Deutsche Telekom Aktie: Glasfaser-Buchungsquote nur 17,5 Prozent
Telekom übertrifft Analystenerwartungen mit Halbjahreszahlen, verzeichnet aber Schwächen im Breitbandgeschäft. Der Glasfaserausbau läuft der Nachfrage hinterher.

- Umsatzplus von 2,4 Prozent im Halbjahr
- Gewinn steigt um 8,8 Prozent
- Glasfaserausbau überholt Kundennachfrage
- Aktie trotz guter Zahlen leicht im Minus
Die Deutsche Telekom hat am Freitag Quartalszahlen vorgelegt, die die Erwartungen der Analysten übertroffen haben. Der Konzernumsatz im ersten Halbjahr 2026 kletterte um 2,4 Prozent auf 59,8 Milliarden Euro, der Gewinn legte um 8,8 Prozent zu. Die Nettoschulden lagen bei 138,4 Milliarden Euro. Für das operative Geschäft im zweiten Quartal meldete der Konzern einen Umsatz von 29,9 Milliarden Euro und ein EBITDA von 11,8 Milliarden Euro. Die Prognose für den freien Cashflow bestätigte das Management bei rund 20 Milliarden Euro.
Im deutschen Kerngeschäft wuchs der Umsatz im zweiten Quartal um 3,7 Prozent auf 6,51 Milliarden Euro, das EBITDA legte um 2,7 Prozent auf 2,67 Milliarden Euro zu. Getrieben wurde das Wachstum unter anderem von der Fußball-Weltmeisterschaft: Die Zahl der TV-Kunden stieg um 25.000 auf 4,80 Millionen. Im Mobilfunk kamen 1,41 Millionen Kunden hinzu, die Gesamtzahl liegt nun bei 76,73 Millionen.
Glasfaser wächst, Breitband insgesamt schrumpft
Ein genauerer Blick auf das Zahlenwerk zeigt jedoch eine Schwachstelle im Ausbaugeschäft. Zwar gewann die Telekom im zweiten Quartal 161.000 neue Glasfaseranschlüsse. Die gesamte Breitbandkundenzahl sank jedoch um 20.000 auf 15,08 Millionen. Von den 13,6 Millionen Haushalten, die bereits ans Glasfasernetz angeschlossen werden könnten, buchen bislang nur 17,5 Prozent tatsächlich einen Anschluss. Der Netzausbau läuft der Nachfrage damit sichtbar voraus – ein Muster, das sich branchenweit beim Umstieg von Kupfer- auf Glasfaserleitungen zeigt, bei der Telekom aber besonders deutlich ausfällt, weil das Tempo des Ausbaus hoch bleibt.
Für Anleger ist diese Entwicklung ambivalent. Einerseits sichert der aggressive Ausbau langfristig Marktanteile und rechtfertigt die hohen Investitionen. Andererseits bremst die schwache Buchungsquote kurzfristig das Wachstum der Kundenbasis insgesamt und wirft die Frage auf, wie schnell sich das Glasfasergeschäft tatsächlich rentiert.
Reaktion an der Börse bleibt gedämpft
Trotz der insgesamt starken Zahlen fiel die Kursreaktion verhalten aus. Die Aktie notiert aktuell bei 29,08 Euro und gibt damit 0,31 Prozent nach, nachdem sie am Donnerstag noch bei 29,17 Euro geschlossen hatte. Zum 50-Tage-Durchschnitt liegt das Papier weiterhin gut 8 Prozent im Plus – ein Zeichen dafür, dass die Aufwärtsbewegung der vergangenen Wochen trotz der leichten Konsolidierung intakt bleibt. Ausgelöst wurde ein Teil dieser Rally bereits durch die Ablehnung der Fusion durch T-Mobile US am vergangenen Montag, seither hat die Aktie um 3,5 Prozent zugelegt.
Die Bankenwelt reagierte insgesamt positiv auf die Quartalszahlen. UBS-Analyst Polo Tang beließ seine Einschätzung für die Deutsche Telekom auf „Buy“ und bekräftigte ein Kursziel von 36,20 Euro. Als größte Überraschung der Zahlen bezeichnete er die Aufstockung des Aktienrückkaufprogramms. Andere Marktbeobachter sehen kurzfristiges Potenzial in einer Spanne von 30 bis 33 Euro, sollte sich der positive Trend aus dem US-Geschäft und dem deutschen Kerngeschäft fortsetzen.
Ausblick: Bewährung im zweiten Halbjahr
Für die Deutsche Telekom bleibt die zentrale Herausforderung, die Lücke zwischen Netzausbau und tatsächlicher Kundennachfrage im Glasfasergeschäft zu schließen. Gelingt das nicht zügiger, drohen die hohen Investitionen in den Ausbau länger als geplant auf die Marge zu drücken. Die im Mobilfunk und im US-Geschäft gezeigte Wachstumsdynamik gibt dem Management dafür allerdings finanziellen Spielraum – nicht zuletzt durch den robusten freien Cashflow, den der Konzern trotz der hohen Investitionslast bei rund 20 Milliarden Euro sieht.
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