DAX: Glyphosat-Sieg verpufft?

Schwache Technologieaktien und teureres Öl belasteten den DAX, während Bayer nach einem Juryentscheid zulegte.

Die Kernpunkte:
  • DAX schloss 0,9 Prozent tiefer
  • Infineon und Siemens Energy gaben nach
  • Jury wies Klagen gegen Monsanto ab
  • Oktober-Inflation sank auf 2,8 Prozent

Bayers Erfolg im Glyphosat-Streit konnte den DAX gestern nicht gegen den Verkaufsdruck aus dem Technologiesektor abschirmen. Enttäuschungen bei Intel und Amazon sowie steigende Ölpreise beendeten die Gewinnserie nach vier Handelstagen. Der deutsche Leitindex verlor -0,9% und schloss bei 25.818,21 Punkten. Damit blieb die starke Wochenbilanz erhalten, während die Abhängigkeit von US-Technologievorgaben erneut sichtbar wurde.

US-Ausblicke belasten deutsche Schwergewichte

Besonders deutlich traf die Neubewertung der Technologieaussichten Infineon und Siemens Energy. Die beiden DAX-Werte verloren gestern 6,4 beziehungsweise 6,9 Prozent. Die Börsen-Zeitung berichtete über einen breiten Ausverkauf europäischer Technologieaktien nach den enttäuschenden Quartalsberichten von Amazon und Intel.

Dabei geht es nicht allein um einzelne Unternehmenszahlen. Anleger hinterfragen zunehmend, wann die hohen Ausgaben für künstliche Intelligenz ausreichende Erträge liefern. CNBC berichtete über wachsende Renditezweifel und eine verstärkte Nachfrage nach Absicherung. Für den DAX bedeutet das: Die Stimmung gegenüber amerikanischen Technologiekonzernen kann auch deutsche Indexschwergewichte erheblich belasten.

Intel stellte für das vierte Quartal 2026 einen Umsatz von 15 bis 16 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Der Analystenkonsens lag bei 17,1 Milliarden US-Dollar. Diese Lücke erklärt, weshalb der Ausblick weit über die eigene Aktie hinaus wirkte.

Bayer setzt einen Gegenakzent

Bayer profitierte dagegen von einer unternehmensspezifischen Nachricht. Wie der Spiegel berichtete, wies eine Jury in St. Louis die Klagen gegen die Tochter Monsanto einstimmig ab. Die Klägerinnen hatten unter anderem Konstruktionsfehler, Täuschung und Nachlässigkeit geltend gemacht.

Es war der erste US-Prozess nach der Entscheidung des Supreme Court vom Juni 2026. Diese schränkt Klagen wegen fehlender Krebswarnungen grundsätzlich ein. Im neuen Verfahren standen andere Klagegründe zur Prüfung. Der Erfolg stärkte die Bayer-Aktie, beseitigte aber nicht die Belastungen des Gesamtmarkts.

Der Handelstag zeigte damit eine klare Trennung: Gute Einzelnachrichten konnten Käufe auslösen. Gegen die gleichzeitige Schwäche mehrerer großer Indexwerte reichte dieser Rückenwind jedoch nicht aus.

Ölpreis begrenzt die Inflationsentlastung

Zusätzlicher Druck kam vom Energiemarkt. Laut Tagesschau erreichten die Ölpreise wegen Sorgen über mögliche US-Angriffe im Iran den höchsten Stand seit April. Damit stand einer erfreulichen Inflationsnachricht ein neues Preisrisiko gegenüber.

Die deutschen Verbraucherpreise lagen im Oktober 2,8 Prozent über dem Vorjahresniveau. Im September hatte die Rate noch 3,3 Prozent betragen; erwartet worden waren 3,0 Prozent. Die Entlastung fiel somit stärker aus als prognostiziert.

Für die weitere DAX-Erholung stehen deshalb zwei Belastungen im Mittelpunkt: Zweifel an den Erträgen hoher Technologieinvestitionen und das Risiko weiter steigender Energiepreise. Der Bayer-Erfolg verdeutlicht zugleich, dass unternehmensspezifische Fortschritte weiterhin zählen – den breiten Markttrend aber nicht zwangsläufig aufheben.

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