DAX: Zäher Optimismus vor Nvidia
Der DAX steigt moderat, doch Anleger warten gespannt auf Nvidias Quartalsbericht und die Fed-Signale aus Jackson Hole. Konjunkturdaten und Geopolitik bleiben im Fokus.

- DAX nähert sich 26.200 Punkten
- Nvidia-Zahlen als Stimmungsbarometer
- Fed-Treffen in Jackson Hole erwartet
- Siemens Energy erwägt Turbinen-Verkauf
Der DAX klettert weiter, doch die Erleichterung darüber wirkt gedämpft. Der deutsche Leitindex legte am Dienstag zum Handelsstart zu und näherte sich wieder der Marke von 26.200 Punkten, nachdem er tags zuvor die psychologisch wichtige 26.000er-Marke verteidigt hatte. Von Euphorie ist an der Börse trotzdem wenig zu spüren — zu viele offene Fragen stehen im Raum.
Nvidia und Jackson Hole als Prüfsteine
Im Zentrum der Zurückhaltung steht der Blick auf die Quartalszahlen von Nvidia, die am Mittwoch anstehen. Anleger erhoffen sich davon Aufschluss, ob die milliardenschweren Investitionen in Künstliche Intelligenz durch reale Nachfrage gedeckt sind. Vorsichtshalber trennten sich Investoren zuletzt von Technologiewerten mit KI-Bezug, Chipaktien wie Infineon und Suss Microtec konnten sich am Dienstag aber bereits wieder etwas erholen.
Zusätzliche Unsicherheit liefert der Freitag: Dann spricht Fed-Präsident Kevin Warsh beim Notenbanktreffen in Jackson Hole. Von seinen Signalen zur US-Geldpolitik erwartet der Markt Hinweise auf den weiteren Zinskurs.
Konjunktur und Geopolitik als Belastungsfaktoren
Immerhin liefert die deutsche Konjunktur einen kleinen Lichtblick. Das Statistische Bundesamt hat das Wachstum im zweiten Quartal von 0,2 auf 0,3 Prozent nach oben revidiert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der im Tagesverlauf veröffentlicht wird, könnte diesen positiven Trend bestätigen — Experten der Helaba warnen aber vor zu viel Euphorie, das Vorkrisenniveau vor dem Nahost-Konflikt dürfte noch nicht wieder erreicht sein.
Geopolitisch bleibt die Lage angespannt. Die US-Regierung hat einen „Wirtschaftskrieg“ gegen den Iran angekündigt, mit dem Ziel, das Land von der Weltwirtschaft zu isolieren. Konkrete Maßnahmen blieben bislang aber aus, was die Ölpreise zuletzt eher entlastete. Hinzu kommen neue Spannungen zwischen den USA und China durch angekündigte Strafzölle auf chinesische Produkte.
Bei den Einzelwerten sorgte Siemens Energy für Aufmerksamkeit: Die Aktie gewann rund 1,4 Prozent, nachdem bekannt wurde, dass der Konzern Goldman Sachs mit der Vorbereitung eines möglichen Verkaufs einer Mehrheitsbeteiligung am Dampfturbinengeschäft beauftragt hat.
Wertindikationen von mehr als 10 Milliarden Euro machen das Geschäft für den Markt interessant. Deutz sprang nach kräftig angehobenen Kurszielen von Kepler Cheuvreux und Oddo BHF um 7,5 Prozent, während Gerresheimer nach dem Rücktritt von Interims-Vorstandschef Uwe Röhrhoff um 6,5 Prozent nachgab.
Charttechnisch bleibt der Index in seinem Aufwärtstrend intakt, auch wenn zuletzt eine Konsolidierung um den gleitenden 20-Tage-Durchschnitt stattfand. Die nächste Hürde liegt bei rund 26.330 Punkten, das Allzeithoch vom 12. August bei knapp 26.580 Zählern bleibt das übergeordnete Ziel. Entscheidend für die Richtung dürfte aber weniger die Charttechnik sein als der Ausblick, den Nvidia am Mittwoch liefert.
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