DAX: Lagarde-Abschied überschattet Rally
Der DAX legte zu, während EZB-Chefin Christine Lagarde ihren Rückzug für Februar 2027 ankündigte und Unternehmenszahlen die Einzelwerte bewegten.

- DAX überschritt zeitweise 26.000 Punkte
- Lagarde plant Rücktritt im Februar 2027
- Telekom und Airbus legten jeweils 2,7 Prozent zu
- Volkswagen verbuchte im dritten Quartal 5,82 Milliarden Euro Verlust
Eine Rücktrittsnachricht aus Frankfurt platzt in einen ohnehin dichten Handelstag: EZB-Präsidentin Christine Lagarde will ihr Amt vorzeitig aufgeben. Der Leitindex hatte da schon freundlich eröffnet und zeitweise die Marke von 26.000 Punkten überschritten.
Lagarde geht früher
Lagarde will am 7. Februar 2027 zurücktreten, ihre Amtszeit wäre erst Ende Oktober 2027 ausgelaufen. Über einen möglichen Wechsel zum Weltwirtschaftsforum in Davos war bereits länger spekuliert worden. Zu ihren Plänen machte die Notenbank zunächst keine Angaben. Als mögliche Nachfolger gelten der frühere niederländische Notenbankchef Klaas Knot und der Spanier Pablo Hernández de Cos.
Eine unmittelbare Marktreaktion blieb aus. Der Zeitpunkt gilt dennoch als heikel: Die Inflation im Euroraum ist zuletzt wieder gestiegen, die Konjunktur schwächelt. Hinzu kommen Verwerfungen an den französischen Anleihemärkten, wo der Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen auf Niveaus wie in der Schuldenkrise geklettert war.
Heute Nachmittag steht zunächst die reguläre Zinsentscheidung an. Der Markt rechnet mit einer Pause. Die Entscheidung kommt um 14:15 Uhr, die Pressekonferenz folgt um 14:45 Uhr.
Zahlenflut treibt den Index
Der DAX stieg zur Eröffnung um 0,7 Prozent auf rund 25.890 Punkte, das höchste Niveau seit Anfang September. Die Fed hatte am Vorabend die Zinsen wie erwartet unverändert gelassen. Fed-Präsident Kevin Warsh stufte das US-Wachstumstempo von „solide“ auf „stark“ hoch. Analysten erwarten für Dezember eine Zinserhöhung.
Die Berichtssaison sortiert die Gewinner und Verlierer:
- Deutsche Telekom: plus 2,7 Prozent, gestützt von besser als erwartet ausgefallenen Zahlen der US-Tochter
- Airbus: plus 2,7 Prozent nach Zahlen
- Henkel: plus 1,4 bis 1,7 Prozent nach angehobenem Ausblick
- SAP: minus 1 Prozent, belastet vom Kurseinbruch bei ServiceNow
- Vonovia: Schlusslicht mit minus 3,9 bis 4,3 Prozent
Vonovia rechnet beim bereinigten operativen Gewinn nur noch mit der unteren Hälfte der Zielspanne. Die Aktie fiel auf ein Tief seit dem Frühjahr 2023.
Volkswagen gab leicht nach. Eine milliardenschwere Porsche-Abschreibung, schwache Geschäfte in China und Umbaukosten drückten das Unternehmen im dritten Quartal mit rund 5,82 Milliarden Euro tief in die Verlustzone. Die Gesamtjahresprognose bleibt bestehen.
Charttechnik: Hürden bei 25.720 und 26.164
Das Allzeithoch markierte der DAX Ende August bei 26.618,74 Punkten im Handelsverlauf. Seit dem Verlaufstief vom 23. Oktober bei 25.008 Punkten gewann er rund 700 Punkte. Charttechniker sehen Kaufsignale, warnen aber vor dem oberen Bollinger-Band, an dem frühere Anläufe Mitte Oktober scheiterten.
Über der Marke von 25.720 Punkten wartet das nächste Ziel bei 26.164 Punkten. Fällt der Index unter 25.008 Punkte, wäre das Aufwärtsszenario hinfällig.
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