DAX: Zinssorgen drücken Index unter 21-Tage-Linie

Steigende Anleiherenditen und Ölpreise setzen den DAX unter Druck, während Symrise AmeriTerpenes verkauft und der Aufwärtstrend vorerst hält.

Die Kernpunkte:
  • DAX rutscht unter kurzfristigen Durchschnitt
  • Japanische Renditen erreichen Mehrjahrzehnte-Hoch
  • Verkaufsdruck bleibt bislang begrenzt
  • Symrise vollzieht AmeriTerpenes-Verkauf

Der DAX kommt vom Rekordhoch nicht los – im negativen Sinne. Nach der Bestmarke von 26.618 Punkten am vergangenen Freitag geht es seit Wochenbeginn spürbar bergab. Zum Handelsstart am Dienstag fiel der Index um rund 0,4 bis 0,6 Prozent auf Werte um 26.130 Punkte und riss damit erstmals seit Juli die 21-Tage-Linie nach unten.

Anleihemarkt setzt Aktien unter Druck

Der Auslöser sitzt nicht in Frankfurt, sondern in Tokio. Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen kletterte auf ein Mehrjahrzehnte-Hoch und löste eine weltweite Neubewertung der Zinskurven aus.

Amerikanische und europäische Anleiherenditen zogen im Sog nach oben – und genau das macht Aktien gerade unattraktiver. Höhere Diskontsätze schmälern die relative Attraktivität von Dividendenpapieren, besonders in zinssensiblen Sektoren wie Technologie, Immobilien und Versorgern.

Hinzu kommt die Gemengelage am Ölmarkt. Die Zuspitzung im Nahen Osten mit Angriffen auf US-Stützpunkte und Gegendrohungen aus Washington treibt die Energiepreise nach oben und schürt neue Inflationsängste. Eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank in der kommenden Woche gilt inzwischen als ausgemacht, seit den Andeutungen von Fed-Chef Kevin Warsh rechnen die Märkte zudem mit einem weiteren Zinsschritt der US-Notenbank im September.

Trotz der Belastungsfaktoren bleibt die Verkaufsdynamik bislang moderat. Halbleiterwerte wie Nvidia und Micron erleben nach ihren jüngsten Korrekturen eine Art Comeback und stützen die Stimmung an den Technologiebörsen. Im DAX selbst zeigen sich Investoren bei Einzelwerten wie Merck, Symrise, Infineon, RWE und Rheinmetall weiterhin kauffreudig – von einer breiten Verkaufswelle kann bislang keine Rede sein.

Charttechnik: GD 20 als Stabilisator

Aus technischer Sicht hat der Index mit dem Rutsch unter die 21-Tage-Linie ein erstes Warnsignal gesendet. Die gleitenden Durchschnitte der letzten 50 und 200 Tage senden allerdings weiterhin Kaufsignale, ebenso ein Indikator in der Slow Stochastik. Solange der DAX seinen 20-Tage-Durchschnitt nicht nachhaltig unterschreitet, bleibt das Bild einer gesunden Verschnaufpause im intakten Aufwärtstrend intakt.

Bei Symrise sorgt derweil eine Unternehmensmeldung für Bewegung: Der Duft- und Aromenkonzern verkauft sein US-Tochterunternehmen AmeriTerpenes an den Münchner Beteiligungsspezialisten Mutares.

Die Transaktion wurde bereits unterzeichnet und vollzogen, über den Kaufpreis vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Symrise rechnet aus dem Verkauf mit einem nicht zahlungswirksamen Verlust im mittleren zweistelligen Millionenbereich, sieht die Bereinigung des Portfolios aber als strategisch sinnvoll.

Für den Gesamtmarkt bleibt der Blick heute auf die Konjunkturdaten gerichtet: Einkaufsmanagerindizes aus Deutschland und den USA sowie die europäischen Verbraucherpreise dürften zeigen, ob sich die Inflationssorgen erhärten oder abschwächen.

Fällt der DAX nachhaltig unter die Marke von 25.912 Punkten, wäre das aus charttechnischer Sicht ein deutliches Verkaufssignal. Hält sich der Index darüber, bleibt der Weg zurück in Richtung Allzeithoch offen.

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