Delivery Hero wächst zweistellig – nur der Gewinn hält nicht Schritt

Delivery Hero steigert Umsatz und Bestellungen zweistellig, während das bereinigte EBITDA im Halbjahr nur um 4 Prozent zulegte.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz erreicht 4,0 Milliarden Euro
  • Bereinigtes EBITDA steigt um 4 Prozent
  • Jahresprognose für 2026 angehoben
  • Aktie notiert nahe dem Jahreshoch

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

18 Prozent mehr Umsatz, aber nur 4 Prozent mehr Gewinn – diese Schere bei Delivery Hero ist die Kennzahl des Tages, an der sich eine ganze Reihe von Wachstumsgeschichten heute messen lassen müssen. Wer wächst, ist noch lange nicht profitabel. Und wer die Erwartungen schlägt, wird nicht automatisch belohnt. Beides zeigt sich heute exemplarisch.

Delivery Hero: Wachstum stark, Margenfrage offen

Delivery Hero hat die Konsensschätzungen für das zweite Quartal geschlagen und die Jahresprognose angehoben. Der Umsatz kletterte auf 4,0 Milliarden Euro, ein Plus von 18 Prozent auf vergleichbarer Basis. Der Bruttowarenwert stieg auf 13,2 Milliarden Euro (+11,3 Prozent), die Bestellungen auf 981 Millionen (+11 Prozent). Fürs erste Halbjahr stehen 7,8 Milliarden Euro Umsatz (+18 Prozent) und ein GMV von 25,7 Milliarden Euro (+10 Prozent) zu Buche.

Und jetzt die Zahl, die den Unterschied macht: Das bereinigte EBITDA legte im Halbjahr nur um 4 Prozent auf 427 Millionen Euro zu – ausgewiesen, nicht um Sondereffekte bereinigt. Zweistelliges Umsatzwachstum trifft auf einstelliges Gewinnwachstum. Das ist keine Randnotiz, das ist der zentrale Spannungspunkt der Aktie.

Das Management gibt sich davon unbeeindruckt und erhöht die Jahresprognose: GMV-Wachstum von 9 bis 11 Prozent, Umsatzwachstum von 17 bis 19 Prozent für 2026. Der Markt honoriert das – die Aktie notiert bei 37,15 Euro, nur rund acht Prozent unter dem Jahreshoch von 40,49 Euro vom 16. Juli. Über zwölf Monate hat sich der Kurs um 62 Prozent verteuert, seit Jahresbeginn um 63 Prozent. Wer schon investiert ist, sitzt auf einem der stärksten Jahresgewinne im europäischen Plattform-Sektor.

Für Neueinsteiger ist das eine andere Rechnung. Ein Titel nahe seinem Hoch, dessen operativer Gewinn dem Umsatz hinterherhinkt, braucht entweder rasch mehr Marge oder dauerhaft ungebremstes Bestellwachstum, um die Bewertung zu rechtfertigen. Die angehobene Guidance ist ein gutes Signal – sie verschiebt die Beweislast aber auch auf die kommenden Quartale. Dort muss sich zeigen, ob aus Wachstum endlich Marge wird.

US-Einzelhandel: Der Beat allein reicht nicht mehr

Ganz anders gelagert, aber mit derselben Lehre für Anleger: Ein Gewinn-Beat schützt derzeit nicht automatisch vor Kursverlusten. Dollar General übertraf im zweiten Quartal mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von 2,48 Dollar die Erwartung von 2,00 Dollar deutlich – die Aktie legte daraufhin im Verlauf um mehr als sieben Prozent zu. Best Buy dagegen musste trotz eines Quartalsgewinns über den Schätzungen einen Kursrückgang von gut fünf Prozent hinnehmen. Für Anleger im US-Einzelhandelssegment heißt das: Es lohnt sich, genau hinzuschauen, was ein Unternehmen zur Guidance sagt – die reine Beat-Quote erklärt die Kursreaktion derzeit nicht zuverlässig.

