Deutsche Autobauer: Wie gefährlich wären Strafzölle wirklich?

Seit Wochen werden die Aktien der deutschen Autohersteller von Spekulationen belastet, dass die US-Regierung im aktuellen Handelsstreit mit Europa auch Fahrzeug-Importe höher besteuern wird. Die Begründungen, die es dafür aus dem Weißen Haus bislang gegeben hat, hören sich auf den ersten Blick seltsam an. Denn hier wird wie auch bei den Zöllen auf Stahl und Aluminium mit dem Argument der nationalen Sicherheit gearbeitet.

Aber natürlich wissen alle Beteiligten: Es geht in der Hauptsache um Arbeitsplätze der heimischen Autoindustrie. Diese hatte zwar in den vergangenen Jahr nach der schweren Krise 2008/2009 (inklusive der Insolvenz von General Motors) wieder deutlich zulegen können.  Inzwischen dominieren die drei US-Hersteller General Motors, Ford und FiatChrysler wieder die Marktanteile in der Gruppe der sogenannten Light Vehicle. Doch insbesondere asiatische Marken machen Druck. So kann Toyota hinter GM immer noch den zweiten Platz verteidigen.

Autobauer als Mittel zum Zweck?

Die deutschen Premiumhersteller sind hier als Gruppe eher auf den hinteren Plätzen zu finden. Aber natürlich bedienen sie eigentlich auch keinen echten Massenmarkt, sondern punkten nach wie vor mit Technologie, Design und Markenwert.

Warum also die großen Sorgen vor US-Zöllen? Auch wenn die deutschen Hersteller von den Marktanteilen her eher im Mittel- bis hinteren Feld zu finden sind, so sind sie doch für die US-Regierung  ein willkommenes Mittel, um auf die EU Druck auszuüben. Stellt sich also die Frage, welche Hersteller hier besondere Probleme bekommen könnten.

Daimler und BMW am exponiertesten

Besonders betroffen von US-Zöllen wären aktuell Daimler und BMW. Beide erwirtschaften rund 14 % ihrer Verkäufe in den USA. Volkswagen ist hier nur bei 6 %. Viel wichtiger für alle drei Autohersteller ist das Geschäft in China. Während BMW 24 % seiner Umsätze im Reich der Mitte macht, sind es bei Daimler schon 26 %. Eine fast schon absolute Abhängigkeit vom China-Geschäft gibt es dagegen bei Volkswagen. Hier sind es 42 %. Insgesamt machen alle drei Hersteller zwischen 41-45 % ihrer Umsätze in Europa.

Dabei muss auch beachtet werden: Bei den in den USA verkauften Autos handelt es sich nicht nur um Importe. Vielmehr produzieren die Hersteller bekanntlich auch vor Ort. Das gilt insbesondere für BMW und für Daimler. Insofern sind die tatsächlichen Einflüsse von Strafzöllen derzeit nur annäherungsweise zu quantifizieren.

Fazit

Die Androhung von Strafzöllen auf Automobil-Importe aus Europa ist aus Sicht der US-Regierung sicherlich ein scharfes Instrument, um die EU ihrerseits zu einer Absenkung vorhandener Zollgrenzen zu bringen. Ob das am Ende klappt oder ob es zu einer weiteren Eskalation kommt, bleibt dabei abzuwarten. Für die deutschen Autohersteller sollten die Strafzölle allerdings ein deutlich geringeres potenzielles Risiko darstellen als die generelle Entwicklung der weltweiten Nachfrage nach Autos.

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