DAX: Zwei Monate Aufschub, ein Ölproblem bleibt

Die Verlängerung der US-chinesischen Zollpause bis Januar fiel kürzer aus als erhofft. Ölpreise und US-Renditen setzten den DAX zusätzlich unter Druck.

Die Kernpunkte:
  • Zollpause gilt bis zum 10. Januar
  • DAX verliert 0,66 Prozent
  • Brent bleibt über 100 Dollar
  • US-Renditen erreichen 5,11 Prozent

Der Handschlag zwischen Washington und Peking bringt weniger Erleichterung als erhofft. Erwartet worden waren sechs Monate oder mehr Zollpause, herausgekommen sind gerade einmal zwei. Der DAX reagierte prompt mit Skepsis statt Erleichterung.

Busan-Verlängerung fällt magerer aus als gedacht

Zum Auftakt des dreitägigen Staatsbesuchs von Xi Jinping in Washington verkündete US-Finanzminister Scott Bessent die Verlängerung des sogenannten Busan-Abkommens.

Die im Oktober 2025 vereinbarte Zollpause und Chinas Zurückhaltung bei Exportkontrollen für Seltene Erden gelten nun bis zum 10. Januar statt bis zum 10. November. Der Markt hatte auf mehr gehofft — die kurze Frist deutet darauf hin, dass Washington weiter Druck aufbauen will, weil Peking aus US-Sicht seine Lieferzusagen bei Seltenen Erden nicht einhält.

Der Hebel dahinter ist enorm: China stellte 2024 rund 94 Prozent aller Permanentmagnete her und kontrollierte 91 Prozent der Raffination Seltener Erden. Ohne diese Magnete stehen Elektromotoren und Windräder still — 2025 mussten Autobauer weltweit deshalb bereits Bänder anhalten.

Im DAX steht BMW mitten in diesem Geflecht: Das US-Werk in Spartanburg exportierte 2025 knapp 200.000 X-Modelle im Wert von neun Milliarden Dollar in alle Welt, so viel wie kein anderer Autobauer aus den USA.

Ölpreis und Zinsen bleiben der größere Bremsklotz

Am Mittwoch verlor der Leitindex 0,66 Prozent und schloss bei 25.411 Punkten. Auslöser war weniger der Handelsstreit als der Ölmarkt: Nach einem erneuten Beschuss eines Frachtschiffs in der Straße von Hormus zogen die Preise wieder an, Brent blieb klar über 100 Dollar je Fass. Parallel kletterten die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 5,11 Prozent — das höchste Niveau seit 2007.

Am Donnerstagmorgen taxierte der Broker IG den DAX rund 0,3 Prozent tiefer auf 25.330 Punkte. Damit rückt ein neuerlicher Test der 100-Tage-Linie bei 25.319 Punkten in greifbare Nähe — bereits in der Vorwoche war der Index zeitweise darunter gerutscht, hatte sich aber wieder gefangen.

Unterstützung bieten die Tiefs vom 18. September bei 25.266 und vom 15. September bei 25.168 Punkten. Nach oben liegt der nächste Widerstand in der Zone zwischen 25.791 und 25.813 Punkten; bis zum Rekordhoch vom 28. August bei 26.622 Punkten fehlen noch knapp fünf Prozent.

Stimmungsindikatoren wie der Fear-&-Greed-Index bei 36 signalisieren Furcht statt Gier, während die Volatilität mit einem VDAX-New von 16,57 Prozent noch im Normbereich liegt.

Charttechnisch bleibt die Lage zweigeteilt: Solange sich der Index zwischen rund 25.170 und 25.800 Punkten bewegt, gilt die Situation als neutral. Ein Rückfall unter 25.170 Punkte würde dagegen den Weg zur 200-Tage-Linie bei etwa 24.850 Punkten öffnen.

Für die nächsten Handelstage bleibt der Ölpreis der entscheidende Taktgeber. Zieht Brent wegen der Lage in der Straße von Hormus weiter an, dürfte der DAX seinen Test der 100-Tage-Linie fortsetzen — ein nachhaltiger Ausbruch über 25.800 Punkte erscheint erst bei einer Entspannung am Energiemarkt realistisch.

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