DAX: Ölpreis-Rutsch beflügelt Rekordjagd

Der DAX nähert sich dank sinkender Ölpreise und Hoffnung auf Iran-Gespräche seinem Rekordhoch. Die Quartalszahlen vieler Konzerne könnten weiteren Auftrieb geben.

Die Kernpunkte:
  • DAX klettert vorbörslich auf 25.895 Punkte
  • Ölpreis fällt nach Trump-Annäherung an Iran
  • Halbe DAX-Familie legt Quartalszahlen vor
  • Deutsche Wirtschaft wächst um 0,9 Prozent

Sinkende Ölpreise verschaffen dem DAX zum Wochenauftakt neuen Schwung. Vorbörslich zeigte sich der deutsche Leitindex rund ein Prozent höher bei 25.895 Punkten — nur wenige Zähler unter dem bisherigen Rekordstand von 25.900 Punkten aus dem Juli. Auslöser ist eine überraschende Entspannung im Iran-Konflikt.

US-Präsident Donald Trump hatte am Wochenende einen nach eigenen Worten besonders schweren Militärschlag gegen den Iran vorerst gestoppt, um neuen Verhandlungen eine Chance zu geben. Erste Gespräche sollen am Montagnachmittag stattfinden, Details zu Ort und Teilnehmern blieben zunächst offen. Der Ölpreis der Sorte Brent, der Mitte Juli im Zuge verstärkter US-Angriffe zeitweise über 100 Dollar gestiegen war, gab daraufhin deutlich nach. Das dämpft Inflationssorgen und nimmt Druck von der Zinsdebatte.

Der Index selbst zeigte zuletzt bemerkenswerte Zählkraft: Am Freitag schloss der DAX mit einem knappen Plus bei 25.629,24 Punkten, nachdem er im Tagesverlauf zeitweise bis auf 25.891,51 Zähler geklettert war — nur neun Punkte unter dem Allzeithoch vom 6. Juli.

Berichtssaison als zweiter Treiber

Neben der Geopolitik liefert die laufende Quartalssaison Rückenwind. Aus dem 40 Werte umfassenden Index legen diese Woche rund die Hälfte der Unternehmen ihre Zahlen vor:

  • Dienstag: Bayer, Continental, Fresenius Medical Care, Zalando
  • Mittwoch: Fresenius, DHL Group, Siemens Energy, Vonovia, Infineon, Beiersdorf
  • Donnerstag: Commerzbank, Deutsche Telekom, Merck KGaA, Siemens
  • Freitag: Allianz, Daimler Truck, Munich Re

Marktbeobachter werten die bislang überwiegend positiv aufgenommenen Bilanzen als Signal, dass Anleger wieder stärker zwischen KI-Gewinnern mit belegbarem Wachstum und reinen Investitionsversprechen unterscheiden. Zweifel bestehen weniger an der aktuellen Bewertung von Halbleiterwerten — die bewege sich trotz hoher Gewinne nur auf Durchschnittsniveau — als an der Nachhaltigkeit dieser Gewinne angesichts der Zyklizität der Branche.

Rückenwind kommt auch von der Konjunktur: Die deutsche Wirtschaft wuchs zuletzt um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr — das stärkste Plus seit dreieinhalb Jahren. Diese Woche könnten neue Einkaufsmanagerindizes für Deutschland und Europa zeigen, ob sich diese Dynamik zu Beginn des dritten Quartals fortsetzt. Für die EZB-Sitzung im September gilt eine Zinsanhebung als fraglich, wahrscheinlicher erscheint ein Schritt erst im Dezember.

Schmaler Grat zum Rekord

Der Weg zu neuen Höchstständen bleibt trotz der günstigen Gemengelage schmal. Der Iran-Konflikt kann jederzeit neue Nervosität auslösen, sollten die für Montagnachmittag angekündigten Gespräche scheitern. Ob die Zahlen von Bayer, Siemens Energy, Commerzbank und Allianz im Laufe der Woche den nötigen Schub für ein neues Rekordhoch liefern, dürfte sich an der Reaktion auf genau diese Berichte entscheiden.

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