DAX: Erholung mit Warnsignalen

Der DAX stabilisiert sich nach dem Kursrutsch, getragen von SAP. Technische Indikatoren und steigende Ölpreise belasten jedoch die Erholung.

Die Kernpunkte:
  • SAP treibt Index mit Cloud-Zahlen
  • Autobauer belasten mit schwachen Ergebnissen
  • DAX unter gleitenden Durchschnitten
  • Ölpreis steigt über 100 Dollar

Nach dem kräftigen Kursrutsch vom Donnerstag sucht der DAX zum Wochenschluss die Stabilisierung. Zugpferd ist ausgerechnet ein Schwergewicht, das zuletzt für Diskussionen sorgte: SAP. Unter der Oberfläche mehren sich jedoch technische Warnsignale, die die Erholung fragil erscheinen lassen.

Der deutsche Leitindex startete am Freitag mit einem Plus von 0,5 Prozent bei 24.890 Punkten in den Handel. Der MDAX der mittelgroßen Werte zog um 0,4 Prozent an, auch der EuroStoxx 50 legte zu.

SAP zieht, Autobauer bremsen

Der Softwarekonzern aus Walldorf lieferte die positive Überraschung: Trotz eines etwas schwächer als erwarteten operativen Ergebnisses überzeugte SAP mit deutlich mehr abgeschlossenen Cloud-Aboverträgen als von Analysten kalkuliert. Die Aktie zog kräftig an und stützte den gesamten Index.

Weniger erfreulich fielen die Zahlen von Volkswagen und Porsche aus. Beide Autobauer kämpfen mit hohen Umstrukturierungskosten, die Hoffnung auf eine schnelle Erholung im europäischen Autosektor bekam damit einen Dämpfer. Weil Autowerte im DAX nur gering gewichtet sind, bleibt der Belastungseffekt überschaubar. Zusätzlichen Rückenwind lieferten überraschend starke Quartalszahlen von Intel, die auch europäische Chipwerte wie Infineon beflügelten.

Charttechnik zeigt Risse

Der DAX ist am Donnerstag unter seine kurz- und mittelfristigen gleitenden Durchschnitte gerutscht und näherte sich damit dem tiefsten Stand seit Ende Juni. Eine erste Unterstützung wird bei 24.700 Punkten verortet, die nächste bei 24.330 Punkten.

Auf der Oberseite markiert das jüngste Tageshoch bei 25.069 Punkten die erste Hürde. Gelingt der Sprung darüber, rückt die Marke von 25.465 Punkten in Reichweite — dort würde eine noch offene Kurslücke geschlossen. Vom Allzeithoch bei 25.900 Punkten, aufgestellt Anfang Juli, bleibt der Index derzeit klar entfernt.

Öl und Zölle belasten die Stimmung

Fundamental bleibt die Gemengelage angespannt. Die Ölpreise kletterten zuletzt erstmals seit zwei Monaten über 100 Dollar je Barrel, nachdem im Roten Meer zwei saudi-arabische Tanker von Houthi-Milizen beschossen wurden — US-Präsident Donald Trump macht dafür den Iran verantwortlich.

Hinzu kommt Bewegung beim Zollthema: Die USA kündigten neue Abgaben zwischen 10 und 12,5 Prozent gegenüber wichtigen Handelspartnern an, die den bisherigen globalen Zollsatz ablösen sollen. Kräftige US-Arbeitsmarktdaten verstärkten zudem die Erwartung, dass die Notenbank sich mehr Zeit für Zinssenkungen lässt.

Im Tagesverlauf richtet sich der Blick auf die Einkaufsmanagerindizes aus Deutschland und den USA für Industrie und Dienstleistungssektor. Sie dürften mitentscheiden, ob der DAX seine Unterstützungszone verteidigen kann oder der Rutsch vom Donnerstag noch einmal aufholt.

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