Der zynische Rekord-Rausch, Teherans blutiges Signal und das 11-Milliarden-Desaster

Aktienmärkte feiern paradoxe Höchststände in Erwartung von Zinssenkungen, während Unruhen im Iran und Tech-Entwicklungen neue Unsicherheiten schaffen.

Die Kernpunkte:
  • Paradoxer Börsenrausch trotz schwacher US-Konjunkturdaten
  • Massive Proteste im Iran bedrohen Ölversorgung
  • Nvidia-Leerverkäufer erleiden Milliardendesaster
  • Tesla-Insider verkaufen Aktien im großen Stil

Liebe Leserinnen und Leser,

an der Börse herrscht bisweilen eine seltsame Alchemie: Man nehme eine stotternde US-Wirtschaft, mische sie mit der Hoffnung auf billiges Geld der Notenbanken, und das Ergebnis ist kein Crash, sondern ein Höhenrausch. Genau dieses Phänomen konnten wir zum Ausklang der Handelswoche beobachten.

Während der S&P 500 und der Dow Jones ins Wochenende tanzten und auch unser heimischer DAX die 25.000er-Marke nicht nur verteidigte, sondern auf 25.262 Zähler ausbaute, bröckelt das Fundament, auf dem diese Party stattfindet. Die Logik der Bullen ist so simpel wie zynisch: Je schlechter es der Realwirtschaft geht, desto wahrscheinlicher muss die Federal Reserve die Zinsen senken.

Doch dieses Wochenende bietet mehr als nur Kursparadoxien. Während die Algorithmen in New York feiern, formiert sich im Nahen Osten eine neue, explosive Dynamik, und im hohen Norden Europas wird territoriale Integrität plötzlich zur Verhandlungsmasse.

Willkommen zu Ihrer Samstagsanalyse.

Das gefährliche Spiel mit der “Beveridge-Kurve”

Der Arbeitsmarktbericht vom Freitag hallt nach. 50.000 neue Stellen in den USA sind, wie wir gestern bereits analysierten, eine Vollbremsung. Doch der Detailblick, den Ökonomen nun am Wochenende wagen, offenbart tiefere Risse. Zwar sank die Arbeitslosenquote kosmetisch auf 4,4 Prozent, doch das eigentliche Warnsignal liefert die sogenannte „Beveridge-Kurve”.

Dieses Modell signalisiert derzeit ein wachsendes strukturelles Ungleichgewicht: Es gibt zwar noch offene Stellen, aber sie passen immer weniger zu den verfügbaren Arbeitskräften. Ohne den künstlich aufgeblähten Gesundheitssektor hätte die US-Wirtschaft im Jahr 2025 netto sogar 128.000 Jobs verloren. Dass die Wall Street diese Schwäche als Kaufargument nutzt, ist ein Ritt auf der Rasierklinge. Die Hoffnung auf Zinssenkungen überdeckt die Angst vor der Rezession – noch.

Ein politisches Detail am Rande sorgt für Stirnrunzeln: Donald Trump soll die sensiblen Arbeitsmarktdaten laut Spiegel-Informationen bereits vor der offiziellen Sperrfrist geleakt haben. Ein Vorgeschmack darauf, dass im Weißen Haus künftig Marktregeln eher als unverbindliche Empfehlungen interpretiert werden dürften.

Teheran: Der Streik als Waffe

Während der Westen auf Zinskurven starrt, blickt der Nahe Osten auf die Straßen Teherans. Das iranische Regime gerät massiv unter Druck. Die Bilanz der jüngsten Proteste ist verheerend: Berichte sprechen von mindestens 65 Toten und über 2.300 Festnahmen.

Neu ist die Qualität des Widerstands. Reza Pahlavi, Sohn des letzten Schahs, hat aus dem Exil dazu aufgerufen, die „finanziellen Lebensadern” der Mullahs zu kappen: durch landesweite Streiks in der Öl- und Gasindustrie. Sollte dieser Aufruf in den Raffinerien Gehör finden, wird der aktuell noch moderate Ölpreis (63,34 USD) sehr schnell nach oben korrigieren. Für die Weltwirtschaft wäre ein Angebotsschock aus dem Iran das Letzte, was sie in der aktuellen fragilen Phase gebrauchen kann.

Geopolitik: Zwischenstopp auf Island

Auch in Europa spüren wir die tektonischen Verschiebungen. Dass Außenminister Johann Wadephul auf seiner Reise nach Washington einen Zwischenstopp in Island einlegt, ist weit mehr als touristisches Interesse. Es ist eine direkte Reaktion auf die rhetorischen Begehrlichkeiten, die Donald Trump zuletzt Richtung Grönland äußerte. In einer Welt, in der Grenzen und Territorien wieder diskursfähig werden, rücken die nordischen Partner eng zusammen. Wadephuls Visite ist ein Signal der Solidarität an die Peripherie der NATO.

