DAX: Stabilisierung vor EZB-Urteil

Der DAX stabilisiert sich vor dem EZB-Urteil, während steigende Ölpreise und Anleiherenditen die Zinserwartungen sowie Aktien belasten.

Die Kernpunkte:
  • DAX nähert sich 25.580 Punkten
  • Brent-Preis überschreitet zeitweise 100 Dollar
  • EZB-Zinsentscheid prägt den Handelstag
  • Analystenkommentare bewegen mehrere Einzelwerte

Nach dem kräftigen Rücksetzer der vergangenen Tage tastet sich der DAX am Donnerstag vorsichtig nach oben. Der Leitindex notiert vorbörslich bei rund 25.580 Punkten und damit knapp im Plus – nachdem er zuvor bis auf 25.512 Punkte gefallen war, das tiefste Niveau seit Ende Juli. Für echte Erleichterung reicht das noch nicht: Über acht Monate hinweg steht für Anleger unterm Strich eine Nullrunde zu Buche.

Der eigentliche Belastungsfaktor bleibt der Ölpreis. Brent hatte zeitweise die Marke von 100 Dollar überschritten, getrieben vom eskalierenden Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Das schürt Inflationssorgen – und die wirken direkt auf die Zinserwartungen durch, was Aktien tendenziell unter Druck setzt.

EZB-Entscheidung bestimmt den Tagesausgang

Am Nachmittag richtet sich der Blick auf die Europäische Zentralbank. Eine Anhebung des Einlagensatzes um einen Viertelprozentpunkt auf 2,50 Prozent gilt als nahezu ausgemacht und dürfte bereits eingepreist sein.

Entscheidend wird stattdessen der Ausblick: Die Märkte rechnen aktuell mit zwei weiteren Zinsschritten im kommenden Jahr. Fällt die Kommunikation der Notenbank schärfer aus als erwartet, könnte das die Kurse belasten – zeigt sie sich zurückhaltender, wäre Erholungspotenzial denkbar.

Parallel dazu blicken Anleger auf den Rentenmarkt. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kletterte zuletzt auf ein Fünfzehnjahreshoch, jene fünfjähriger Papiere erreichte ein Niveau wie zuletzt 2008. Höhere Renditen machen Anleihen im Vergleich zu Aktien attraktiver und verteuern gleichzeitig die Finanzierung von Unternehmen.

Charttechnik zeigt Spannungsfeld

Aus charttechnischer Sicht bewegt sich der Index in einer heiklen Zone. Bei rund 25.500 Punkten verläuft die Nackenlinie einer inversen Schulter-Kopf-Schulter-Formation, die als Signal für eine mögliche Trendwende nach oben gilt.

Hält diese Unterstützung, wäre ein Anstieg bis in Richtung 27.500 Punkte denkbar. Ein Vergleich mit dem EuroStoxx 50 liefert allerdings ein Warnsignal: Dort zeichnet sich eine fünfwellige Abwärtsbewegung ab, ein Muster, das aus Sicht der technischen Analyse eher für eine ausgeprägte Schwächephase spricht.

Bei den Einzelwerten sorgten vorbörslich vor allem Analystenkommentare für Bewegung. RENK verlor nach einer Abstufung durch Exane BNP auf „Neutral“, Rheinmetall gab nach einem negativen Kommentar von JPMorgan nach. RWE, Porsche, MTU Aero Engines und DHL profitierten dagegen von positiven Einschätzungen derselben US-Investmentbank.

Zwei Termine dürften die nächsten Handelstage prägen: Der US-Erzeugerpreisindex kommt heute, am Freitag folgt der Verbraucherpreisindex. Beide Datensätze liefern wichtige Hinweise darauf, ob die US-Notenbank bei ihrer Sitzung am 15. und 16. September erneut an der Zinsschraube dreht.

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