Der Kospi fällt, Rheinmetall steigt: Eine Rotation auf Vorschuss

Rheinmetall gewinnt, Drägerwerk verliert nach Quartalszahlen; XPeng meldet Europa-Fortschritte, Flatexdegiro plant einen Aktienrückkauf.

Die Kernpunkte:
  • Rheinmetall steigt um 5,2 Prozent
  • Drägerwerks Quartalsergebnis bleibt bereinigt hinter Erwartungen
  • XPeng erhält Freigabe für Straßentests
  • Flatexdegiro plant Rückkauf bis 100 Millionen Euro

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die Rüstung wird gekauft, bevor sie ihre Zahlen vorgelegt hat. Rheinmetall legt am Donnerstag im Verlauf gut 5 Prozent zu, während Technologieaktien weltweit abverkauft werden. In Seoul brach der Kospi um rund 8 Prozent ein, der DAX hielt sich dagegen stabil über 25.000 Punkten.

Das Kapital sucht Sektoren, in denen Aufträge und Umsätze sichtbar sind, statt auf Kredit finanzierter Rechenzentren. Rüstung, chinesische E-Mobilität und zwei deutsche Nebenwerte mit frischen Nachrichten liefern dafür heute die handelbaren Anker.

Rheinmetall: Die Analysten liegen 50 Prozent über dem Markt

Rheinmetall notiert aktuell bei 1.030,20 Euro, ein Plus von 5,2 Prozent gegenüber dem Vortag. Der Kurs hat damit erstmals seit Wochen wieder die 1.000-Euro-Marke zurückerobert.

Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 1.965 Euro vom 19. Januar bleibt dennoch groß, seit Jahresbeginn liegt die Aktie 34 Prozent im Minus. Das Tief von 902,50 Euro stammt vom 25. Juni.

Die Analysten sind deutlich optimistischer als der Markt: RBC bestätigte am vergangenen Freitag die Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 1.600 Euro. Analyst Mark Fielding erwartet für das dritte Quartal einen starken Auftragseingang und eine bessere Umsatzdynamik, auch für 2027. Bernstein stuft ebenfalls auf „Outperform“. Das Konsens-Kursziel liegt bei 1.627,50 Euro, also mehr als 50 Prozent über dem aktuellen Kurs.

Die Vorlage für die Quartalszahlen am 5. November ist allerdings hoch. Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um rund 69 Prozent auf 3,29 Milliarden Euro, das Ergebnis je Aktie fiel berichtet dennoch auf 2,66 Euro nach 2,90 Euro im Vorjahr.

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Markt ein Ergebnis je Aktie von 37,33 Euro und eine Dividende von 14,71 Euro nach 11,50 Euro für 2025. Die Erholung trägt nur, wenn Rheinmetall am 5. November zeigt, dass der Auftragseingang jetzt in Umsatz und Marge ankommt, nicht nur in der Pipeline.

Eine Studie von BCG aus dem Juli stützt die Langfrist-These: Komplexe Waffensysteme etablierter Hersteller sollen 2033 weiter über 80 Prozent des Rüstungsmarktes ausmachen, der Drohnenboom ändert daran wenig. Die europäischen Verteidigungsausgaben könnten demnach von rund 150 Milliarden Euro 2024 auf 380 Milliarden Euro bis 2035 steigen.

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Saab und Lockheed: Der Optionsmarkt unterschätzt den 22. Oktober

Der Sektor liefert am Donnerstag auch jenseits von Düsseldorf Nachrichten. Saab erhielt einen Großauftrag im Milliardenwert für den Gripen-Kampfjet, die Aktie legte zu. Lockheed Martin vertieft die Zusammenarbeit mit Ruag: Emmen in der Schweiz wird einer von weltweit vier Standorten für Endmontage und Tests des F-35. Die Produktion soll im Herbst 2027 beginnen, erste Teile kommen im ersten Halbjahr 2027.

Lockheed notiert aktuell bei 473,40 Euro, rund 1 Prozent im Plus. Wichtiger ist der Termin: Am Donnerstag, 22. Oktober, legt Lockheed vor US-Börsenstart Quartalszahlen vor. Der Optionsmarkt preist eine Kursbewegung von 3,5 Prozent ein.

In sechs der letzten acht Quartale fiel die tatsächliche Reaktion größer aus, im Juli etwa plus 10,5 Prozent. Wer Lockheed hält, sollte sich auf einen deutlich bewegteren Tag einstellen, als die Optionspreise suggerieren.

XPeng: Operativ im Vorwärtsgang, an der Börse am Tief

XPeng zeigt, wie chinesische Hersteller den Angriff auf Europa organisieren. Auf dem Pariser Autosalon erhielten am Donnerstag nur XPeng und Tesla die Freigabe für offizielle Straßentests zum autonomen Fahren. Der neue G9L startet in Frankreich ab 74.990 Euro und wird bei Magna in Graz sowie in Guangzhou gebaut.

