DAX: Ölpreis hält den Markt in Schach
Der DAX schloss nahezu unverändert, während teures Öl Inflationssorgen verstärkte und die Märkte auf den EZB-Zinsentscheid am Donnerstag blickten.

- DAX pendelt um 26.000 Punkte
- Brent nähert sich 100-Dollar-Schwelle
- Rüstungswerte legen deutlich zu
- Hornbach und Kion steigen kräftig
Der DAX kam am Dienstag praktisch nicht von der Stelle. Nach einem schwachen Start mit einem Minus von 0,42 Prozent auf 25.897,22 Punkte kämpfte sich der Leitindex zurück und schloss bei 26.007,63 Zählern – nahezu unverändert zum Vortag. Die 26.000-Punkte-Marke bleibt damit ein Fixpunkt, um den sich der Handel dreht, ohne echten Ausbruch nach oben oder unten.
Der eigentliche Taktgeber saß nicht im Frankfurter Handelssaal, sondern an den Ölmärkten. Brent näherte sich mit bis zu 99,25 Dollar je Barrel dem höchsten Stand seit Anfang Juni und rückte damit gefährlich nah an die psychologisch wichtige 100-Dollar-Schwelle. Auslöser waren Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz auf Anlagen von Saudi Aramco nahe der Grenze zum Jemen – Saudi-Arabien stoppte daraufhin die Förderung in einigen betroffenen Anlagen.
Warum die Ölpreis-Marke so entscheidend ist
Notierungen unterhalb der 100-Dollar-Schwelle lösen an der Börse noch vereinzelte Käufe aus, darüber schwindet die Risikobereitschaft der Anleger merklich. Steigende Energiekosten drücken auf das Konsumklima und befeuern Inflationssorgen – ein Umstand, der Notenbanken unter Zugzwang setzt. Höhere Zinsen dürften für längere Zeit eingepreist bleiben, solange der Ölpreis auf diesem Niveau verharrt.
Hinzu kommt die Konkurrenz durch Anleihen: Mit steigenden Renditen wird festverzinsliche Anlage gegenüber Aktien wieder attraktiver. Vermögensverwalter denken bereits über Umschichtungen nach, was Mittelabflüsse aus dem Aktienmarkt zur Folge haben könnte.
Sektorbewegungen unter der Oberfläche
Während der Gesamtindex stillstand, gab es innerhalb der Branchen deutliche Bewegung. Rüstungswerte legten zu – Rheinmetall gewann rund 3 Prozent, Hensoldt knapp 3 Prozent und Renk knapp 4 Prozent. Das Sentiment im Sektor bleibt aber angeschlagen, da unklar ist, wie stark klassische Waffensysteme von den technologischen Umbrüchen der Kriegsführung profitieren.
Chipwerte legten dagegen den Rückwärtsgang ein, nachdem Morgan Stanley die Infineon-Aktie abgestuft und vor einem Hoch der DRAM-Nachfrage gewarnt hatte – das Papier verlor rund 3,9 Prozent.
Kräftig nach oben ging es bei Hornbach Holding mit einem Plus von 6,5 Prozent, nachdem die Baumarktkette gute Zahlen samt bestätigter Prognose vorgelegt hatte. Kion sprang nach einer Kaufempfehlung der Citigroup um rund 7 Prozent, gestützt von der Erwartung einer Belebung im Staplergeschäft bis 2027.
Der MDAX schloss mit einem Plus von rund 0,4 Prozent auf etwa 32.545 Punkte deutlich fester als der DAX, getragen von Schwergewichten wie Porsche und DWS.
Der Blick der Anleger richtet sich nun auf Donnerstag: Die EZB entscheidet über die Leitzinsen, eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent gilt als weitgehend eingepreist. Entscheidender dürften die Signale zur weiteren Geldpolitik werden – und ob sich der Ölpreis bis dahin von der 100-Dollar-Marke wieder entfernt.
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