Deutsche Börse: Prognose gen Norden, Aktie gen Süden

Die Deutsche Börse gab im Rahmen der Veröffentlichung ihrer Geschäftszahlen für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres auch die Erhöhung der Mittelfristprognose bekannt. Dies war von Analysten im Vorfeld bereits erwartet worden.

 

© Carsten Müller
© Carsten Müller

Danach sollen die Nettoerlöse zwischen 5 bis 10% pro Jahr steigen. Grundlage hierfür ist die Kalkulation auf Basis des aktuellen Geschäftsportfolios, eine weiterhin anhaltende Erholung der Weltwirtschaft und mittelfristig steigende Zinsen.

Weiterhin plant der Konzern eine Steigerung des EBIT und des Konzern-Jahresüberschusses von 10 bis 15%. Damit steht für das Jahr 2018 das Ziel, Nettoerlöse von 2,8 bis 3,2 Mrd. Euro und ein EBIT von 1,55 bis 1,75 Mrd. Euro erreichen zu wollen.

 

„Accelerate“ heißt die Devise

Um vorgenannte Zielsetzungen auch zu erreichen, verkündete der Vorstand der Deutsche Börse ein neues Wachstumsprogramm mit dem Namen „Accelerate“. Hierzu wurden sowohl die strategische Ausrichtung als auch interne Organisationsstrukturen und Geschäftsprozesse einer gründlichen Überprüfung unterzogen.

Langfristig will die Deutsche Börse zum weltweit präferierten Marktinfrastrukturanbieter mit Spitzenposition in allen Tätigkeitsfeldern aufsteigen. Das Programm beinhaltet u. a. einen Abbau von Hierarchien, die Zusammenlegung von Funktionen und weitere Verbesserungen bei Einkauf und Beschaffung. Hierdurch sollen ab dem kommenden Jahr ca. 50 Mio. Euro an zusätzlicher Investitionskapazität freigesetzt werden. Diese Maßnahmen werden mit rund 60 Mio. Euro in diesem Jahr das Budget des Unternehmens belasten.

 

Deutsche Börse mit deutlicher EBIT-Steigerung

Im 2. Quartal dieses Geschäftsjahres stiegen die Nettoerlöse um 19% gegenüber dem Quartal des Vorjahres auf 583,1 Mio. Euro. Die Deutsche Börse konnte dabei von einer gestiegenen Aktienmarkt- und Zinsvolatilität profitieren. Aber auch die weiterhin positiven Entwicklungen in der Wertpapierverwahrung und –verwaltung und das Marktdatengeschäft trugen einen erheblichen Anteil dazu bei.

Die Nettozinserträge aus dem Bankgeschäft als Bestandteil der Nettoerlöse lagen bei 14,1 Mio. Euro nach 13,2 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Bei den operativen Kosten ging es erwartungsgemäß von 254,4 Mio. Euro im Jahr zuvor auf 307,7 Mio. Euro aufwärts. Dies lag in Konsolidierungseffekten und höheren Investitionen begründet. In diesen Kosten waren gleichfalls Sondereffekte von 11,8 Mio. Euro enthalten.

Beim EBIT konnte die Deutsche Börse einen Anstieg von 238,6 Mio. Euro im Jahr zuvor auf 271,4 Mio. Euro vorweisen. Ohne die Sondereffekte lag das EBIT bei 287,1 Mio. Euro und damit 18% über dem des Vorjahres. Das Finanzergebnis reduzierte sich von -13,2 Mio. Euro im Vorjahresquartal auf -17,8 Mio. Euro. Hier wirkte sich ein negativer Währungseffekt von 3,9 Mio. Euro im Zusammenhang mit gestiegenen Beständen an US-Dollar entsprechend aus.

Der Konzernüberschuss erreichte schlussendlich 175,1 Mio. Euro nach 159,3 Mio. Euro im Vorjahr. Dies entspricht einem unverwässerten Ergebnis je Aktie von 0,95 Euro.

 

Expansion im Schnellverfahren

Erst gestern berichteten wir über die geplante Übernahme der 360T. Mit Vorlage der Zahlen gab der Konzern nun auch bekannt, dass eine bindende Vereinbarung mit der SIX Group AG über den vollständigen Erwerb der Gemeinschaftsunternehmen STOXX AG und Indexium AG geschlossen wurde.

Der Kaufpreis hierfür liegt bei 650 Mio. Schweizer Franken. Bereits bis Ende dieser Woche soll die Transaktion abgeschlossen werden. Finanzieren will die Deutsche Börse diesen Deal mit einer Zwischenfinanzierung bestehend aus vorhandenen Barmitteln und kurzfristigen Schuldverschreibungen. Um die langfristige Finanzierung zu sichern, plant der Konzern die Begebung einer Hybrid-Anleihe.

 

Aktie auf dem Weg nach Süden

Die Aktie musste gestern deutlich Federn lassen. Insgesamt ging es um 2,91% auf 81,67 Euro abwärts. An den Zahlen kann dies nicht gelegen haben. Diese fielen im Schnitt gut aus, aber:

Analysten betrachteten die Finanzierung der neuen Akquisitionen durchaus etwas skeptisch und wiesen auf die Gefahr hin, dass das AA-Rating der Deutsche Börse in Gefahr geraten könne, da der finanzielle Spielraum des Konzern begrenzt sei.

150728 Deutsche Börse

Dies veranlasste anscheinend einige Anleger dazu, sich von den Papieren zu trennen. Hier wird der heutige Handelstag zeigen, in welche Richtung es weitergehen wird. Die nächste Unterstützung der Aktie findet sich bei 80,69 Euro. Danach wäre die nächste Unterstützung erst bei 78,00 Euro zu finden.

Die angehobene Prognose wird sich nicht deutlich auf den Kurs auswirken, da diese bereits zuvor im Kurs eingepreist war.

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