DAX: Chip-Rally trifft auf Zinsangst
Starke Nvidia-Zahlen treiben europäische Technologiewerte an, doch die erwartete Warsh-Rede und Zinsunsicherheit bremsen den DAX.

- DAX beendet dritten Gewinntag
- Infineon und Süss Microtec legen zu
- GFT Technologies steigt rund 15 Prozent
- Jackson Hole hält Anleger zurück
Nvidia liefert, doch der DAX zögert. Während die Nasdaq nach starken Zahlen der US-Tech-Schwergewichte durchstartete, blieb der deutsche Leitindex am Donnerstag deutlich zurückhaltender. Der Grund liegt weniger an mangelnder Begeisterung als an einem Termin, der schwerer wiegt als jede Quartalsbilanz.
Der DAX schloss mit einem Plus von 0,31 Prozent bei 26.367,24 Punkten – das dritte Gewinntag in Folge, aber unterhalb des Vortageshochs. Der MDAX legte kräftiger zu, um 1,31 Prozent auf 32.947,28 Zähler. Im Frühhandel am Freitag zeigte sich der DAX-Future mit rund 26.500 Punkten leicht fester.
Chip- und Softwarewerte als Zugpferde
Die überraschend starken Ergebnisse von Nvidia, Salesforce und CrowdStrike gaben dem europäischen Technologiesektor spürbaren Auftrieb. Infineon und Süss Microtec sprangen um jeweils rund 3,6 bis 7,5 Prozent, nachdem beide Titel zuvor wochenlang unter Druck gestanden hatten.
Noch deutlicher fiel die Reaktion bei Software-Werten aus: SAP gewann mehrere Prozentpunkte, Nemetschek legte sogar zweistellig zu. GFT Technologies schoss um rund 15 Prozent nach oben – ausgelöst durch eine Kooperation mit der Deutschen Bank.
Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank ordnete die Nvidia-Zahlen als Signal für die gesamte Branche ein. Das Unternehmen sei inzwischen doppelt so groß wie alle 40 DAX-Konzerne zusammen – und könne trotzdem im kommenden Jahr einen Umsatzsprung von 70 Prozent verzeichnen. Ein Wachstumstempo dieser Größenordnung strahlt naturgemäß auf die gesamte KI-Wertschöpfungskette aus, auch auf europäische Zulieferer.
Jackson Hole bremst die Kauflaune
Trotz der Tech-Euphorie hielten sich viele Anleger zurück. Der Grund: das Notenbanktreffen in Jackson Hole und die für Freitag erwartete Rede von Fed-Chef Kevin Warsh. Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners rechnet nicht damit, dass Warsh sich klar für oder gegen eine Zinserhöhung im September positioniert – die Unsicherheit bleibt damit vorerst bestehen.
Hinzu kommt hausgemachte Konsumzurückhaltung. Der GfK-Konsumklimaindex fiel zwar etwas besser aus als erwartet, notiert aber weiterhin im negativen Bereich. Auch schwächere US-Einzelhandelsdaten deuten auf nachlassenden Konsum hin – ein Punkt, der Notenbanker wie Ausschussmitglied Austan Goolsbee zu vorsichtigeren, eher restriktiven Tönen bewegt hat.
Abseits der Makrothemen sorgten Analystenumstufungen für Bewegung im Telekomsektor. Kepler Cheuvreux hob United Internet und Ionos auf „Buy“, beide Titel legten spürbar zu. Die Deutsche Telekom hingegen verlor ihre Kaufempfehlung und rund 2,6 Prozent an Wert, zusätzlich belastet durch einen kritischen Handelsblatt-Bericht. Bilfinger profitierte von einer UBS-Hochstufung samt besserem Auftragseingang und stieg um über 5 Prozent.
Für die kommenden Handelsstunden bleibt die Warsh-Rede der entscheidende Taktgeber. Bleibt diese ohne klare geldpolitische Festlegung, dürfte der DAX seine vorsichtige Aufwärtsbewegung fortsetzen – fällt sie restriktiver aus als erwartet, könnte die zuletzt aufgebaute Tech-Fantasie schnell wieder verpuffen.
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