DAX: Zielmarke 26.300 im Blick

Der DAX durchbricht die 25.900er-Marke und steuert auf 26.300 Punkte zu. Rüstungswerte und SAP treiben den Markt, während Charttechniker vor Überhitzung warnen.

Die Kernpunkte:
  • DAX überwindet 25.900 Punkte
  • Rüstungsaktien und SAP als Treiber
  • Charttechniker sehen überkauften Markt
  • NATO-Gipfel und Fed-Protokoll als Prüfsteine

Der DAX hat am Montag die nächste psychologische Schwelle genommen: Erstmals in seiner Geschichte kletterte der deutsche Leitindex über 25.900 Punkte. Zur Mittagszeit stand ein Plus von 0,3 Prozent auf 25.852 Punkte zu Buche – nach einem Rekord-Wochenschluss bei 25.779 Zählern und einem Wochenplus von 4,5 Prozent. Der Haken an der Rekordjagd: Charttechniker Christoph Geyer spricht bereits von einem überkauften Markt, und Marktanalyst Jochen Stanzl verweist auf die zuletzt schwachen Handelsumsätze, die Zweifel an der Tragfähigkeit des Ausbruchs säen.

Rüstungswerte und SAP treiben den Markt

Für Schwung sorgten einmal mehr Rüstungsaktien. TKMS legte um 4,1 Prozent zu, RENK um 4,6 Prozent, HENSOLDT um 3,5 Prozent und Rheinmetall um 1,6 Prozent. Auslöser war die Nachricht, dass der französische Rüstungskonzern Thales den Unterwasserdrohnen-Spezialisten Exail Technologies übernehmen will. Auch SAP erholte sich mit einem Plus von 2,0 Prozent von den Verlusten der Vorwoche, während Infineon um 1,9 Prozent nachgab – ein Muster, das sich zuletzt häufiger zeigt: Sobald Chipwerte schwächeln, profitieren Software- und IT-Dienstleistertitel.

Continental verlor dagegen 1,1 Prozent. Nach dem Kurssprung auf ein Vier-Jahres-Hoch am Freitag folgte die Reaktion auf den anstehenden Verkauf der Kunststofftechniksparte Contitech. Kepler-Cheuvreux-Analyst Thomas Besson strich seine Kaufempfehlung mit der Begründung, der letzte große Kurstreiber des Konzernumbaus sei damit Geschichte. Im Kleinwerte-Index SDAX sprang SCHOTT Pharma nach einer Empfehlung der Deutschen Bank um 7,3 Prozent auf den höchsten Stand seit Anfang Dezember – Analyst Falko Friedrichs sieht mit Kursziel 22 Euro Potenzial bis zur Charthürde aus dem Herbst 2025.

Charttechnik zeigt nach oben, Fundamentaldaten stützen

Aus technischer Sicht hat der DAX laut HSBC-Analyst Jörg Scherer mit dem Ausbruch „den Deckel der letzten Monate gelüftet“ – nach mehreren gescheiterten Anläufen hält er nun ein Kursziel von rund 26.300 Punkten für möglich. Rückenwind liefert auch die Konjunktur: Die deutschen Fabrikaufträge legten im Mai überraschend deutlich zu, um 1,9 Prozent zum Vormonat und 6,2 Prozent im Jahresvergleich.

Bankanalysten verweisen zudem auf das Maßnahmenpaket der Bundesregierung als Stütze für heimische Werte. Commerzbank-Analystin Birgit Henseler sieht den jüngsten DAX-Anstieg vor allem von binnenmarktorientierten Unternehmen getragen, die zuvor zurückgeblieben waren. Baader-Bank-Analyst Robert Halver beobachtet parallel eine breitere Rotation: Kapital fließe verstärkt in Halbleiter- und Speicherchip-Zulieferer sowie in Value-Titel, während die große Technologie-Rally an Dynamik verliert.

Die Woche bringt weitere Belastungsproben für die Stimmung: Am Dienstag beginnt der NATO-Gipfel in Ankara, am Mittwoch folgt das Protokoll der jüngsten US-Notenbanksitzung unter Fed-Chef Kevin Warsh, am Donnerstag das EZB-Sitzungsprotokoll. Ob die schwachen Umsätze der vergangenen Tage nur eine Verschnaufpause markieren oder tatsächlich ein Warnsignal sind, dürfte sich an der Reaktion auf diese Termine zeigen.

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