DAX: Nahost-Hoffnung beflügelt Chipwerte

Fortgesetzte US-Iran-Gespräche drückten die Ölpreise; DAX und MDAX legten zu, während Halbleiteraktien besonders gefragt waren.

Die Kernpunkte:
  • DAX gewinnt 0,8 Prozent
  • Infineon steigt um 5,7 Prozent
  • Halbleiterwerte legen deutlich zu
  • Berenberg senkt FMC-Kursziel auf 42 Euro

Ölpreise runter, Kurse rauf — dieser Zusammenhang bestimmte den Dienstag an der Frankfurter Börse. Frische Signale aus dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran ließen Anleger wieder zugreifen, nachdem der Wochenauftakt trüb ausgefallen war.

Auslöser war eine Meldung des iranischen Außenministeriums: Die Verhandlungen mit den USA über die Straße von Hormus gehen weiter, Katar versucht sich als Vermittler. Die Ölpreise reagierten prompt und gaben spürbar nach. Der DAX legte am Nachmittag um 0,8 Prozent auf 25.565 Punkte zu, der MDAX gewann 0,7 Prozent auf 31.095 Zähler.

Chipwerte an der Spitze

Nach einer schwachen Vortagesphase drehte die Technologiebranche kräftig auf. Ein anstehendes KI-Gipfeltreffen im Weißen Haus dürfte dabei zusätzliche Fantasie geliefert haben — auch der schwebende Anthropic-Börsengang mit einer angestrebten Bewertung von über zwei Billionen Dollar sorgte für Gesprächsstoff.

Infineon führte die DAX-Gewinner mit einem Plus von 5,7 Prozent an. Im MDAX zogen weitere Halbleiterwerte wie Aixtron, Süss Microtec und Siltronic zwischen 3,9 und 8,7 Prozent an. Der Sektor profitierte sichtlich von der Kombination aus sinkenden Energiekosten und ungebrochenem KI-Interesse der Anleger.

Bei den Schwergewichten sorgte auch die Evonik-Übernahmeposse für Bewegung. Der Chemiekonzern hatte ein unverbindliches Angebot von BASF über 22,15 Euro je Aktie abgelehnt — die Evonik-Aktie legte seither um mehr als zehn Prozent zu, blieb am Dienstag mit 0,2 Prozent aber nahezu unverändert.

Fresenius Medical Care gehörte mit einem Minus von 2,2 Prozent zu den schwächsten DAX-Werten, nachdem Berenberg das Kursziel von 60 auf 42 Euro gesenkt und die Kaufempfehlung gestrichen hatte.

Unter Druck blieb auch Renk. Die Aktie des Getriebeherstellers fiel um weitere 3,9 Prozent und markierte damit einen Tiefstand seit Frühjahr 2025, nachdem JPMorgan sein Kursziel bereits am Vortag um fast 20 Prozent gekappt hatte. Der Quartalsbericht des Unternehmens steht am 5. November an.

ETF-Flüsse bestätigen den Trend

Abseits des Tagesgeschäfts zeigt sich auch im ETF-Handel ein klares Bild: Deutsche Standardwerte sind gefragt. Marktbeobachter berichten von deutlichem Kaufinteresse bei DAX-Trackern, während Short-DAX-Produkte eher verkauft wurden — ein Hinweis darauf, dass Anleger aktuell auf steigende statt fallende Kurse setzen.

Der Blick richtet sich nun auf den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag. Bis dahin dürfte die Entwicklung im Nahost-Konflikt der maßgebliche Taktgeber für die Ölpreise und damit auch für die Stimmung am deutschen Aktienmarkt bleiben.

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