Ein seltener Lichtblick bleibt der Handel: Der Weg für das Mercosur-Abkommen ist frei. Für die deutsche Exportindustrie ist der Zugang zu diesem 700-Millionen-Menschen-Markt die wichtigste strukturelle Nachricht der Woche – ein dringend benötigtes Gegengewicht zum Protektionismus aus West und Ost.

Die Physis der KI und das 11-Milliarden-Grab

In Las Vegas schloss gestern die CES 2026 ihre Pforten. Das Fazit der Tech-Welt: KI lernt laufen. Das Schlagwort „Physical AI” dominierte die Messe. Nvidia-CEO Jensen Huang rief den „ChatGPT-Moment für die Robotik” aus. Die Allianz zwischen Nvidia und Siemens für industrielle digitale Zwillinge zeigt, dass das große Geld nun von der reinen Software in die Automatisierung der physischen Welt fließt.

Wer gegen diesen Megatrend wettete, hat ein finanzielles Blutbad erlebt. Leerverkäufer, die auf einen Absturz der Nvidia-Aktie setzten, mussten im Jahr 2025 Verluste von über 11,5 Milliarden Dollar realisieren. Die Aktie, getrieben von neuen Plattformen wie „Vera Rubin”, bleibt das schmerzhafteste Asset für Pessimisten.

Anzeige

Passend zu dieser Chip-Dominanz analysiert Börsenexperte Bernd Wünsche in seinem aktuellen Webinar, warum Mikrochips zum „neuen Öl” des 21. Jahrhunderts geworden sind. Er zeigt konkret, welche 4 Chip-Aktien vom Eine-Billion-Dollar-Boom profitieren könnten – und warum ein einzelnes Chip-Unternehmen erstmals über 4 Billionen Dollar wert ist. Details zur Chip-Aktien-Analyse ansehen

Doch die Technologie hat auch ihre Grenzen: Elon Musks KI „Grok” wurde am Wochenende von Indonesien blockiert – als erstes Land weltweit. Die Sorge vor Deepfake-Pornografie wiegt schwerer als die Technologieoffenheit. Musks Reaktion, die britische Regierung (die ebenfalls ermittelt) als „faschistisch” zu bezeichnen, zeigt, dass das Jahr 2026 auch ein Jahr des Konflikts zwischen Tech-Milliardären und staatlicher Souveränität wird.

Gewinner und Verlierer der Woche

Das Comeback: Novo Nordisk. Die dänische Abnehmspritzen-Schmiede wurde von vielen zu früh abgeschrieben. Nach einer Seitwärtsbewegung legte das Papier seit Jahresbeginn über 12 Prozent zu. Analysten rufen wieder Kursziele von 400 DKK aus. Totgesagte leben profitabler.

Der Wackelkandidat: Tesla. Zwar stützt ein geplantes 200-Millionen-Dollar-Förderprogramm aus Kalifornien die Stimmung, doch die Warnsignale mehren sich. Verfehlte Auslieferungsziele treffen auf massive Insider-Verkäufe: Direktoren stießen zuletzt Aktien im Wert von über 53 Millionen Dollar ab. Wenn das Management Kasse macht, sollten Anleger wachsam sein.

Die Katerstimmung: Bitcoin. Die Kryptowährung klebt an der 90.000-Dollar-Marke, doch der Fluss dreht sich. In der vergangenen Woche sahen wir Netto-Abflüsse aus den ETFs von fast 680 Millionen Dollar. Die institutionelle Gier macht eine Pause.

Was bleibt?

Wir erleben ein Wochenende der kognitiven Dissonanz. Die Aktienmärkte feiern Rekorde, die auf der Hoffnung basieren, dass die Wirtschaft schwach genug für Zinssenkungen ist – aber nicht schwach genug für einen Kollaps. Gleichzeitig erinnern uns die Bilder aus dem Iran daran, dass geopolitische Risiken keine Öffnungszeiten kennen.

Genießen Sie den Sonntag, aber behalten Sie im Hinterkopf: Dieser DAX-Rekord ist ein Vorschusslorbeer, den sich die Unternehmen in der kommenden Berichtssaison erst noch verdienen müssen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes und einen klaren Kopf für die kommende Handelswoche.

Herzlichst,

Ihr

Felix Baarz

Nvidia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nvidia-Analyse vom 11. Januar liefert die Antwort:

Die neusten Nvidia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nvidia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 11. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Nvidia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...