Deutsche Telekom Aktie: Der Stellenabbau in den USA als nächster Prüfstein

T-Mobile US plant 4.671 Stellen abzubauen. Analysten zeigen sich angesichts der Restrukturierung vorsichtig, während die Telekom-Aktie leicht nachgibt.

Die Kernpunkte:
  • T-Mobile US streicht 4.671 Stellen
  • Telekom-Aktie verliert rund 1,6 Prozent
  • Barclays bestätigt Overweight mit 35 Euro
  • Q3-Zahlen am 5. November erwartet

Ausgangslage

Die Deutsche Telekom hat mit ihren Quartalszahlen vom Donnerstag vergangener Woche und der Aufstockung des Aktienrückkaufs auf bis zu 5 Milliarden Euro bereits für Bewegung gesorgt. Seit der gescheiterten Fusion von T-Mobile US mit einem Übernahmeziel am vergangenen Sonntag hat die Aktie zusammen mit dem Rückkauf-Thema per Saldo rund 1,6 Prozent verloren.

Nun rückt ein anderer Vorgang in den Fokus: Bei T-Mobile US sollen laut einem Bericht von SDxCentral im Zuge einer sogenannten Workforce-Transformation 4.671 Stellen abgebaut werden.

Ziel der Initiative ist die Zentralisierung von Führung und Teams, der Abbau von Organisationsebenen und die Beseitigung doppelter Rollen. Für Anleger ist das mehr als eine Randnotiz – es berührt direkt die Frage, wie nachhaltig die starke operative Entwicklung der US-Tochter ist, die für gut die Hälfte der Konzernwertschöpfung steht.

Der Kurs notiert aktuell bei 28,55 Euro und damit rund 6,16 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt, aber weiterhin 16,89 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro. Die Aktie hat sich in den vergangenen 30 Tagen um 6,81 Prozent verteuert – ein Zeichen, dass der Markt die Rückkauf-Ankündigung und die robusten Zahlen bislang positiver bewertet als die Rückschläge bei der US-Expansion.

Die entscheidende Frage

Die zentrale Kennzahl für die kommenden Monate ist das organische EBITDA-Wachstum von T-Mobile US, das im ersten Halbjahr bei 9,6 Prozent lag und als „Peer-Leading“ galt. Kann dieses Tempo trotz Restrukturierung und ohne die zusätzlichen Wachstumsimpulse einer gescheiterten Übernahme gehalten werden?

Der Stellenabbau soll Kosten senken und Strukturen straffen – doch Restrukturierungen dieser Größenordnung bergen stets das Risiko von Reibungsverlusten im operativen Geschäft, gerade wenn parallel die Integration der UScellular-Wireless-Sparte noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Genau diese Integrationskosten hatten den berichteten Konzernüberschuss im zweiten Quartal bereits um 6,3 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro gedrückt.

Bullisches Szenario

Gelingt die Zentralisierung ohne Wachstumseinbußen, könnte der Stellenabbau die Margen strukturell verbessern – ein Effekt, der sich in den kommenden Quartalen im bereinigten EBITDA zeigen würde.

Die Deutsche Telekom hat ihre Free-Cashflow-Guidance für das laufende Jahr bereits von mehr als 19,8 Milliarden Euro auf rund 20,0 Milliarden Euro angehoben, was zusätzlichen Spielraum für Aktienrückkäufe schafft.

Auch das europäische Segment liefert mit dem 34. aufeinanderfolgenden Quartal organischen EBITDA-Wachstums und starkem Glasfaser-Ausbau in Deutschland – 161.000 Netto-Zuwächse im zweiten Quartal, ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr – ein stabiles Fundament, das US-Rückschläge abfedern könnte.

Barclays bestätigte am Montag mit einem gesenkten, aber weiterhin klar über dem aktuellen Kursniveau liegenden Kursziel von 35 Euro die Einstufung „Overweight“ und wertete die Quartalsergebnisse als im Rahmen der Erwartungen.

Bärisches Szenario

Das Risiko liegt in der Kombination aus organisatorischer Umwälzung und einem bereits gescheiterten strategischen Großprojekt. JPMorgan senkte am 9. August das Kursziel von 40 auf 38 Euro, ausdrücklich wegen überarbeiteter Annahmen zur US-Beteiligung – ein Hinweis darauf, dass Analysten die Wachstumsstory von T-Mobile US neu kalibrieren.

Sollte der Stellenabbau zu Unruhe in der Organisation führen oder das ARPA-Wachstum – bislang eine Stärke von T-Mobile US – ins Stocken bringen, würde das die Investitionsthese empfindlich treffen.

Zudem bleibt die Volatilität der Aktie mit 34,50 Prozent auf Jahresbasis hoch, was auf anhaltende Unsicherheit unter Investoren hindeutet. Deutsche Bank Research hatte bereits im Juli das Kursziel von 42 auf 40 Euro gesenkt, die Kaufempfehlung aber bestätigt – ein Muster sinkender Ziele bei grundsätzlich intaktem positivem Bias.

Ausblick

Solange das europäische Geschäft seine Wachstumsserie fortsetzt und der Glasfaserausbau in Deutschland Tempo hält, dürfte die Deutsche Telekom Rückschläge in den USA kompensieren können – der laufende Rückkauf, von dem bis zum 5. August bereits rund 1,2 Milliarden Euro eingesetzt und etwa 42,1 Millionen Aktien erworben wurden, stützt zusätzlich den Gewinn je Aktie.

Kippt hingegen das ARPA- und EBITDA-Wachstum bei T-Mobile US infolge der Restrukturierung, dürfte sich der zuletzt vorsichtigere Ton der Analysten verfestigen.

Ein erstes belastbares Signal liefern die für den 5. November angesetzten Q3-Zahlen, ergänzt durch das für den 5. Oktober geplante AI-Investor-Event, bei dem der Konzern seine Perspektiven zu Künstlicher Intelligenz darlegen will – ein Thema, das mittelfristig zum zusätzlichen Bewertungsfaktor werden könnte.

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