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Dass ein Gewinn-Beat wie bei Dollar General nicht automatisch zu Kursgewinnen führt, zeigt: Bei US-Aktien entscheidet der Ausblick oft mehr als die reine Zahl. Ein kostenloser Report stellt drei US-Titel vor, für die Analysten trotz des Rekordniveaus beim S&P 500 konkrete Einstiegszeitpunkte und Kaufsignale sehen. Report herunterladen

Ethereum: Doppelter Rückenwind aus ETFs und Washington

Auch im Kryptomarkt lohnt der Blick auf die Kapitalflüsse. US-Spot-ETFs auf Ether verzeichneten in der Woche bis zum 21. August Nettozuflüsse von 697,2 Millionen Dollar. Parallel erhöht das US-Schatzamt ab dem 9. September sein Anleihe-Rückkaufvolumen von 2 auf 4 Milliarden Dollar pro Operation. Diese Kombination – mehr staatliche Liquidität trifft auf frisches ETF-Kapital – ist ein Muster, das Anleger mit Ether- oder Bitcoin-Exposure im Depot registrieren sollten. Es spricht für Rückenwind, solange die Zuflüsse nicht abrupt kippen.

Nvidia-Hugging Face: Ein Elf-Milliarden-Gerücht mit Kartellrechts-Fußnote

Für Aufsehen sorgt ein Bericht, wonach Nvidia die KI-Plattform Hugging Face für 11,2 Milliarden Euro übernehmen will – offiziell bislang unbestätigt. Zur Einordnung: Bei der letzten bekannten Finanzierungsrunde im August 2023 wurde Hugging Face noch mit 3,9 Milliarden Euro bewertet. Fast eine Verdreifachung des Preises in drei Jahren, sollte sich der Bericht bestätigen. Die Plattform selbst ist mit 3,03 Millionen Modellen und 1,02 Millionen Datensätzen ein zentraler Knotenpunkt der KI-Entwicklerszene, auf der bereits 917 Nvidia-eigene Modelle liegen.

Bemerkenswert ist die regulatorische Fußnote: Sollte der Deal Substanz haben, würde er wegen des Kaufpreises über 400 Millionen Euro die deutsche Fusionskontrolle nach Paragraf 35 Absatz 1a GWB auslösen. Für Nvidia-Aktionäre ist das zunächst nur ein Gerücht – aber eines, das zeigt: Der nächste Wachstumsschub der Chip-Branche wird zunehmend über Plattform- und Ökosystem-Zukäufe gesucht, nicht mehr nur über Hardware-Zyklen.

Biontech: Deutsche Bank bleibt bei Kaufempfehlung

Deutsche Bank Research bestätigt die Kaufempfehlung für Biontech mit einem Kursziel von 140 Dollar – spürbar über dem aktuellen Kursniveau von rund 95,90 Euro. Als Katalysatoren nennen die Analysten drei klinische Studiendaten, die bis Jahresende erwartet werden, sowie einen geplanten FDA-Zulassungsantrag für den Wirkstoffkandidaten Trastuzumab Pamirtecan bei Gebärmutterkrebs. Die Aktie hat in den vergangenen 30 Tagen bereits um 18 Prozent zugelegt. Wer jetzt auf die Studien-Meilensteine setzt, sollte wissen: Ein Teil dieser Erwartung steckt bereits im Kurs.

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Der globale Kompass

Der rote Faden dieses Tages: Zahlen allein entscheiden nicht mehr, der Kontext dahinter schon. Delivery Hero liefert Wachstum, aber die Marge muss erst noch beweisen, dass sie mithalten kann. Dollar General und Best Buy zeigen, dass ein Gewinn-Beat ohne überzeugende Guidance verpufft. Und bei Nvidia-Hugging Face deutet sich an, dass die nächste Phase der KI-Story stärker über Zukäufe als über organisches Wachstum geschrieben wird. Für Ihr Depot heißt das: Schauen Sie hinter die Schlagzeile – auf Marge, Ausblick und die Frage, wie viel vom Wachstum schon eingekauft statt erarbeitet ist.

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