DAX: Stabil im Pulverfass-Modus
Der deutsche Leitindex verharrt unter seinem Rekordhoch. Geopolitische Risiken und steigende Ölpreise dämpfen die Kauflaune, während die Gewinnsaison solide ausfällt.

- DAX pendelt nahe Rekordhoch
- Nahost-Konflikt belastet Anlegerstimmung
- Ölpreis steigt auf über 89 Dollar
- Unternehmensgewinne wachsen um 22 Prozent
Der DAX pendelt am Dienstag knapp unter seinem Rekordniveau – und tut sich schwer, die entscheidende Marke zu knacken. Am Freitag markierte der Index bei 26.445 Punkten ein Intraday-Allzeithoch, am Montag reichte es für einen Schlussrekord von 26.323,88 Punkten. Zum Dienstagshandel notiert er leicht darunter, mal knapp im Plus, mal im Minus – die Richtung bleibt unentschieden.
Der Grund für die Zurückhaltung liegt weniger an der deutschen Wirtschaft als an geopolitischen Risiken. Der Nahost-Konflikt sorgt weiterhin für Nervosität, ohne dass sich die Stimmung grundlegend verschlechtert. Analyst Jochen Stanzl von der Consorsbank beschreibt die Marktlage treffend: Anleger hätten sich „ein dickes Fell wachsen lassen“ angesichts der wechselhaften Nachrichtenlage aus der Region. Neue gegenseitige Forderungen der Konfliktparteien haben zuletzt die Hoffnung auf eine schnelle diplomatische Lösung gedämpft, was die Ölpreise anzog – Brent verteuerte sich deutlich auf über 89 Dollar je Barrel.
Gewinnsaison liefert Rückenwind
Fundamental spricht wenig gegen weitere Kursgewinne. Die Berichtssaison der DAX-Unternehmen fällt trotz hoher Energiepreise robust aus, moderate Bewertungen und eine noch zurückhaltende Anlegerstimmung schaffen laut Stanzl ein konstruktives Umfeld. Europaweit steuert die Gewinnentwicklung auf ein Wachstum von rund 22 Prozent im Jahresvergleich zu – deutlich über den zu Saisonbeginn erwarteten knapp 15 Prozent, wobei Gesundheits-, Versorger- und Finanzwerte besonders positiv überraschten.
Auf Einzeltitelebene bleibt die Berichtssaison durchwachsen. Cancom verlor nach einem Umsatzrückgang im zweiten Quartal deutlich, während Analysten den bestätigten Ausblick zunehmend als ambitioniert einstufen. Salzgitter geriet nach schwächer als erwarteter Stahlproduktion unter Druck. Kräftig unter Beschuss stand dagegen PNE: Der Windparkentwickler bestätigte zwar Gespräche mit potenziellen Käufern, die Marktreaktion deutet aber darauf hin, dass Interessenten den Unternehmenswert niedriger einschätzen als der aktuelle Börsenkurs – die Aktie brach zeitweise um fast 20 Prozent ein. Positiv fiel dagegen RTL Group auf, das dank der Übernahme von Sky Deutschland seinen Umsatzausblick anhob und rund zwei Prozent zulegte.
Im SDAX kommt es zudem zu einem Wechsel: Klöckner & Co scheidet nach der Übernahme durch Worthington Steel aus dem Index aus, das Raumfahrtunternehmen OHB rückt nach.
Für die kommenden Tage bleibt die technische Lage angespannt. Solange der DAX zwischen der Unterstützung um 26.150 Punkte und dem alten Rekordbereich um 26.450 Punkte gefangen bleibt, dürfte er richtungslos verharren. Ein nachhaltiger Ausbruch über die 26.445-Punkte-Marke vom vergangenen Freitag würde neue Kaufsignale liefern – ein Rückfall unter 26.150 Punkte hingegen eine tiefere Korrektur einleiten.
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