DAX: Rekord mit Fragezeichen
Der DAX erreicht ein neues Allzeithoch, doch der Kursindex hinkt hinterher. Zinshoffnungen und ein Reformpaket treiben die Aktienrally an.

- DAX erreicht neues Allzeithoch bei 25.809 Punkten
- Kursindex bleibt unter Januar-Rekord zurück
- Schwache US-Arbeitsmarktdaten beflügeln Zinsfantasie
- Koalition einigt sich auf Steuerreformpaket
Der DAX schreibt gerade Geschichte – und trotzdem bleibt ein Rest Skepsis im Markt. Am Freitag kletterte der deutsche Leitindex auf ein neues Allzeithoch von 25.809,79 Punkten, nachdem er bereits zum Start bei 25.763,97 Zählern ein Rekordniveau markiert hatte. Nur: Ein zweiter, weniger beachteter Indexstand zeigt, dass die Euphorie nicht überall ankommt.
Zwei Indizes, zwei Geschichten
Der DAX-Performance-Index, an dem sich Schlagzeilen orientieren, jagt von Hoch zu Hoch. Der international besser vergleichbare DAX-Kursindex, der Dividendenzahlungen nicht mit einrechnet, liegt dagegen noch rund zwei Prozent unter seinem Januar-Hoch. Das Detail zeigt: Ein Teil der Rekordjagd speist sich aus wiederangelegten Ausschüttungen, nicht aus reinem Kursgewinn – Vertrauen wächst offenbar langsamer als die Schlagzeile suggeriert.
Am Donnerstag hatte der Index bereits um 2,16 Prozent auf 25.580,88 Punkte zugelegt und damit so hoch geschlossen wie nie zuvor. Rückenwind kam aus Asien: Der südkoreanische Kospi, der sich im Jahresverlauf mehr als verdoppelt und zuletzt um 15 Prozent korrigiert hatte, drehte am Freitagmorgen wieder klar ins Plus.
Zinsfantasie und Reformpaket als Treiber
Ein schwächerer US-Arbeitsmarktbericht dämpfte die Erwartungen an weitere Zinsschritte der Fed. Anleger setzen zunehmend auf ein „Goldlöckchen-Szenario“ – abkühlende Inflation bei stabilem Arbeitsmarkt, das Aktien Auftrieb gibt, ohne Rezessionsängste zu schüren.
Zusätzlichen Schub lieferte die Einigung der Regierungskoalition auf ein Reformpaket zu Steuern, Arbeit und Entbürokratisierung. Kleine und mittlere Einkommen sollen ab 2027 steuerlich entlastet werden. Am Rentenmarkt zeigte sich die Stimmung deutlich verhaltener: Der Bund-Future geriet unter Druck, während der Euro von der Aktienrally profitierte.
Am Montag steht die nächste Weichenstellung an: Das Bundeskabinett will den Entwurf für den Haushalt 2027 beschließen. Bundeskanzler Merz mahnte bereits zur Kontrolle der Staatsverschuldung – die fiskalischen Spielräume seien begrenzt. Ob das Reformtempo die Rekordlaune am Aktienmarkt trägt oder die Haushaltsdebatte neue Zweifel weckt, entscheidet sich in den kommenden Handelstagen.
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