DAX: Zittern vor der Berichtssaison
Der deutsche Leitindex fällt nach einem Rekordhoch zurück, belastet vom eskalierten Konflikt zwischen den USA und dem Iran.

- DAX verliert nach Rekordhoch 2,5 Prozent
- Nahost-Konflikt treibt Ölpreis in die Höhe
- Salzgitter-Aktie springt dank JPMorgan-Studie
- Blick auf US-Berichtssaison und Inflationsdaten
Ein Wochenverlust von rund zweieinhalb Prozent, nachdem der Leitindex montags noch ein Rekordhoch markiert hatte — diese Diskrepanz zeigt, wie schnell die Stimmung am deutschen Aktienmarkt kippen kann. Schuld daran ist ein einziges Thema: der ungelöste Konflikt zwischen den USA und dem Iran.
Nahost-Sorgen dominieren die Woche
Der DAX notierte am Freitagmittag kaum verändert bei 25.105 Punkten. Der MDAX legte dagegen um 0,4 Prozent auf 31.956 Zähler zu. Die Diskrepanz zur Wochenbilanz des Leitindex erklärt sich aus dem Verlauf: Nach dem Rekordhoch von 25.900 Punkten am Montag rutschte der DAX zwischenzeitlich bis auf 24.830 Punkte ab, bevor er sich wieder über die 21-Tage-Linie retten konnte — ein Signal dafür, dass der kurzfristige Aufwärtstrend zumindest formal intakt bleibt.
Auslöser der Turbulenzen war die Aufkündigung des Waffenstillstands zwischen Washington und Teheran, die den Ölpreis kräftig nach oben trieb. Ein Regierungsbeamter in den USA erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass trotz gegenseitiger Angriffe weiter an einer diplomatischen Lösung gearbeitet werde. Die Nervosität der Anleger lässt sich auch an den Optionsprämien ablesen: Der VDAX, das Angstbarometer für DAX-Absicherungen, kletterte im Wochenverlauf auf rund 30 Prozent.
Salzgitter springt, Dürr und Redcare geraten unter Druck
Bei den Einzelwerten setzte sich Salzgitter mit einem Kurssprung von 11,2 Prozent an die MDax-Spitze. JPMorgan hatte die Einstufung von „Underweight“ auf „Overweight“ gedreht und das Kursziel von 31,40 auf 65,00 Euro mehr als verdoppelt — Analyst Dominic O’Kane sieht die europäische Stahlbranche durch Protektionsmaßnahmen und steigende Preise im zweiten Halbjahr im Aufwind.
Auf der Verliererseite stand Dürr mit einem Minus von 2,7 Prozent auf dem tiefsten Niveau seit mehr als sechs Jahren, nachdem Berenberg die Kaufempfehlung strich und das Kursziel von 40 auf 21 Euro fast halbierte. Redcare Pharmacy verlor weitere 3,9 Prozent, belastet von Konkurrenzsorgen wegen möglicher Rossmann-Pläne im Rezeptmedikamenten-Geschäft. Bayer gab trotz eines Milliardendeals mit der Beteiligungsgesellschaft Apollo, der dem Konzern 3,0 Milliarden Euro Eigenkapital verschafft, um 1,9 Prozent nach. Volkswagen Vorzüge büßten 1,1 Prozent ein, nachdem der Konzern eine deutliche Straffung seiner Modellpalette angekündigt hatte.
Für die kommende Woche richtet sich der Blick auf die anlaufende Berichtssaison in den USA, die ab Dienstag mit den großen Banken startet, sowie auf die US-Inflationsdaten für Juni. Die nächsten Zinssitzungen von EZB und Fed liegen noch zwei beziehungsweise drei Wochen entfernt — bis dahin dürfte jede neue Wendung im Nahost-Konflikt die Kurse stärker bewegen als gewohnt.
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