Deutsche Bank und Commerzbank: Wäre eine Fusion sinnvoll?

Die nächste Spekulationswelle bezüglich einer Fusion von Deutsche Bank und Commerzbank jagt durch den Markt. Ganz neu ist die Idee nicht, sondern wurde vor wenigen Wochen bereits ausführlich diskutiert. Die grundsätzliche Idee dahinter: Beide Institute könnten einen nationalen Champion schmieden, der auch auf europäischer und letztlich internationaler Ebene wieder den Abstand gegenüber den davoneilenden amerikanischen Instituten aufholen könnte.

Nun heizt das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ diese Überlegungen erneut an. Aufhänger ist, dass sich angeblich die Bundesregierung eine Fusion durchaus vorstellen kann. Aus den Bankzentralen wurde gleichzeitig kolportiert, dass Commerzbank-Chef Martin Zielke lieber früher als später eine Fusion angehen würde.

Commerzbank begeistert, Deutsche Bank reserviert

Bei der Deutschen Bank scheint man dagegen eher reserviert zu sein, auch wenn man ganz grundsätzlich die Idee nicht gänzlich ausschließt. Doch, so wird berichtet, würde die Deutsche Bank eher mit einem Zeitraum von eineinhalb Jahren für einen Fusionsbeschluss rechnen, bis man die Integration der Postbank abgeschlossen habe. Außerdem wird auf ein laufendes Kostensenkungsprogramm verwiesen, das ebenfalls erst beendet werden soll.

Stark oder schwach?

Die Argumentation der Fusionsbefürworter ist wie auch vor Wochen die gleiche. Man hofft darauf, dass aus den beiden derzeit schwachen Geldinstituten eine starke deutsche Bank wird. Vorher dieser Optimismus kommt, sei dahingestellt. Zumal deutsche Bankenfusionen bislang wenig von Erfolg gekrönt waren. Die Kritiker melden zu Recht Zweifel an, dass aus zwei schwachen letztlich nur wieder eine schwache Bank entstehen kann, die außerdem wohl über Jahre durch Integrationsarbeiten gelähmt wäre.

Wer wäre Gewinner?

Schaut man sich die direkten Reaktionen am Markt an, dürfte deutlich werden, wer bei einer Fusion wohl der größere Gewinner wäre. Denn gestern konnte die Commerzbank im regulären Handel um 2,3 % zulegen, während die Deutsche Bank einen knappen halben Prozentpunkt draufschlagen konnte. Denn natürlich sind es zwar unterschiedliche Größenordnungen, die hier aktiv sind. Doch dürfte man davon ausgehen, dass eine Fusion unter Gleichen angestrebt werden würde, was wohl das Geschäft der Commerzbank besser bewerten dürfte, als es jetzt der Fall ist.

Dennoch: Auch eine Fusion wurde die strukturellen Probleme beider Kreditinstitute nur schwerlich auf einen Schlag lösen können. Deshalb ist auch nicht damit zu rechnen, dass die Aktien der potentiellen Fusionspartner bis auf die aktuelle Reaktion davon nachhaltig profitieren. Beide Bankaktien bleiben unter diesem Aspekt wohl eher etwas für spekulative Investoren.

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