DAX: Trotz allem stabil
Der deutsche Leitindex schließt trotz verschärfter Rhetorik im Iran-Konflikt knapp im Plus. Chemiewerte und E.ON stützen, während GEA und Hannover Rück nachgeben.

- DAX schließt minimal im Plus
- Chemiewerte als stärkster Sektor
- E.ON profitiert von Kaufempfehlung
- GEA Group mit deutlichem Kursverlust
Der deutsche Leitindex zeigt sich bemerkenswert widerstandsfähig. Trotz festgefahrener Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran schloss der DAX am Montag mit einem minimalen Plus von 0,05 Prozent bei 24.350 Punkten — ein klares Zeichen dafür, dass die schlechten Nachrichten aus dem Nahen Osten bereits eingepreist scheinen.
Dabei hätte es schlimmer kommen können. US-Präsident Trump erklärte Irans jüngsten Vorschlag zur Konfliktlösung für „völlig inakzeptabel“ und verschärfte den Ton. Teheran antwortete mit Gegenforderungen. Trotzdem reagierten die Märkte kaum — was Marktbeobachter als auffällig bezeichnen: Positive Nachrichten werden derzeit stärker gewichtet als negative.
Chemie-Titel als Zugpferd
Innerhalb des Index bildeten Chemiewerte den stärksten Block. BASF und Brenntag legten deutlich zu und zogen auch Titel wie Lanxess, Evonik und Wacker Chemie aus dem MDAX mit nach oben. E.ON profitierte zusätzlich von einer Kaufempfehlung der Privatbank Metzler, die für Energienetzbetreiber generelles Aufholpotenzial sieht — ein Plus von 1,9 Prozent war die Folge.
Auf der Verliererseite fiel GEA Group mit einem Minus von knapp 5 Prozent auf. Trotz ordentlicher Quartalszahlen monierte das Marktumfeld eine schwache Barmittelentwicklung. Hannover Rück verlor 2,6 Prozent, belastet durch ein enttäuschendes Schaden-Unfall-Geschäft im Rückversicherungssegment. Rheinmetall setzte seinen Abwärtstrend fort, nachdem JP Morgan das Kursziel deutlich nach unten korrigiert hatte.
Ölpreis und Inflation als stiller Belastungsfaktor
Im Hintergrund bleibt die Inflationsentwicklung ein ernstzunehmendes Thema. Die Teuerungsrate in Deutschland kletterte im April auf 2,9 Prozent — den höchsten Stand seit Januar 2024. Haupttreiber: Energie. Haushaltsenergie und Kraftstoff verteuerten sich im Jahresvergleich um 10,1 Prozent, direkte Folge des Iran-Kriegs und des damit verbundenen Ölpreisschocks.
Führende Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen für das laufende Jahr mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2,8 Prozent, für 2027 sogar mit 2,9 Prozent. Das macht die Lage für die Europäische Zentralbank komplizierter — und könnte den Spielraum für weitere Zinssenkungen einengen, was mittelfristig auf der Stimmung der Aktienmärkte lasten dürfte.
Zum Wochenstart am Dienstag deutet der DAX-Future mit einem Minus von rund 200 Punkten auf eine verhaltene Eröffnung hin. Das Papier notiert vorbörslich bei etwa 24.210 Punkten. Der Blick der Anleger richtet sich dabei nicht nur auf den Nahost-Konflikt, sondern auch auf den bevorstehenden Staatsbesuch Trumps in China — ein möglicher Lichtblick in einem geopolitisch angespannten Umfeld.
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