DAX: Erholung mit Ölpreis-Bremse

Der DAX startet fester, bleibt nach Wochenverlusten jedoch unter Druck. Höhere Ölpreise und EZB-Zinsschritt belasten die Aktienmärkte.

Die Kernpunkte:
  • DAX gewinnt zum Handelsstart 0,4 Prozent
  • Wochenbilanz bleibt mit gut zwei Prozent negativ
  • Brent-Preis nähert sich 110 US-Dollar
  • EZB erhöht Einlagensatz um 25 Basispunkte

Nach dem heftigsten Wochenverlust seit Monaten wagt sich der DAX am Freitag wieder aus der Deckung. Der Index legte zum Handelsstart rund 0,4 Prozent zu und bewegte sich bei etwa 25.470 Punkten. Auf Wochensicht bleibt trotzdem ein Minus von gut 2 Prozent stehen — die schwächste Woche seit Monaten.

Der eigentliche Belastungsfaktor sitzt nicht in Frankfurt, sondern an den Ölmärkten. Die Nordsee-Sorte Brent nähert sich der Marke von 110 US-Dollar je Fass, getrieben von Angriffen auf Tanker in der Straße von Hormus und neuen Gefechten zwischen jemenitischen Huthi-Milizen und saudisch unterstützten Kräften. Steigende Energiepreise nähren Inflationssorgen — und genau das schlägt auf die Risikobereitschaft der Anleger durch.

EZB zieht die Zügel an

Die Europäische Zentralbank hat darauf bereits reagiert: Am Donnerstag hob sie den Einlagensatz um 25 Basispunkte an und begründete den Schritt mit den Inflationsrisiken durch die Energiepreise. Festverzinsliche Papiere werden dadurch zur ernsthafteren Konkurrenz für Aktien — ein Umstand, der besonders zinssensitive Branchen wie Industrie und Konsumwerte unter Druck setzt.

Aus Übersee kommt wenig Rückenwind. Die US-Börsen weiteten ihre Verluste am Donnerstagabend noch aus, in Asien dominierten die Abgaben vor allem bei Technologie- und Halbleiterwerten. Selbst die besser als erwarteten Zahlen von Oracle konnten die Stimmung nicht drehen.

Charttechnik zeigt überverkaufte Lage

Seit dem Allzeithoch vom 28. August bei rund 26.570 Punkten auf Schlussbasis hat der Index spürbar Federn gelassen und notiert inzwischen unterhalb des unteren Bollinger-Bands. Das deutet auf eine überverkaufte Marktlage hin, in der kurzfristige Gegenbewegungen wahrscheinlicher werden. Der übergeordnete Aufwärtstrend bleibt über die 200-Tage-Linie bei etwa 24.700 Punkten intakt, auch wenn kürzere Durchschnitte bereits Verkaufssignale liefern.

Im Blick der Anleger steht heute vor allem der Nachmittag. Um 14:30 Uhr werden die US-Verbraucherpreise für August sowie das Konsumklima der Universität Michigan veröffentlicht — die letzten wichtigen Datenpunkte vor der Fed-Sitzung in der kommenden Woche. Ein unerwartet heißer Inflationswert dürfte die Debatte über einen erneuten Zinsschritt der US-Notenbank weiter anheizen und der Ölpreis-Dynamik zusätzliches Gewicht verleihen.

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