DAX: Ölpreis-Schub trifft auf Fed-Nervosität

Der DAX gibt nach, während teures Öl, KI-Bedenken und hohe Anleiherenditen die Märkte vor dem Fed-Entscheid verunsichern.

Die Kernpunkte:
  • Leitindex verliert rund 0,5 Prozent
  • Brent-Preis steigt auf etwa 107 Dollar
  • Chipwerte büßen bis zu 8 Prozent ein
  • Fed-Entscheidung fällt am Mittwochabend

Der deutsche Leitindex startet die Woche im Minus. Der DAX verliert am Montagvormittag rund 0,5 Prozent und rutscht auf etwa 25.440 Punkte ab. Damit hat sich der Index bereits mehr als 1.000 Punkte von seinem jüngsten Allzeithoch bei 26.659 Zählern entfernt.

Der Auslöser liegt weniger in Frankfurt als am Persischen Golf. Die Lage rund um die Straße von Hormus bleibt ungeklärt, zusätzlich muss Saudi-Arabien wegen Drohnenangriffen der Huthi-Miliz auf die Meerenge Bab al-Mandab eine wichtige Pipeline abschalten.

Brent-Öl kostet inzwischen rund 107 Dollar je Barrel — in der Spitze waren es vergangene Woche sogar 110 Dollar. Marktbeobachter warnen bereits, sich an ein dauerhaft hohes Ölpreisniveau über 100 Dollar zu gewöhnen, solange keine echten Verhandlungen mit dem Iran in Sicht sind.

KI-Sorgen belasten Chipwerte

Zum Ölthema gesellt sich Unruhe rund um Künstliche Intelligenz. Anthropic-Chef Dario Amodei hat sich öffentlich für eine Verlangsamung der KI-Entwicklung ausgesprochen, OpenAI-Chef Sam Altman und Tesla-Chef Elon Musk stimmten zu. OpenAI hat seinen geplanten Börsengang für dieses Jahr sogar verschoben.

Die Folge: Hoch bewertete Technologiewerte geraten unter Druck. Siemens Energy und Infineon zählen mit Verlusten von bis zu rund 6 Prozent zu den schwächsten DAX-Werten, Chip-Zulieferer wie Aixtron, Süss Microtec, Siltronic und Jenoptik verlieren zeitweise bis zu 8 Prozent. Softwarewerte profitieren dagegen vom Umdenken der Anleger — SAP legt rund 2,5 Prozent zu und führt den Index an, auch Nemetschek gewinnt deutlich.

Bayer-Aktien ziehen um gut 2 Prozent an. Im Fokus steht eine Gerichtsanhörung in Missouri zur finalen Genehmigung eines Sammelvergleichs in den Roundup-Rechtsstreitigkeiten — eine endgültige Entscheidung wird laut Unternehmensangaben erst später erwartet. Adidas verliert dagegen leicht, nachdem die Investmentbank Baird das Rating von „Outperform“ auf „Neutral“ gesenkt und das Kursziel von 180 auf 165 Euro reduziert hat.

Blick auf die Notenbank-Woche

Am Anleihemarkt spiegelt sich die angespannte Stimmung ebenfalls wider. Die Rendite zehnjähriger US-Anleihen nähert sich der 5-Prozent-Marke, die deutsche Zehnjahresrendite verharrt auf dem höchsten Niveau seit 2009. Hintergrund ist die überraschend hohe US-Kerninflation vom Freitag, die den Märkten eine Zinserhöhung der Fed mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 87 Prozent einpreisen lässt.

Die Entscheidung der US-Notenbank fällt am Mittwochabend. Bis dahin dürfte der Markt ohne nennenswerte Konjunkturdaten vor allem auf die Ölpreisentwicklung und die Rendite-Entwicklung reagieren. Am Freitag steht zudem der große Verfallstag von Optionen und Futures an der Eurex an — traditionell ein Termin, der für zusätzliche Kursschwankungen sorgen kann.

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