DAX: Warten auf Lagarde vor EZB-Termin
Steigendes Brent-Öl belastet den DAX, während Anleger vor der EZB-Sitzung auf Lagardes Signale zum weiteren Zinspfad warten.

- DAX verliert knapp ein Prozent
- Brent überschreitet Marke von 100 Dollar
- EZB-Zinserhöhung am Donnerstag erwartet
- Deutsche Börse plant Wandelanleihe über 600 Millionen Euro
Der Ölpreis gibt am deutschen Aktienmarkt den Takt vor. Zur Wochenmitte fiel der DAX gegen Mittag um knapp ein Prozent auf 25.780 Punkte, nachdem Brent-Öl die Marke von 100 Dollar je Fass durchbrochen hatte. Vor der EZB-Sitzung am Donnerstag halten sich viele Anleger ohnehin zurück — die Gemengelage aus Nahost-Eskalation und Zinsentscheidung lässt wenig Raum für klare Kurssignale.
Nahost-Konflikt treibt Energiepreise
Die Eskalation zwischen den USA und Iran verschärft sich. Berichte über US-Militäraktionen und Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus lassen Investoren steigende Energiepreise für längere Zeit einpreisen.
Raffinierte Produkte wie Diesel legten sogar stärker zu als Rohöl selbst, während die europäischen Erdgaspreise bereits den vierten Handelstag in Folge steigen. Ein Stratege der Deutschen Bank brachte es auf den Punkt: Die Skepsis nehme zu, dass sich die Ölpreise in den kommenden Monaten wieder deutlich zurückbilden.
Das belastet vor allem energieintensive Branchen und zinssensible Werte. Rüstungsaktien wie Rheinmetall, Renk und Hensoldt gerieten trotz des geopolitischen Umfelds unter Druck und verloren zwischen zwei und rund dreieinhalb Prozent. SAP dagegen erholte sich um über zwei Prozent, nachdem die Aktie tags zuvor wegen Sorgen um KI-Konkurrenz für die Softwarebranche abgesackt war.
EZB zwischen Markterwartung und Ökonomen-Konsens
Für Donnerstag gilt eine Zinserhöhung der EZB als nahezu sicher. Spannender ist die Frage, wie es danach weitergeht. Während die meisten Ökonomen nur mit einem einzigen kleinen Schritt auf 2,5 Prozent rechnen, haben die Finanzmärkte bereits mehrere weitere Erhöhungen bis Mitte 2027 eingepreist — in Richtung eines Einlagenzinses von drei Prozent.
Diese Kluft zwischen Markterwartung und Ökonomenkonsens macht die Rede von EZB-Chefin Christine Lagarde zum eigentlichen Knackpunkt der Sitzung. Innerhalb des EZB-Rats gehen die Meinungen auseinander: Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel warnt vor verspäteter Bekämpfung von Zweitrundeneffekten, während Notenbankchefs aus Italien, Griechenland und Portugal vor einer zu straffen Geldpolitik warnen.
Sollte die EZB nach der erwarteten Erhöhung tatsächlich pausieren, dürften jene Marktteilnehmer überrascht werden, die auf einen aggressiveren Zinspfad gesetzt haben.
Einzelwerte liefern derzeit wenig Gegengewicht zur Makro-Geschichte. Die Deutsche Börse kündigte die Ausgabe einer Wandelanleihe über 600 Millionen Euro zur Finanzierung allgemeiner Unternehmenszwecke an — die Aktie gab daraufhin knapp zwei Prozent ab. Beiersdorf verlor nach einer Abstufung der Deutschen Bank von „Halten“ auf „Verkaufen“ eineinhalb Prozent.
Bis zur EZB-Entscheidung am Donnerstag bleibt der Ölpreis der entscheidende Unsicherheitsfaktor. Hält Brent die Marke von 100 Dollar oder schießt weiter nach oben, dürfte das die Debatte über den künftigen EZB-Kurs zusätzlich anheizen.
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