DAX: Bilanzsaison spaltet Index

Der DAX erreicht neue Höchststände, während Quartalsberichte für extreme Gewinne und Verluste sorgen. Geopolitische Risiken bleiben präsent.

Die Kernpunkte:
  • DAX erreicht neue Rekordmarke
  • Bayer und Verbio legen deutlich zu
  • Zalando und Lufthansa brechen ein
  • Ölpreis-Entspannung stützt den Markt

Der DAX schreibt weiter Geschichte — am Nachmittag stand der Leitindex 0,9 Prozent im Plus bei 26.224 Punkten und damit über der erstmals überschrittenen 26.000-Punkte-Marke. Unter der Oberfläche zeigt sich allerdings ein Bild starker Gegensätze: Während einzelne Konzerne mit Rekordzahlen glänzen, brechen andere nach enttäuschenden Berichten regelrecht ein.

Runde Marke als Signal

Marktbeobachter werten den Sprung über 26.000 Punkte als psychologisch bedeutsam. Analyst Timo Emden von CapTrader sprach von einem „Dosenöffner“-Effekt aus Geopolitik, Geldpolitik und Unternehmenszahlen, der Anlegern derzeit die passenden Koordinaten liefere. Er warnte zugleich, dass der schwelende Iran-Konflikt weiterhin erhebliche Risiken unter der Oberfläche berge — ein Hinweis darauf, dass die Rekordserie fragiler sein könnte, als es der Chart auf den ersten Blick zeigt.

Gewinner und Verlierer der Bilanzsaison

Die laufende Berichtssaison sorgt für kräftige Ausschläge bei einzelnen Indexmitgliedern:

  • Bayer kletterte um 4,9 Prozent — starke Agrargeschäfte, Kostensenkungen und wachsende Umsätze neuerer Pharmaprodukte übertrafen die Erwartungen.
  • Zalando brach um rund 13 Prozent ein, nachdem Umsatz und Ergebnis im zweiten Quartal enttäuschten.
  • Fresenius Medical Care verlor trotz guter Zahlen etwa 7 Prozent — Sorgen über schwächere Behandlungszahlen in den USA und auslaufende Vergütungsregeln belasteten.
  • Lufthansa stürzte um rund 11 Prozent ab, nachdem hohe Kerosinpreise und die Folgen des Iran-Kriegs den Gewinn einbrechen ließen.
  • Verbio legte um 7,8 Prozent zu, gestützt von einer bereits im Mai angehobenen Gewinnprognose.

Continental verbuchte trotz übertroffener Erwartungen ein Minus von 1,9 Prozent, weil viele Investoren auf eine Anhebung der Jahresprognose gehofft hatten, die ausblieb. Adidas gab knapp 2,4 Prozent ab, nachdem die UBS die Aktie nach hohen Marketingausgaben der Vorwoche abgestuft hatte. Hugo Boss bewegte sich kaum vom Fleck — der Kurs orientiert sich weiterhin exakt an der Übernahmeofferte von Frasers in Höhe von 38 Euro je Aktie.

Ölpreis als Unsicherheitsfaktor

Parallel zur Bilanzsaison bleibt die Lage rund um die Straße von Hormus ein Risikofaktor für die Märkte. US-Finanzminister Scott Bessent brachte eine mögliche Einigung mit dem Iran zur Wiederöffnung der Meerenge bereits für Dienstag oder Mittwoch ins Spiel, woraufhin die Ölpreise deutlich nachgaben. US-Präsident Donald Trump hatte die Gespräche zuvor als „letzte Chance“ für Teheran bezeichnet, während Iran direkte Verhandlungen bestreitet und stattdessen auf Gespräche mit Oman verweist.

Für den DAX bedeutet das: Die Rekordjagd läuft weiter, doch sie stützt sich auf ein fragiles Fundament aus starken Einzelwerten und einem geopolitischen Konflikt, dessen Ausgang noch in dieser Woche eine Wendung nehmen könnte.

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