DAX-Momentum: Qiagen an der Spitze, Telekom bremst

Qiagen erzielt im DAX die beste 30-Tage-Rendite, während BASF und Commerzbank zulegen und die Deutsche Telekom kaum vorankommt.

Die Kernpunkte:
  • Qiagen führt mit 4,1 Prozent
  • BASF verbindet Momentum mit Jahresplus
  • Scout24 erholt sich nach Verlusten
  • Telekom bleibt hinter DAX-Werten

Ausgerechnet der Diagnostikspezialist Qiagen führt derzeit das Kursranking im DAX an – und das, obwohl die Aktie seit Jahresbeginn rund 17 Prozent verloren hat. Während zyklische Werte wie BASF und die Commerzbank spürbar an Fahrt gewinnen, tritt die sonst so verlässliche Deutsche Telekom auf der Stelle. Ein Blick auf die vergangenen 30 Handelstage zeigt, wie unterschiedlich die Kräfteverhältnisse im deutschen Leitindex gerade verteilt sind.

Momentum-Daten messen die relative Stärke einer Aktie über einen kurzen Zeitraum. Sie verraten, wohin gerade Kapital fließt – unabhängig davon, ob die fundamentale Story dahinter Bestand hat. Genau das macht den aktuellen Vergleich interessant: Die Rangfolge der letzten 30 Tage passt nicht immer zur langfristigen Bilanz der jeweiligen Aktie.

RangUnternehmen30-Tage-Rendite
1Qiagen4,1 %
2BASF3,5 %
3Commerzbank3,1 %
4Scout243,1 %
5Deutsche Telekom0,8 %

Qiagen: Erholung trotz schwachem Gesamtjahr

Mit einem Plus von 4,1 Prozent auf 30-Tage-Sicht steht Qiagen an der Spitze des Rankings. Der Kurs schloss gestern bei 38,05 Euro – gut 32 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von Ende April.

Bemerkenswert ist der Kontrast zur Jahresbilanz. Seit Januar steht bei Qiagen ein Minus von 17 Prozent zu Buche, und zum 52-Wochen-Hoch aus dem Januar fehlen noch gut ein Fünftel. Die jüngste Erholung wirkt damit eher wie eine technische Gegenbewegung nach einer längeren Schwächephase als wie der Beginn eines neuen Aufwärtstrends. Mit einem RSI von knapp 56 ist die Aktie weder überkauft noch ausgereizt – Luft nach oben bliebe also.

BASF: Zyklischer Wert im Aufwind

Der Chemiekonzern legt mit 3,5 Prozent in 30 Tagen die zweitbeste Performance im Ranking hin. Anders als bei Qiagen fügt sich das hier in ein stimmigeres Gesamtbild: BASF steht seit Jahresbeginn mit 19 Prozent im Plus und liegt auch auf Zwölfmonatssicht deutlich vorn.

Der Kurs von 52,76 Euro bewegt sich nur noch gut vier Prozent unter dem Rekordhoch vom April. Der RSI von 62,4 signalisiert bereits spürbaren Kaufdruck, ohne in überkaufte Regionen vorzustoßen. Anders als bei den meisten anderen DAX-Werten mit hohem Momentum zeigt sich hier also eine Aktie, deren kurzfristige Stärke und langfristiger Trend in dieselbe Richtung zeigen.

Commerzbank: Ruhiger Lauf nach starkem Jahr

Die Commerzbank reiht sich mit 3,1 Prozent auf Monatssicht ein – eingebettet in eine der stärksten Jahresperformances im gesamten Index. Seit Jahresanfang steht ein Plus von 9,9 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 22 Prozent.

Mit 39,69 Euro notiert die Aktie nur rund drei Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von Ende August. Das deutet auf einen intakten, wenn auch nicht mehr ganz frischen Trend hin. Die Volatilität liegt mit 25 Prozent im Vergleich zu den anderen Werten aus dieser Übersicht auf einem moderaten Niveau – ungewöhnlich für einen Bankwert, der sonst empfindlich auf Zinserwartungen reagiert.

Scout24: Stabilisierung nach schwachem Jahr

Scout24 kommt mit 3,1 Prozent auf ähnliche Werte wie die Commerzbank, allerdings aus einer ganz anderen Ausgangslage. Die Aktie notiert seit Jahresbeginn 8,8 Prozent im Minus, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 27 Prozent.

Zum Rekordhoch vom vergangenen September, das bei 114,10 Euro lag, fehlen der Aktie inzwischen 31 Prozent. Der aktuelle Kurs von 78,30 Euro liegt damit zwar deutlich unter den alten Höchstständen, aber auch ein Viertel über dem Tief vom März. Mit einer annualisierten Volatilität von 39 Prozent gehört Scout24 zu den schwankungsanfälligsten Werten im Vergleich – die jüngste Erholung sollte entsprechend vorsichtig interpretiert werden.

Deutsche Telekom: Der Nachzügler mit stabilem Fundament

Am Ende des Rankings landet ausgerechnet die Deutsche Telekom, sonst ein verlässlicher Fels im DAX. Mit nur 0,8 Prozent Zuwachs in 30 Tagen fällt die Aktie deutlich hinter die übrigen Werte zurück – auf Wochensicht steht sogar ein Minus von 2,3 Prozent zu Buche.

Der Kurs von 28,32 Euro bewegt sich nur rund einen Prozentpunkt unter dem 200-Tage-Durchschnitt, was auf eine Konsolidierung nach der Rally der vergangenen Monate hindeutet. Seit Jahresbeginn bleibt mit 1,9 Prozent zumindest ein leichtes Plus übrig, während die Aktie auf Zwölfmonatssicht knapp zehn Prozent verloren hat. Die aktuelle Schwäche wirkt damit eher wie eine Verschnaufpause als wie eine grundlegende Trendwende.

Sektordynamik im Überblick

Ein paar Muster fallen bei genauerem Hinsehen auf:

  • Zyklische Erholung: BASF und Commerzbank verbinden starkes kurzfristiges Momentum mit einer soliden Jahresbilanz – hier deckt sich Trend und Timing.
  • Technische Gegenbewegung: Qiagen und Scout24 zeigen zwar die höchsten oder zweithöchsten 30-Tage-Renditen, kommen aber aus tiefen Kursverlusten – die Erholung ist bislang begrenzt.
  • Defensive Pause: Die Deutsche Telekom bremst nach einer langen Aufwärtsphase ab, bleibt aber nahe ihrem langfristigen Durchschnitt.
  • Volatilitätsgefälle: Scout24 (39 %) und Qiagen (31 %) schwanken deutlich stärker als BASF (20 %) oder Commerzbank (25 %) – das kurzfristige Momentum ist entsprechend fragiler.

DAX-Werte zwischen Erholung und Konsolidierung

Die aktuelle Rangfolge zeigt vor allem eines: Kurzfristiges Momentum sagt wenig darüber aus, ob eine Aktie fundamental stark oder schwach dasteht. Während BASF und Commerzbank ihre Stärke aus einem soliden Gesamtjahr ziehen, wirken die Kursgewinne bei Qiagen und Scout24 eher wie Erholungsversuche nach schwierigen Monaten. Die Deutsche Telekom wiederum zeigt, dass selbst verlässliche Werte zwischenzeitlich Tempo verlieren können, ohne dass der langfristige Trend darunter leidet. Ob sich die Reihenfolge in den kommenden Wochen hält, dürfte stark davon abhängen, wie sich die zugrunde liegenden Geschäftszahlen der einzelnen Unternehmen entwickeln.

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