Deutsche Bank und Commerzbank: Wie sie von Trump profitieren können

Die ersten Reaktionen des Marktes auf den Wahlsieg von Donald Trump waren eindeutig. Es gab so etwas wie eine Trump-Rallye. Was daran liegt, dass man insgesamt vom neuen US-Präsidenten eine eher wirtschaftsfreundliche Politik erwartet bzw. keine Querschüsse, wie sie die demokratische Bewerberin Hillary Clinton (insbesondere mit Blickrichtung Pharmaindustrie) in Aussicht gestellt hatte.

© ake1150 / Fotolia.com
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Besonders profitieren konnte in der zurückliegenden Woche die Finanzindustrie. Das galt insbesondere für die US-Banken, aber auch die deutschen Institute legten kräftig zu. So erreichte beispielsweise die Deutsche Bank seit dem Schlusskurs am Dienstag bis Freitag einen Zugewinn von 14,4 %. Die Commerzbank schloss sich mit einem Plus von 7,5 % an.

Dodd-Frank Act auf dem Prüfstand

Und die Banken-Rallye hat gute Voraussetzungen, weiter ausgebaut zu werden. Denn zu den ersten politischen Ankündigungen nach dem Wahlsieg gehörte auch, dass Donald Trump ankündigte, den sogenannten Dodd-Frank Act zurückdrehen zu wollen. Dahinter verbirgt sich das unter dem Eindruck der Finanzkrise 2010 verabschiedete Gesetz in Amerika, dass die Banken unter anderem ein sogenanntes „Testament“ erstellen müssen, nach dessen Regeln sie im Notfall abgewickelt werden können. Weiterer Bestandteil ist die so genannte Volcker Rule, die unter anderem den Eigenhandel von Banken beschränkt.

Das hatte dazu geführt, dass im Jahr der Gesetzesverabschiedung und in folgenden Jahren die Regulierungs-Kosten für die Banken deutlich zulegten. So wurde in einer jüngsten Studie berechnet, dass die Finanzindustrie allein in den letzten zwölf Monaten rund 10 Milliarden Dollar für die Einhaltung der Gesetzesregeln aus dem Dodd-Frank Act aufwenden mussten. Insgesamt gibt es Berechnungen, dass die Branche bislang wegen dieses Gesetzes rund 40 Milliarden Dollar Mehrkosten hatte.

US-Banken vor neuem Deregulierungs-Schub

Wie genau die Trump-Administration die bestehenden Gesetze ändern will, ist zwar noch unbekannt. Aber alle Zeichen stehen auf einen neuen Deregulierungs-Schub. Hinzu käme, dass sehr wahrscheinlich auch bislang verteufelte Produkte wie strukturierte Produkte ein Comeback erleben könnten, was natürlich die Ertragsfähigkeit der Banken deutlich erhöhen würde.

Größter Profiteur von solchen Änderungen wären natürlich zuerst US-Banken selbst. Aber auch ausländische Institute dürften darauf hoffen, in Amerika wieder leichtere und vor allen billigere Arbeitsbedingungen vorzufinden. Das dürfte letztlich auch die deutschen Kreditinstitute betreffen. Wobei die Hoffnungen der Investoren in zwei Richtungen gehen.

Deutsche Bank kann auf geringere Rechtskosten hoffen

Zum einen ginge es darum, dass die amerikanischen Aktivitäten wieder profitabler werden könnten. Außerdem hofft man natürlich in diesem Zusammenhang, dass die teilweise schon extrem strenge Strafverfolgung an Wucht und Durchschlagskraft verlieren könnte. In diesem Zusammenhang sei erinnert, dass zum Beispiel die Deutsche Bank bekanntlich für den Immobilienunternehmer Donath Trump millionenschwere Kredite gegeben hatte.

Eine zweite Stoßrichtung der Erwartungen im Markt geht dahin, dass letztlich eine erneute Deregulierung in Amerika auch in Europa zumindest dazu führt, dass der aktuelle Status quo beibehalten wird. Denn abseits von dieser Hinsicht politischen Aktivisten wie Deutschland ist klar, dass europäische Banken im Wettbewerb deutlich ins Hintertreffen geraten würden, wenn in Europa die Regulierung weiter verschärft würde.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich insbesondere Länder wie Frankreich und Spanien, deren Banken sehr stark international engagiert sind, weiteren Regulierung-Verschärfungen verweigern würden.

Spekulativ, aber kaufenswert

Fazit: Natürlich sind durch die neuesten politischen Entwicklungen die Grundprobleme der deutschen Banken nicht zur Gänze ausgeräumt. Bei der Commerzbank betrifft dies letztlich die operative Schwäche, bei der Deutschen Bank die zahlreichen milliardenschweren Rechtsrisiken.

Insofern sind Engagements in diesen Banken weiterhin unter einem sehr spekulativen Gesichtspunkt anzusehen. Doch mit den jüngsten Entwicklungen besteht zumindest die gute Chance, dass hier keine neuen Belastungen auftreten, sondern es eher zu Erleichterungen kommt.

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