DAX: Warsh besänftigt die Nerven
Nach der US-Zinserhöhung gewinnt der DAX vorbörslich an Boden. Sinkende Ölpreise und Warshs Auftritt stützen die Stimmung am Aktienmarkt.

- DAX vor Handelsstart 0,6 Prozent höher
- Fed hebt Leitzins auf 3,75 bis 4,00 Prozent
- Warsh stärkt Vertrauen in die Notenbank
- Ölpreis und Asienmärkte liefern gemischte Signale
Die erste US-Zinserhöhung seit über drei Jahren hätte auch anders ausgehen können. Stattdessen greifen Anleger am Donnerstag zu deutschen Aktien zu – und schicken den DAX vorbörslich deutlich nach oben.
Der Broker IG taxierte den Index rund zwei Stunden vor Handelsstart 0,6 Prozent höher auf 25.695 Punkte. Bereits am Vortag hatte der DAX mit einem Plus von 0,53 Prozent bei 25.537,75 Punkten geschlossen, noch bevor die Fed am Abend ihre Entscheidung verkündete.
Fed liefert erwartbares Ergebnis, Warsh liefert Beruhigung
Die US-Notenbank hob den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent an – der erste Schritt seit Dezember 2025, die vorletzte Anhebung liegt sogar bis Juli 2023 zurück. Der Schritt selbst überraschte niemanden. Entscheidend war der Auftritt von Fed-Chef Kevin Warsh danach: Er betonte die anhaltend hohe Inflation, wurde aber als entschlossen und glaubwürdig wahrgenommen.
„Die Fed verteidigt ihre Glaubwürdigkeit“, brachte es Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust, auf den Punkt. Er hält eine weitere Zinserhöhung im Oktober oder spätestens Dezember für wahrscheinlich – die Zinsanhebung dürfte in der Politik zwar Kritik hervorrufen, in der Öffentlichkeit angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten in den USA aber auch auf Verständnis stoßen.
An der Wall Street fiel die erste Reaktion noch verhalten aus. Der Dow Jones Industrial rutschte im späten Handel auf ein Tief seit Juni und schloss letztlich 1,21 Prozent tiefer bei 51.461,90 Punkten.
Die UBS sieht darin aber keinen Grund zur Sorge: Die Zinserhöhung dürfte „die Märkte nicht aus der Bahn werfen“, da ein aggressiverer Zinszyklus bereits eingepreist sei. Robustes Wachstum und starke Unternehmensgewinne sollten die Belastung durch höhere Zinsen abfedern.
Ölpreise geben nach, Asien uneinheitlich
Rückenwind für den DAX kommt auch vom Ölmarkt. Nachdem Brent-Rohöl zeitweise über 108 US-Dollar gekostet hatte, sank der Preis am Donnerstagmorgen wieder – US-Lagerdaten fielen schwächer aus als erwartet, hinzu kommen neue Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung im Nahostkonflikt.
In Asien fiel das Bild gemischt aus: Der Nikkei 225 legte um 0,3 Prozent zu, während der chinesische CSI-300-Index 0,4 Prozent und der Hang-Seng-Index in Hongkong 0,7 Prozent verlor.
Für den DAX bleibt der Blick auch auf die Notenbanken jenseits der Fed gerichtet. Am Donnerstag entscheidet die Bank of England über ihren Leitzins, am Freitag folgt die Bank of Japan. Vom Allzeithoch bei 26.618,74 Punkten, das der Index Ende August erreicht hatte, ist der DAX trotz der aktuellen Erholung noch ein gutes Stück entfernt.
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