Deutsche Telekom Aktie: Fiberhost und Inea übernommen

Die Deutsche Telekom kauft die polnischen Breitbandanbieter Fiberhost und Inea für rund eine Milliarde Euro und stärkt damit ihr Festnetzgeschäft in Polen.

Die Kernpunkte:
  • Milliardendeal für polnische Glasfasernetze
  • Ausbau der Festnetzstrategie in Polen
  • Aktienrückkauf und Zukauf parallel
  • Kurs reagiert nur verhalten auf Übernahme

Die Deutsche Telekom setzt ihre Expansionsstrategie im Festnetzgeschäft fort. Der Konzern vereinbarte am Montag vergangener Woche die Übernahme der polnischen Glasfaser- und Breitbandanbieter Fiberhost und Inea von Macquarie Asset Management. Der Unternehmenswert der Transaktion liegt bei rund 1,0 Milliarden Euro.

Mit dem Zukauf stärkt die Bonner Konzernzentrale die Festnetz-Position ihrer polnischen Tochter T-Mobile Polska. Bislang war der Landesableger vor allem im Mobilfunk stark positioniert, im Breitbandgeschäft aber ein vergleichsweise kleiner Player.

Fiberhost und Inea bringen bestehende Glasfaserinfrastruktur mit, die T-Mobile Polska nun direkt in ein kombiniertes Angebot integrieren kann. Für den Verkäufer Macquarie European Infrastructure Fund 5 markiert der Deal den Ausstieg aus einem Investment, das zuvor unabhängig von der Deutschen Telekom aufgebaut worden war.

Strategischer Hintergrund

Der Schritt fügt sich in ein Muster, das die Deutsche Telekom in mehreren europäischen Märkten verfolgt: die Kombination aus Mobilfunk und eigenem Festnetz, um Kunden mit Bündelangeboten zu binden.

In Deutschland hat der Konzern seinen Glasfaserausbau in den vergangenen Jahren massiv vorangetrieben, in Polen fehlte bislang eine vergleichbare Infrastrukturbasis im großen Stil. Die Übernahme schließt diese Lücke, ohne dass der Konzern das Netz von Grund auf neu bauen müsste – ein Vorteil, der Zeit und Kapital spart.

Für Anleger ist der Deal auch deshalb bemerkenswert, weil er in eine Phase fällt, in der die Deutsche Telekom ihre Kapitalallokation genau im Blick behält. Erst vor gut einer Woche hatte der Konzern den Rückkauf eigener Aktien im Rahmen des laufenden Programms fortgesetzt und dabei rund 1,6 Millionen Papiere erworben.

Parallel dazu hatte die Anhebung der Free-Cashflow-Prognose im Zuge der Quartalszahlen vor rund zwei Wochen gezeigt, dass der Konzern finanziell Spielraum für Zukäufe wie in Polen hat, ohne die Aktienrückkäufe zu drosseln.

Kursreaktion bleibt verhalten

An der Börse löste die Ankündigung keine großen Ausschläge aus. Am Freitag schloss die Aktie bei 28,87 Euro, ein Plus von 0,4 Prozent auf Tagesbasis. Über die vergangene Woche summierte sich der Zuwachs auf 0,8 Prozent, über die vergangenen 30 Tage stehen 6,2 Prozent zu Buche. Damit notiert das Papier weiterhin deutlich über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 26,99 Euro, bleibt aber rund 16 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro, das Ende Februar erreicht wurde.

Die moderate Reaktion überrascht wenig: Der Polen-Deal ist strategisch sinnvoll, aber im Verhältnis zur Marktkapitalisierung von 138,41 Milliarden Euro finanziell überschaubar.

Für die Investmentstory des Konzerns bleibt daher entscheidend, wie sich die laufenden Themen in den USA entwickeln – von der ins Stocken geratenen Fusionsdebatte um T-Mobile US bis zu den dortigen Restrukturierungsmaßnahmen unter Konzernchef Srini Gopalan, die im ersten Halbjahr rund 4.671 Stellen kosteten.

Blick nach vorn

Der nächste größere Termin für Anleger ist die Teilnahme der Deutschen Telekom an der Commerzbank ODDO BHF Corporate Conference Anfang September. Im Oktober folgt ein Investorenevent zur KI-Strategie, ehe der Konzern am 5. November die Zahlen zum dritten Quartal vorlegt. Bis dahin dürfte der Polen-Deal als ein weiterer Baustein in der Konsolidierung des europäischen Festnetzgeschäfts gelten – ohne dass er allein die Kursrichtung bestimmt.

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