Zahlen zum zweiten Quartal vor
  • Dienstag: Zalando veröffentlicht das Zahlenwerk zum abgelaufenen Quartal
  • Mittwoch: Siemens Energy berichtet über Netz- und Gasturbinengeschäft
  • Donnerstag: Deutsche Telekom legt Halbjahreszahlen vor
  • 19. August: Gerichtsentscheid in Missouri zum Glyphosat-Vergleich bei Bayer

Rekordstände auf dem Prüfstand

Der DAX steht am Allzeithoch, doch die Kursbewegungen bei den Einzelwerten zeigen: Unternehmensnachrichten wiegen derzeit schwerer als die Indexdynamik. Mit Bayer, Zalando, der Deutschen Telekom und Siemens Energy stehen binnen weniger Tage gleich vier Schwergewichte mit Zahlen an. Die kommenden Berichte werden zeigen, ob die Rekordstände fundamental untermauert sind oder ob es sich vor allem um eine von sinkenden Ölpreisen getriebene Stimmungsrally handelt. Wer in Einzelwerte investiert ist, sollte kurzfristige Ausschläge rund um die Zahlentermine einkalkulieren.

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