DAX: Siemens-Clan treibt Rekordjagd
Der DAX nähert sich seinem Höchststand, getragen von Siemens und Infineon. SAP verliert seine Spitzenposition als schwerstes Indexmitglied.

- DAX steigt auf 25.885 Punkte
- Siemens überholt SAP als Top-Wert
- Infineon mit 116 Prozent Plus
- Tech-Erholung stützt den Leitindex
Der deutsche Leitindex tastet sich an sein Rekordhoch heran — und ausgerechnet ein Münchner Traditionskonzern liefert dafür die Vorlage. Während sich die Erholung der Technologiewerte in den USA und Asien wie ein roter Faden durch den Freitagshandel zieht, zeigt sich beim Blick auf das erste Halbjahr: Ohne die Siemens-Familie sähe die deutsche Aktienbilanz deutlich blasser aus.
Der DAX kletterte am Vormittag um rund 1,1 Prozent auf etwa 25.885 Punkte und nähert sich damit dem Rekordhoch von 25.900 Punkten, das er Anfang Juli markiert hatte. Seit Jahresbeginn steht damit ein Plus von 5,7 Prozent zu Buche. Rückenwind kommt von deutlich sinkenden Ölpreisen und einer Erholung der Technologiewerte, die sich von Tokio über Frankfurt bis in die US-Vorbörse zieht.
Tech-Erholung als Zugpferd
Auslöser der guten Stimmung sind starke Quartalszahlen von Amazon und Microsoft, die Sorgen um die Rentabilität milliardenschwerer KI-Investitionen zumindest kurzfristig zerstreut haben. Die Bank of Japan hielt ihren Leitzins unterdessen bei 1,0 Prozent — dem höchsten Stand seit über drei Jahrzehnten — und signalisierte angesichts unerwartet starker Inflationsdaten aus Tokio weitere Zinsschritte. Der Nikkei 225 reagierte mit deutlichen Gewinnen.
Im DAX profitierten Infineon und Siemens Energy am stärksten von der Chip-Euphorie, beide legten kräftig zu. Getrübt wurde das Bild von Siemens Healthineers: Der Medizintechnikkonzern hob zwar die Gewinnprognose an, senkte aber wegen der schwachen Diagnostiksparte gleichzeitig das Umsatzziel für das laufende Geschäftsjahr. Hensoldt wiederum verdoppelte den Auftragseingang im ersten Halbjahr — die Aktie geriet trotzdem unter Druck, nachdem JPMorgan das Rüstungselektronik-Unternehmen als das teuerste in seinem gesamten Analyseuniversum bezeichnete.
Siemens zieht, SAP verliert an Gewicht
Der Blick auf das erste Halbjahr offenbart, wer den Index wirklich bewegt hat. Für DAX-Anleger war es insgesamt ein Nullsummenspiel, doch Siemens und Siemens Energy glichen den Verlust eines Drittels der Marktkapitalisierung bei SAP mehr als aus. SAP musste dadurch seine Spitzenposition als schwerstes Indexmitglied an Siemens abgeben. Hinzu kommt Infineon, einst selbst Teil des Siemens-Konzerns vor der Abspaltung im Jahr 2000 — mit einem Kursplus von 116 Prozent im ersten Halbjahr war der Chiphersteller der auffälligste Treiber im gesamten Index.
Abseits der Siemens-Welt sorgten schwächere Einzelwerte für Gegenwind: Puma gab nach enttäuschenden Zahlen deutlich nach, nachdem bereits Adidas tags zuvor eingebrochen war. Universal Music verlor rund ein Fünftel seines Wertes, weil das Abo-Wachstum die Erwartungen verfehlte. Die Commerzbank blieb trotz der laufenden Übernahmeschlacht mit UniCredit im ersten Halbjahr nahezu unbewegt.
Für das zweite Halbjahr bleibt die Frage offen, ob Infineon und Siemens den KI-Rückenwind halten können oder ob Gewinnmitnahmen einsetzen. Sollte stattdessen die Deutsche Bank oder die Münchener Rück ihre Schwäche aus dem ersten Halbjahr aufholen, hätte der Index einen zweiten Wachstumsmotor — die Berichtssaison legt nach einer arbeitsreichen Woche nun aber erst einmal eine kurze Pause ein.
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