Der günstigere MONA L03 sammelte seit dem Europa-Start im Juli über 10.000 Bestellungen in drei Monaten. In China beginnt am Donnerstag der Vorverkauf des SUV MONA L05 ab 169.800 Yuan, umgerechnet rund 22.700 Euro, Marktstart ist der 29. Oktober. Das erklärte Ziel: bis 2030 mehr Autos in Europa verkaufen als Ford.

Die Makro-Zahl dahinter ist eindrucksvoll. China exportierte von Januar bis September 8,63 Millionen Fahrzeuge, 52 Prozent mehr als im Vorjahr, und übertraf damit schon jetzt das gesamte Jahr 2025. Der Exportwert stieg um 54 Prozent auf 149,8 Milliarden Dollar.

Europas E-Auto-Anteil erreichte zuletzt einen Rekord von 23,2 Prozent der Pkw-Verkäufe, in den USA liegt er nach dem Wegfall der Steuergutschriften nur bei 6 Prozent.

Die Aktie spiegelt davon nichts: XPeng notiert bei 8,52 Euro, 53 Prozent unter dem Jahresanfang und nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 8,16 Euro vom 2. Oktober. Ab April 2027 sinkt zudem die Mehrwertsteuer-Erstattung für E-Auto-Exporte von 13 auf 9 Prozent.

Für Anleger ist XPeng damit die klassische Wette auf eine Schere: operativ beschleunigt das Unternehmen in Europa, bewertet wird es wie ein Verlierer, und der Anstoß muss aus den Absatzzahlen der nächsten Quartale kommen.

Drägerwerk: Eine Zollrückerstattung verdeckt die Lücke

Drägerwerk liefert am Donnerstag die Lehre, wie ein Einmaleffekt eine Enttäuschung verdeckt. Die Vorzugsaktie brach nach vorläufigen Quartalszahlen um rund 16 Prozent auf unter 100 Euro ein, das Schlusslicht im SDAX.

Das Betriebsergebnis des dritten Quartals sank berichtet von knapp 57 auf rund 48 Millionen Euro. Darin steckt eine Zollrückerstattung von 20,1 Millionen Euro. Ohne diesen Sondereffekt lag das bereinigte Ergebnis mehr als 16 Millionen Euro unter den Erwartungen.

Der Umsatz wuchs nur um 2,1 Prozent auf 851 Millionen Euro, der Auftragseingang immerhin um 8,2 Prozent auf 926 Millionen Euro. Die Jahresprognose mit 2 bis 6 Prozent Umsatzplus und 6 bis 8 Prozent EBIT-Marge bleibt bestehen.

MWB-Research-Analyst Harald Hof senkte seine Gewinnschätzungen für 2026, hält die Ziele aber für erreichbar, weil Drägerwerk historisch bis zu 60 Prozent des Jahres-EBIT im vierten Quartal verdient.

Seit Jahresbeginn liegt die Drägerwerk-Aktie trotz des Einbruchs noch 44 Prozent im Plus. Wer jetzt kauft, kauft die Wette, dass das Schlussquartal die Kostenproblematik ausgleicht; wer hält, sollte die Marge im vierten Quartal als einzigen Maßstab nehmen.

Thyssenkrupp und Flatexdegiro: Zwei Kursziele, ein Rückkauf am Tief

Thyssenkrupp bekommt zwei höhere Kursziele, ohne dass die Lager sich einig wären. JPMorgan hob das Ziel von 15 auf 17 Euro, bleibt aber bei „Neutral“. Jefferies bestätigte die Kaufempfehlung und erhöhte von 13 auf 16,50 Euro. Die MDAX-Aktie notierte am Abend knapp unter 14 Euro. Beide Ziele liegen damit über dem Kurs, der Unterschied ist die Überzeugung: Jefferies sieht Aufwärtspotenzial als Kaufgrund, JPMorgan als faire Bewertung.

Bei Flatexdegiro kommt der Impuls aus dem Unternehmen selbst. Der Online-Broker plant einen neuen Aktienrückkauf über bis zu 100 Millionen Euro, vorbehaltlich der BaFin-Genehmigung.

Die Flatexdegiro-Aktie markierte am Donnerstag mit 24,06 Euro ein neues 52-Wochen-Tief und drehte anschließend auf 25,66 Euro, ein Plus von 5,5 Prozent im Verlauf. Ein Rückkauf am Jahrestief ist das klarste Signal, das ein Management senden kann: Es hält den eigenen Kurs für zu billig.

Am Rande: Lufthansa beziffert die jährlichen Synergien beim Einstieg in TAP auf bis zu 450 Millionen Euro.

Der globale Kompass

Die nächsten Tage werden von Terminen bestimmt, nicht von Stimmung. Lockheed Martin am 22. Oktober ist der erste Test, ob der Rüstungssektor die Rotation aus KI-Werten mit Zahlen rechtfertigt, Rheinmetall folgt am 5. November. Dazwischen liegt der Zinsentscheid der Fed am 28. Oktober, der über die Risikobereitschaft für Technologie entscheidet. Wer heute von Chips in Rüstung umschichtet, kauft eine Berichtssaison, die noch gar nicht begonnen hat.

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