Deutsche Telekom Aktie: Streikwelle erfasst 32.000 Beschäftigte
Vierte Verhandlungsrunde zwischen Telekom und ver.di könnte über Eskalation des Arbeitskampfes entscheiden.

- Vierte Tarifrunde ohne Einigung
- ver.di fordert 6,6 Prozent mehr Lohn
- Streiks beeinträchtigen Glasfaserausbau
- Aktie trotz solider Quartalszahlen schwach
Morgen früh beginnt die vierte Tarifverhandlungsrunde zwischen der Deutschen Telekom und ver.di — und die Ausgangslage ist alles andere als entspannt. Drei Runden ohne Einigung, mehr als 32.000 Streikende seit Ende April und ein Arbeitgeberangebot, das die Gewerkschaft als völlig unzureichend ablehnt.
Druck von beiden Seiten
ver.di fordert 6,6 Prozent mehr Entgelt für die rund 60.000 Tarifbeschäftigten. Der Arbeitskampf begann am 28. April mit einer ersten Streikwelle. Am 7. Mai weitete die Gewerkschaft die Aktionen auf zwölf Bundesländer aus. Eine Kundgebung in Potsdam brachte rund 2.500 Beschäftigte auf die Straße.
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Am Ende der dritten Runde legte die Telekom erstmals ein sogenanntes Strukturangebot vor. Es greift einige Forderungspunkte auf — reicht aber nach Einschätzung von ver.di nicht ansatzweise. Die Gewerkschaft erwartet am 26. und 27. Mai ein ernsthaftes Angebot.
Scheitern die Gespräche erneut, wächst der Druck auf weitere Eskalationsmaßnahmen. Das hätte konkrete Folgen: Verzögerungen im technischen Kundenservice, Terminabsagen und Störungen beim Glasfaserausbau.
Starke Zahlen, belasteter Kurs
Der Tarifkonflikt überlagert eine solide Geschäftsentwicklung. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz organisch um 4,7 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA AL stieg organisch um 7,5 Prozent auf 11,5 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr plant der Konzern mit rund 47,5 Milliarden Euro bereinigtem EBITDA AL.
Im Heimatmarkt erreicht das Glasfasernetz bereits mehr als 13 Millionen Haushalte. Die Marktdurchdringung kletterte von 15,5 auf 17,1 Prozent.
An der Börse spiegeln sich diese Zahlen kaum wider. Die Aktie notiert bei 29,26 Euro — rund 14 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 34,23 Euro. JP-Morgan-Analyst Akhil Dattani sieht die Aktie nach dem jüngsten Rückgang von knapp sieben Prozent innerhalb eines Monats als günstig bewertet und bekräftigt sein Kursziel von 40 Euro bei unverändertem „Overweight“-Rating.
Was die vierte Runde entscheidet
Ob die Telekom morgen ein Angebot vorlegt, das ver.di als Verhandlungsgrundlage akzeptiert, wird über den weiteren Verlauf des Arbeitskampfs entscheiden. Ein Abschluss würde operative Risiken beim Netzausbau begrenzen und den Weg für eine Neubewertung der Aktie freimachen — die mit einem RSI von knapp 75 technisch bereits überkauft wirkt, fundamental aber deutlich Abstand zum JP-Morgan-Kursziel hat.
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