Deutsche Bank: Die Perspektive ist verloren gegangen

Als Aktionär der Deutsche Bank muss man derzeit viel Geduld und geradezu Fatalismus aufbringen. Zumal die Aktie auf besten Weg ist, ihr bisheriges Allzeit-Tief erneut zu erreichen. Es war der 30. September 2016, als die Aktie des größten privaten Geldinstitutes Deutschlands kurzzeitig nur noch 8,84 Euro kostete. Heute liegt der Wert nur noch knapp einen Euro drüber. Und es sieht nicht danach aus, als wenn hier eine schnelle Trendwende eingeleitet werden könnte.

Gründe für die derzeitige Schwäche gibt es sicherlich genug. Ganz oben bei den Argumenten ist dabei die derzeitige Lage in Italien und damit die entsprechend hohen Risiken für die Banken in der Eurozone zu finden. Aber die Deutsche Bank bringt natürlich auch von Hause aus gute Gründe mit, warum die Aktie vorerst weiter unter Druck stehen dürfte.

Stellenabbau als Allheil-Mittel?

Das, was der neue Chef Christian Sewing versucht, ist letztlich erst einmal ein Rettungsversuch in höchster Not. Die Ankündigung, Tausende Stellen vor allem im Investmentbanking zu streichen, dürfte zwar langfristig helfen, die Kosten zu senken. Doch wie schon die Commerzbank mit ihrem umfangreichen Entlassungsprogramm zeigte, kann das auch die gesamte Belegschaft lähmen und demotivieren mit genau den entgegengesetzten Effekten, die sich der Vorstand wünscht.

Deutsche Bank wechselt erneut die Strategie

Hinzu kommt, dass ein erneuter Strategiewechsel die Anleger verunsichert. Bislang war geplant, dass die Deutsche Bank eine neue Digitalbank bis Ende des Jahres an den Markt bringt. Mit dieser Direktbank wollte man vor allem junge und internetaffine Kunden ansprechen. Dies insbesondere mit einem kostenfreien Konto. Nun der Schwenk. Statt einer eigenständigen Banktochter soll nun das vorhandene digitale Geschäft nur um entsprechende Angebote erweitert werden. Dies ist letztlich das Eingeständnis, dass man gegen die Konkurrenz von ING-Diba, DKB oder comdirect wohl kaum bestehen könnte. Für den Marktführer in Deutschland ein ausgewiesenes Armutszeugnis.

Natürlich bestehen nach Kursverlusten wie bei der Deutschen Bank immer wieder Möglichkeiten einer zwischenzeitlichen Erholung. Doch solange das Kreditinstitut keine neue schlüssige Wachstumsstrategie liefern und auch umsetzen kann, dürfte man wohl weiter zu den absoluten Underperformern gehören.

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