Deutsche Telekom Aktie: Sog aus Frankreich
Die Telekom-Aktie gibt nach einer Morgan-Stanley-Abwertung für Orange nach, obwohl eigene Unternehmensnachrichten den Kursrückgang nicht erklären.

- Telekom verliert rund 3,3 Prozent
- Morgan Stanley stuft Orange auf Underweight
- Frankreichs Unsicherheit belastet Orange
- Europäische Telekomwerte reagieren eng gekoppelt
Ein Rating für einen Konkurrenten reicht aus, um die gesamte Branche ins Minus zu ziehen. Die Deutsche Telekom verliert am Freitag rund 3,3 Prozent und notiert bei 27,33 Euro. Auslöser ist keine eigene Nachricht, sondern eine Abstufung von Orange durch Morgan Stanley.
Warum die Telekom mitleidet
Noch am Vortag hatte der europäische Telekom-Branchenindex das höchste Niveau seit Ende Juni erreicht. Die Stimmung drehte sich schnell, als Morgan Stanley das Rating für Orange auf „Underweight“ senkte. Analyst Emmet Kelly begründet den Schritt mit politischer Unsicherheit in Frankreich, verschärftem Wettbewerb in Spanien und einer steigenden Verschuldung bei dem französischen Konzern.
Kelly sieht bei Orange zudem kaum noch ungenutztes Potenzial: Die Branchenkonsolidierung in Frankreich, die vollständige Übernahme der restlichen Anteile am spanischen Jointventure MasOrange sowie der im Februar vorgestellte Langfrist-Fahrplan seien mittlerweile eingepreist.
Mit einem Kursziel von 15 Euro positioniert er sich damit als größter Pessimist unter den Orange-Beobachtern — selbst die bisher zurückhaltendsten Häuser, Oddo BHF und Barclays, sahen zuletzt noch 16,50 Euro als fairen Wert.
Die Deutsche Telekom selbst ist von der Kritik nicht direkt betroffen. Der Ausverkauf zeigt aber, wie eng die Kurse europäischer Telekom-Werte aneinander gekoppelt sind. Sinkt das Vertrauen in einen großen Player der Branche, ziehen Anleger reflexhaft Kapital aus dem gesamten Sektor ab — unabhängig davon, ob die konkreten Belastungsfaktoren auch für andere Unternehmen gelten.
Für die Deutsche Telekom bleibt entscheidend, ob sich der Abverkauf als kurzfristige Reaktion auf die Orange-Nachricht erweist oder ob er auf breitere Sektor-Sorgen hindeutet. Eigene fundamentale Nachrichten, die die Bewegung stützen würden, liegen bislang nicht vor.
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