Der amerikanische Konsument verweigert die Rezession
Starke US-Konsumausgaben und robuste Kreditkennzahlen trotz Inflation und geopolitischer Spannungen stützen die Weltwirtschaft und beeinflussen Währungsmärkte.

- US-Einzelhandelsumsätze steigen trotz hoher Benzinpreise
- Synchrony Financial verzeichnet Rekord-Kaufvolumen
- Japanische Notenbank zögert bei Zinserhöhung
- Europas Konjunkturerwartungen fallen deutlich
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern schloss ich mit drei Fäden, die am Mittwochmorgen zusammenlaufen: der auslaufende Waffenstillstand, die Warsh-Anhörung, die Cyberbedrohung durch „Mythos“. Zwei dieser drei Fäden lieferten am Dienstag Ergebnisse. Und sie erzählen eine Geschichte, die so gar nicht zum Krisenmodus passt, in dem sich die Welt befindet.
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15,5 Prozent – um diesen Wert schossen die Umsätze an amerikanischen Tankstellen im März nach oben. Benzin über 4 Dollar pro Gallone, getrieben durch die blockierte Straße von Hormus. Das klassische Rezept für einen Konsumeinbruch. Doch dann meldete der Kreditkarten- und Konsumfinanzierer Synchrony Financial am Dienstag sein Ergebnis für das erste Quartal: 43 Milliarden Dollar Kaufvolumen. Absoluter Rekord. Plus sechs Prozent zum Vorjahr.
Während die Welt auf Öltanker und Waffenstillstände starrt, passiert in der realen Wirtschaft etwas Bemerkenswertes: Die viel beschworene Stagflation fällt vorerst aus. Der MSCI World Index notiert knapp zwei Prozent über seinem Vorkriegsniveau. Die Nachfrageseite der Weltwirtschaft hält – und genau das löst an den Währungsmärkten gerade erhebliche Verwerfungen aus.
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Die Widerstandskraft der amerikanischen Kasse
Die am Dienstag veröffentlichten US-Einzelhandelsumsätze für den März stiegen um 1,7 Prozent. Natürlich war das teure Benzin der Haupttreiber. Aber selbst ohne die Zapfsäulen bleibt ein Plus von 0,6 Prozent. Die Amerikaner konsumieren weiter – trotz Ölpreisschock, trotz Inflation bei 3,3 Prozent.
Noch aufschlussreicher ist der Blick in die Bücher von Synchrony Financial. Wenn steigende Preise die Haushalte überfordern, müssten die Kreditausfälle nach oben schießen. Das Gegenteil geschieht: Die Nettobelastungsquote (Net Charge-Offs) sank im ersten Quartal um 96 Basispunkte auf 5,42 Prozent. Das Management kündigte am Dienstag ein neues Aktienrückkaufprogramm über 6,5 Milliarden Dollar an – ohne Ablaufdatum. Wer so viel Geld in die eigene Aktie steckt, rechnet nicht mit einer Kreditkrise.
Selbst US-Präsident Donald Trump zeigte sich öffentlich überrascht über das Comeback der Wall Street. Er hatte mit einem Einbruch von Dow Jones und S&P 500 um 20 Prozent gerechnet. Stattdessen notiert der S&P 500 am Dienstagabend bei rund 7.098 Punkten – fast wieder auf Vorkriegsniveau.
Yen unter Druck, Carry Trade im Aufwind
Diese amerikanische Konsumstärke hat Konsequenzen, die sich derzeit am deutlichsten in Japan zeigen. Das Währungspaar USD/JPY hat die Marke von 159,00 durchbrochen und nähert sich der Interventionsgrenze von 160,00.
Der Grund: Die Bank of Japan knickt ein. Eigentlich wollte die Notenbank die Zinsen weiter normalisieren. Doch die geopolitische Unsicherheit zwingt sie zum Stillstand. Insidern zufolge wird die BoJ auf ihrer Sitzung Ende April den Leitzins bei 0,75 Prozent belassen. Die vom Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung ist seit Ende März von 73 Prozent auf klägliche 8 Prozent gefallen.
Die Mechanik dahinter ist einfach: Die USA wachsen weiter, die Fed bleibt restriktiv, Japan zögert. Das Ergebnis ist ein gewaltiger Carry Trade – Investoren leihen sich billig in Yen, legen in Dollar an. Der Dollar wird stärker, Kapital fließt aus Asien ab. Für japanische Exporteure ist das ein Segen, für die Stabilität der asiatischen Finanzmärkte ein wachsendes Risiko.
Warsh deutet flexibleres Inflationsziel an
Wie restriktiv die US-Geldpolitik künftig bleibt, verhandelte am Dienstag der US-Senat. Kevin Warsh, Trumps Kandidat für die Powell-Nachfolge, stellte sich dem Bankenausschuss. Es wurde hitzig. Die Demokratin Elizabeth Warren attackierte Warshs undeklariertes Vermögen von über 100 Millionen Dollar und seine Nähe zum Präsidenten. Warsh wehrte sich gegen den Vorwurf, eine Marionette des Weißen Hauses zu sein.
Für Investoren war ein fachliches Detail wichtiger als das politische Theater: Warsh deutete an, das starre 2-Prozent-Inflationsziel der Fed durch einen Zielbereich ersetzen zu wollen. Bei einer aktuellen US-Inflation von 3,3 Prozent ist die Botschaft klar. Eine Fed unter Warsh könnte eine leicht höhere Inflation tolerieren, solange der Konsummotor läuft. Für die Aktienmärkte wäre das eine Erleichterung, für Anleiheninvestoren eine Warnung.
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Europas Stimmung kippt, einzelne Nischen trotzen
Der Kontrast zu Europa könnte kaum schärfer sein. Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland fielen im April unerwartet deutlich auf minus 17,2 Punkte. Die Angst vor langfristiger Energieknappheit durch die blockierte Straße von Hormus frisst sich durch die industrielle Basis.
Der DAX schloss am Dienstag 0,6 Prozent tiefer bei 24.271 Punkten. Rheinmetall verlor 3,0 Prozent, Hensoldt 4,0 Prozent, Airbus 3,3 Prozent. In Berlin kursieren Pläne, die Wachstumsprognose für 2026 auf 0,5 Prozent zu halbieren. Zum Vergleich: Noch im Januar ging die Bundesregierung von einem Prozent aus.
Dass es auch anders geht, zeigten am Dienstag hochspezialisierte Nischen. Der US-Konzern Danaher meldete eine bereinigte operative Marge von über 30 Prozent und zog deutsche Life-Science-Werte mit: Merck legte 2,1 Prozent zu, Sartorius sogar 4,4 Prozent. Unternehmen mit Preissetzungsmacht funktionieren weiterhin. Die breite Industriemasse leidet.
Was in dieser Nacht auf dem Spiel steht
Morgen früh um 1:50 Uhr unserer Zeit endet offiziell die vereinbarte Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran. Brent notiert bei knapp 97 Dollar, die Ölpreise zogen im Vorfeld bereits leicht an. Die geopolitische Lage bleibt ernst.
Doch die Bilanzen und Daten dieses Dienstags liefern eine klare Erkenntnis: Solange der amerikanische Konsument seine Kreditkarte zückt und seine Rechnungen bezahlt, hat die Weltwirtschaft ein dickeres Polster, als die meisten Prognostiker ihr zutrauen. Die Frage ist, wie lange dieses Polster hält, wenn in wenigen Stunden am Golf die Uhren auf null springen.
Ich wünsche Ihnen einen ruhigen Abend – und Gelassenheit für das, was der Mittwoch bringen mag.
Herzlichst, Ihr Felix Baarz
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