Deutsche Bank: Ein weiterer Schritt auf den Abgrund zu?

Die neue Börsenwoche könnte für die Deutsche Bank erneut eine sehr schwierige werden. Denn schon am Montagabend droht dem bislang noch größten deutschen Kreditinstitut ein weiterer Schubs in die Bedeutungslosigkeit. Denn dann wird über die neue Zusammensetzung des Euro Stoxx 50 beschlossen. Und da stehen derzeit alle Vorzeichen auf einen Rauswurf der Aktie.

Nun, der Verlust einer Index-Mitgliedschaft ist an sich noch kein Beinbruch. Viele Unternehmen, die in den vergangenen Jahrzehnten aus bedeutsamen Indices rausgeworfen wurden, konnten sogar es zu ihrem Nutzen gestalten, nicht mehr so stark im Rampenlicht zu stehen. Sie kamen dann später umso stärker wieder. Doch für die Deutsche Bank ist der erwartete Rauswurf nicht nur ein weiterer Reputationsschaden, sondern auch Fanal für die schwierige Situation, in der das Bankhaus steckt.

Fehler über Fehler

Das wohl bedauerliche an der Situation ist, dass sie lange Zeit hätte vermieden werden können. Dabei wollen wir nicht die internen Fehler noch einmal vorbeten, die es zweifellos in rauen und teuren Mengen gab. Aber letztlich könnte eine Fehlentscheidung der europäischen Politik das sprichwörtliche Zünglein an der Waage gewesen sein.

Im Markt gilt es längst als feste Erkenntnis, dass die unterschiedliche Herangehensweise der Zentralbanken und der Politik nach dem Ausbruch der Finanzkrise vor zehn Jahren die extrem unterschiedlichen Entwicklungen der Bankbranchen in Europa und Amerika wesentlich beeinflusst haben.

Ging USA den besseren Weg?

Zur Erinnerung: Die USA hatten ihre Institute faktisch gezwungen, Staatsgeld anzunehmen, um damit die aus der Finanzkrise resultierenden Lasten zügig abzuarbeiten. Das bedeutete, dass der amerikanische Staat über meist Vorzugsaktien kurzzeitig Aktionär wurde. Doch letztlich wurden die Banken dadurch in die Möglichkeit versetzt, sehr zügig ihre Bilanzen zu bereinigen. Was dazu führte, dass schon seit Jahren die US-Banken das machen, was sie eigentlich sollen: wieder wachsen, Geschäft generieren und die Wirtschaft finanzieren.

Einen gänzlich anderen Weg ging die EU. Hier konnten nur die wenigsten Kreditinstitute auf staatliche Hilfe hoffen, geschweige, dass sie ihnen quasi aufgezwungen wurde. Mit dem Ergebnis, dass viele Banken noch Jahre nach der Finanzkrise mehr damit beschäftigt waren, ihre Altlasten aufzuarbeiten, statt sich auf neues Wachstum zu fokussieren. In dieser Situation befand sich auch die Deutsche Bank, die milliardenschwere faule Kredite zusätzlich zu horrenden Rechtskosten schultern musste. Das Ergebnis sieht man in den Bilanzen und auch im Aktienkurs.

Deutsche Bank fällt immer mehr zurück

Das größte Problem dabei: Auch wenn die Folgen der Finanzkrise bei der Deutschen Bank inzwischen weitestgehend abgearbeitet sein sollten, steht sie im internationalen Wettbewerb inzwischen zu schwach da, um der eigenen Anforderung an einen globalen Champion gerecht zu werden. Diese Diskrepanz zwischen Wollen und Sein sieht auch der Markt. Doch er leitet daraus keine Comeback-Spekulation ab, sondern setzt darauf, dass die Deutsche Bank immer weiter zurück fällt.

Da steht sie in Deutschland nicht alleine da. Denn bekanntlich droht auch der Commerzbank ein weiterer Bedeutungsverlust. Was inzwischen auch die deutsche Politik auf den Plan ruft. Doch das könnte zu spät und zu wenig sein. Das Gerede von einem europäischen Champion, der auch Deutsche Bank und Commerzbank mit einschließen sollte, zeugt hier von ziemlich großer Ahnungslosigkeit über die tatsächlichen Machtverhältnisse in der europäischen und globalen Bankbranche.

Fusionspläne mit Commerzbank sind zweifelhaft

Denn selbst die Planspiele über eine Fusion beider Institute können derzeit die Anleger kaum elektrisiert. Jeder sieht: Hier würden nicht zwei starke zusammengehen, sondern nur zwei schwache versuchen, Halt zu finden. Ganz abgesehen davon, dass Fusionen im deutschen Finanzsektor bislang keine Erfolgsgeschichte waren. Erinnert sei nur an Hypo-und Vereinsbank, Commerzbank und Dresdner Bank und letztlich auch Deutsche Bank und Postbank.

Nachdem Deutschland und die EU jahrelang hart daran gearbeitet haben, die eigenen Banken immer schärfer zu regulieren und deren Größe zu beschränken, will man nun umschwenken. Doch dass dies im internationalen Wettbewerb irgendetwas ändert, sehen zumindest wir aktuell nicht. Und das setzen letztlich auch die Investoren an der Börse um.

Aktie weiter auf dem Weg nach unten?

Was bedeutet das für die Aktie der Deutschen Bank? Eine nachhaltige Trendwende ist und bleibt nicht in Sicht. Vielmehr ist zu befürchten, dass mit dem Rauswurf aus dem Euro Stoxx 50 das Handelsvolumen nachhaltig abnimmt und der Aktienwert weiter unter Druck gerät. Natürlich ist die Aktie unter fundamentalen Aspekten derzeit extrem billig. Doch scheint hier das alte Sprichwort zu greifen, dass dies nicht ohne Grund so ist. So würden wir hier eher mit Zielen unterhalb von 8 Euro arbeiten als auf eine nachhaltige Turnaround-Chance zu spekulieren.

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