Deutsche Post: Streikbelastung führt zu Gewinnwarnung

Den meisten von Ihnen sind die lang anhaltenden Streikrunden bei der Deutschen Post noch gut in Erinnerung, viele Briefkästen blieben leer. Auch wenn eine spürbare Erleichterung der Marktteilnehmer nach der erzielten Einigung zu verzeichnen war, sind die Folgen für den Konzern deutlich.

 

© Deutsche Post
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Mit insgesamt 100 Mio. Euro wurde das Ergebnis der Deutschen Post durch diesen Streik belastet. Daher sah sich der Vorstand gezwungen, die Ergebnisprognose für dieses Jahr zu kappen. Nachdem man bisher von einem Konzern-EBIT von 3,05 bis 3,2 Mrd. Euro ausgegangen war, werden nun nur noch 2,95 bis 3,1 Mrd. Euro erwartet.

 

Kostenbelastungen drücken den Gewinn

Im 1. Halbjahr dieses Jahres erreichte der Umsatz der Deutschen Post mit 29,46 Mrd. Euro einen Anstieg von 8,1% gegenüber dem Zeitraum des Vorjahres. Das EBIT ging durch vorgenannte Belastungen um 9,1% auf 1,25 Mrd. Euro zurück. Entsprechend sah es auch beim Konzerngewinn aus. Hier wurde ein Rückgang um 14,7% auf 821 Mio. Euro verzeichnet.

Bezogen auf das 2. Quartal wirkten sich neben den Streikbelastungen auch andere Faktoren belastend aus. In der Sparte Global Forwarding waren die Ergebnisse unbefriedigend, weshalb Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet wurden. Dazu kamen umfangreiche Investitionen in das Netzwerk der Sparte Express.

Hier erzielte die Deutsche Post im 2. Quartal eine operative Marge von 10,9%. Damit diese starke Position weiter ausgebaut werden kann, entschloss sich der Konzern zu vorgenannten Investitionen.

Aufgrund dieser Belastungen ging das EBIT in den letzten drei Monaten um 18,1% auf 537 Mio. Euro zurück. Der Umsatz erreichte ein Plus von 7,3% auf 14,7 Mrd. Euro, damit lag man organisch um 0,6% über dem Vorjahresniveau. Niedrigere Treibstoffzuschläge sorgten hier bremsend für ein stärkeres Wachstum.

Der Free Cashflow der Deutschen Post sank auf 67 Mio. Euro nach 208 Mio. Euro im Jahr 2014. Die Nettoverschuldung belief sich per Ende Juni auf 3 Mrd. Euro.

 

Hohe Investitionen in mehr Profitabilität

Die Deutsche Post hat im 2. Quartal kräftig in alle Unternehmensbereiche investiert. Insgesamt stiegen die Investitionskosten um mehr als 25% auf 421 Mio. Euro. Dabei wurde u. a. in den Ausbau der nationalen und internationalen Paket-Infrastruktur und in die Erweiterung der globalen und regionalen Express-Drehkreuze in Leipzig, Cincinnati, Singapur und Brüssel investiert.

 

Deutsche Post bestätigt Langfristprognose

Während die Gewinnerwartung für dieses Jahr reduziert wurde, bleibt das Ziel – einen ausreichend hohen Free Cashflow zu generieren – unverändert bestehen.

Langfristig blieben die Prognosen unverändert. Für das kommende Jahr soll das EBIT auf 3,4 bis 3,7 Mrd. Euro steigen. Zugleich bestätigte der Vorstand das Ziel, den operativen Gewinn für den Zeitraum von 2013 bis 2020 um durchschnittlich mehr als 8% jährlich zu steigern.

 

Hält die Aktie durch?

Mit Blick auf den Chart wird die Erleichterung des Marktes nach Beendigung der Streiks deutlich sichtbar. So ging es innerhalb der letzten vier Wochen von 26,90 Euro auf aktuell 28,27 Euro nach oben.

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Damit liegt der nächste Widerstand bei ca. 28,50 Euro. Mit einer lang anhaltenden negativen Reaktion des Marktes auf die Gewinnwarnung rechnen wir hier nicht, da diese im Vorfeld eigentlich erwartet werden musste. Aber wir wissen auch, die Börse tickt manchmal unvorhersehbar, deshalb wird der heutige Handelstag zeigen, wohin die Reise geht.

Generell wurden mit der Steigerung des Umsatzes und den eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen gute Grundsteine gelegt, um die Profitabilität weiter auszubauen und zu steigern.

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