DAX: Nahost-Eskalation bremst Rekordjäger

Der DAX verliert zum Wochenstart rund 0,6 Prozent. Steigende US-Zinserwartungen und neue Spannungen am Golf belasten die Stimmung.

Die Kernpunkte:
  • Leitindex fällt auf etwa 26.400 Punkte
  • Ölpreis steigt um rund zwei Prozent
  • US-Zinserhöhung im September wahrscheinlicher
  • Aroundtown-Kursziel von Goldman Sachs gesenkt

Freitag noch Rekordhoch, Montag der Rückzieher: Der DAX startet die neue Woche mit Verlusten, nachdem die USA erstmals seit Ende Juli wieder Ziele im Iran angegriffen haben. Der Leitindex gibt rund 0,6 Prozent nach auf etwa 26.400 Punkte – gut 200 Punkte unter seinem Freitagshoch von 26.618 Punkten.

Öl steigt, Aktienmärkte bleiben gelassen

Das US-Militär nahm nach Medienberichten zwei Raketenwerfer auf der iranischen Insel Larak ins Visier, um neue Verminungen der Straße von Hormus zu verhindern. Der Iran reagierte mit Angriffen auf US-Stützpunkte in Jordanien, zusätzlich meldeten die Vereinigten Arabischen Emirate einen Drohnenvorfall. Die Ölpreise zogen daraufhin an, blieben mit einem Anstieg von rund 2 Prozent auf knapp 90 Dollar je Barrel Brent aber moderat.

Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners ordnet die Marktreaktion als überraschend gelassen ein: Die Mehrheit der Anleger erwarte offenbar keine großflächige, langfristige Eskalation. Diese Einschätzung deckt sich mit der insgesamt verhaltenen Kursbewegung – von Panik ist am Aktienmarkt nichts zu sehen.

Zinssorgen wiegen schwerer als Geopolitik

Für die Kursdelle dürfte weniger der Nahe Osten verantwortlich sein als die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh beim Notenbanker-Treffen in Jackson Hole. Seine falkenhaften Töne haben die Markterwartung für eine US-Zinserhöhung im September deutlich nach oben getrieben – von rund 30 auf etwa 60 Prozent. Der Dollar reagierte bereits am Freitag mit Stärke, der Euro fiel unter die Marke von 1,16 Dollar und pendelt aktuell knapp darüber.

Hinzu kommen anstehende deutsche Inflationsdaten. Volkswirte rechnen mit einer harmonisierten Teuerungsrate von rund 3 Prozent für August, nach 2,8 Prozent im Juli – befeuert durch höhere Energiepreise infolge der Lage an der Straße von Hormus.

Bereits die Daten aus Frankreich und Spanien vom Freitag hatten erhöhten Preisdruck gezeigt. Das dürfte die EZB in ihrer erwarteten Zinsanhebung in der kommenden Woche bestärken, auch wenn der Markt diesen Schritt weitgehend eingepreist hat.

Auf Einzelwerte-Ebene fällt vor allem Siemens Energy auf: Die Aktie verliert deutlich, nachdem Tesla-Chef Elon Musk angekündigt hatte, dass SpaceX wegen langer Lieferzeiten bei Gasturbinen künftig selbst Turbinenblätter fertigen wolle.

Immobilientitel wie Vonovia, TAG Immobilien und LEG geraten unter Druck, belastet von der Aussicht auf höhere Zinsen. Aroundtown verliert nach einer deutlichen Kurszielsenkung durch Goldman Sachs von 2,70 auf 1,90 Euro bei unverändertem „Neutral“-Votum. Chemiewerte wie BASF und Lanxess trotzen dem Trend und legen zu.

Trotz des Rückschlags bleibt der DAX für August auf Kurs für ein Plus von rund 3 Prozent. Ob der Index im historisch schwächsten Börsenmonat September seine Rekordjagd fortsetzen kann, hängt nun maßgeblich davon ab, wie sich die Zinserwartungen in den USA und die Lage am Golf in den kommenden Tagen entwickeln.

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