DAX Zwischen Hoffnung und Hormus
Der DAX startet knapp unter seinem Allzeithoch in den Juni, getrieben von KI-Euphorie, aber gebremst durch die fragile Lage im Nahen Osten.

- DAX startet nahe Rekordhoch
- KI-Rallye treibt Technologiewerte
- Geopolitische Spannungen belasten
- Widerstandszone als entscheidende Hürde
Der Juni beginnt, wo der Mai aufgehört hat: Der DAX pendelt knapp unter seinem Allzeithoch, getrieben von KI-Euphorie und Friedenshoffnungen im Nahen Osten — aber gebremst von einer geopolitischen Lage, die sich jederzeit verschlechtern kann.
Am Montagmorgen startete der Index mit rund 25.115 Punkten nur minimal verändert in die neue Handelswoche. Das Rekordhoch vom 13. Januar bei 25.508 Punkten liegt damit gerade einmal gut 390 Punkte entfernt. In der Vorwoche hatte der DAX kurzfristig bis auf 25.438 Punkte zugelegt — doch ohne neue Signale aus den Friedensverhandlungen gab er diese Gewinne wieder ab.
KI zieht, Iran bremst
An der Spitze des Index stehen erneut Technologietitel: SAP, Infineon und Siemens Energy führten am Morgen die Gewinnerliste an. Die globale KI-Rallye, die US-Indizes wie S&P 500 und Nasdaq von Rekord zu Rekord treibt, strahlt auch auf Frankfurt aus — losgelöst von den geopolitischen Unwägbarkeiten.
Das eigentliche Risiko sitzt im Nahen Osten. Der Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran gilt als brüchig. Frische Schlagabtausche — darunter US-Angriffe auf iranische Radarsysteme und Drohnenangriffe als Gegenreaktion — belasteten die Stimmung zum Wochenstart. Der Ölpreis stieg daraufhin auf rund 93,84 Dollar je Barrel, ein Plus von rund 3 Prozent. Solange die Straße von Hormus faktisch blockiert bleibt, schwelt das Inflationsrisiko weiter.
Marktbeobachter weisen darauf hin, dass die Börsen eine Einigung bereits in Teilen vorweggenommen haben. Das macht die Lage zweischneidig: Kommt der Frieden, ist wenig Kurspotenzial übrig. Scheitern die Verhandlungen, wäre das Überraschungspotenzial nach unten entsprechend groß.
Technisch am Scheideweg
Charttechnisch ist die Ausgangslage klar definiert. Der Widerstandsbereich zwischen 25.400 und 25.510 Punkten ist die entscheidende Hürde. Ein Ausbruch auf neue Höchststände würde prozyklische Kaufsignale auslösen und den Weg zur runden Marke von 26.000 Punkten öffnen. Scheitert der Index hingegen erneut in dieser Zone, drohen Gewinnmitnahmen — mit einer ersten Unterstützung bei rund 24.980 Punkten.
Die gleitenden Durchschnitte der letzten 20, 50 und 200 Handelstage senden weiterhin Kaufsignale, was das übergeordnete Bild konstruktiv hält. JPMorgan-Stratege Mislav Matejka sieht den globalen Aktienmarkt trotz der jüngsten Rekorde noch nicht als übermäßig teuer bewertet — Spielraum nach oben also grundsätzlich vorhanden.
Am Freitag steht der US-Arbeitsmarktbericht an. Sein Ausgang dürfte maßgeblich bestimmen, ob der DAX die verbleibende Distanz zum Allzeithoch noch in dieser Woche überwindet oder erneut zurückweicht.
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