DAX: Ruhe vor Warshs erster Zinsentscheidung
Der DAX legt leicht zu, während Märkte eine US-Zinserhöhung erwarten. Im Fokus stehen Warshs Inflationskurs und Trumps Druck auf die Fed.

- DAX vor Fed-Entscheidung leicht höher
- Märkte rechnen mit 0,25 Prozentpunkten
- Warsh steht zwischen Inflation und Trump
- Salzgitter profitiert, Lanxess gerät unter Druck
Der deutsche Leitindex tastet sich am Mittwoch vorsichtig nach oben. Vorbörslich taxierte der Broker IG den DAX rund 0,2 Prozent höher auf 25.445 Punkte, nachdem der Index am Dienstag mit 25.402 Zählern leicht im Minus geschlossen hatte. Der eigentliche Härtetest steht aber erst am Abend an.
Dann verkündet die US-Notenbank ihre Zinsentscheidung — die dritte unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh. An den Terminmärkten gilt eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte fast als ausgemacht: Die NordLB sieht die Wahrscheinlichkeit bei über 94 Prozent, das FedWatch-Tool bei 92 Prozent. Grund ist eine Kerninflation, die in der vergangenen Woche stärker anzog als erwartet.
Warsh zwischen Inflationsdruck und politischem Gegenwind
Spannender als die Entscheidung selbst dürfte der Ton der Pressekonferenz werden. Warsh hatte beim Notenbank-Treffen in Jackson Hole bereits deutliche Worte gefunden: Man müsse überzeugt sein, dass sich die Kerninflation „eindeutig und mit ausreichender Geschwindigkeit“ dem Ziel nähere.
US-Präsident Donald Trump drängt seit Langem in die entgegengesetzte Richtung und fordert niedrigere Zinsen — wie Warsh am Abend mit diesem Spannungsfeld umgeht, dürfte die Marktreaktion prägen.
Der DAX behauptet sich unterdessen weiter über seiner 100-Tage-Linie, einem wichtigen mittel- bis langfristigen Signal für die Marktverfassung. Rückenwind kommt von der Wall Street, wo sich die Verluste am Dienstag im späten Handel noch etwas abschwächten, sowie von den meisten asiatischen Handelsplätzen, die zur Wochenmitte leicht zulegten. Auch die Ölpreise geben etwas nach, wenngleich ohne echten Fortschritt bei den Konflikten im Nahen Osten.
Zinssorgen bremsen Wall Street
An der Wall Street überwog zuletzt die Vorsicht. Der Dow Jones schloss am Dienstag 0,63 Prozent tiefer, zusätzlich belastet von wieder anziehenden Ölpreisen und einer US-Zehnjahresrendite nahe der Fünf-Prozent-Marke. Im DAX selbst zeigte sich das Bild gemischt: Stahlwerte wie Salzgitter profitierten von angehobenen Gewinnschätzungen der Citigroup, während Chemiewerte wie Lanxess nach einer Kurszielsenkung durch JPMorgan unter Druck gerieten.
Zur Erinnerung an das aktuelle Kursniveau: Sein bisheriges Rekordhoch hatte der DAX Ende August bei rund 26.619 Punkten auf Intraday-Basis markiert. Von diesem Niveau ist der Index derzeit ein gutes Stück entfernt.
Der Zinsentscheid fällt um 20 Uhr, die Pressekonferenz mit Warsh folgt um 20:30 Uhr. Bis dahin dürfte sich der DAX in einer engen Spanne bewegen — die eigentliche Richtungsentscheidung fällt erst am Abend.
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