Deutsche Telekom: Kann der Aktienrückkauf den Abwärtstrend vor der nächsten Bilanz stoppen?

Die Telekom-Aktie notiert nahe des Jahrestiefs. Ein 2-Milliarden-Euro-Rückkaufprogramm und bestätigte Prognosen sollen den Kurs stabilisieren.

Die Kernpunkte:
  • Aktie mit 17,9 Prozent Jahresminus
  • Zwei-Milliarden-Euro-Rückkaufprogramm gestartet
  • Tarifeinigung mit ver.di bis 2028
  • WM-2030-Rechte für MagentaTV gesichert

Ausgangslage

Die Deutsche Telekom steckt in einer der schwächsten Marktphasen des Jahres. Aktuell notiert die Aktie bei 26,21 Euro und liegt binnen zwölf Monaten satte 17,89 Prozent im Minus. Vom im Juni erreichten Jahrestief trennen den Titel nur noch rund 11 Prozent, während das Jahreshoch aus dem Februar inzwischen spürbar außer Reichweite liegt. Der Konzern reagiert auf die Schwäche mit einem milliardenschweren Rückkaufprogramm: Zwischen dem 1. und 3. Juli kaufte das Unternehmen 908.705 eigene Aktien zu einem Durchschnittskurs von 24,7437 Euro zurück, Teil eines am 1. Juli offiziell gestarteten Programms mit einem Gesamtvolumen von bis zu 2,0 Milliarden Euro für 2026. Parallel hat der Konzern im Mai die Tarifrunde mit ver.di für rund 60.000 Beschäftigte abgeschlossen, inklusive eines Mitgliederbonus von insgesamt 660 Euro, zahlbar in zwei Stufen bis 2028 – ein Baustein für mehr Kostensicherheit. Ebenfalls im Mai bestätigte der Konzern mit den Q1-Zahlen die Jahresprognose für das bereinigte EBITDA AL und den Free Cashflow AL. Im Juli sicherte sich die Telekom zudem die TV-Übertragungsrechte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2030 – ein möglicher Wachstumshebel für MagentaTV, dessen Wirkung sich aber erst über Jahre entfalten dürfte. Für Anleger zählt diese Gemengelage jetzt besonders, weil der nächste Quartalsbericht ansteht und zeigen muss, ob die operative Substanz mit dem charttechnisch angeschlagenen Kurs übereinstimmt.

Die entscheidende Frage

Fast alles läuft derzeit auf eine Frage hinaus: Hält die im Mai bestätigte Jahresprognose für bereinigtes EBITDA AL und Free Cashflow AL auch im kommenden Quartalsbericht? Bestätigt der Konzern seinen Kurs operativ, dürfte das dem laufenden Rückkaufprogramm zusätzliche Überzeugungskraft verleihen, weil Marktteilnehmer dann eher an einen fundamentalen Boden glauben als an reine Kurspflege. Wackelt die Prognose dagegen, verliert der Rückkauf seine Signalwirkung – und die Aktie stünde ohne stützendes Narrativ da.

Bullisches Szenario

Für Optimisten spricht, dass der Konzern trotz fallender Kurse konsequent zurückkauft – die Juli-Tranche erfolgte zu einem Durchschnittskurs von 24,7437 Euro und damit unterhalb des aktuellen Niveaus, was das Programm im Rückblick günstig erscheinen lässt. Die Tarifeinigung mit ver.di schafft bis 2028 Planungssicherheit bei den Personalkosten für rund 60.000 Beschäftigte, ein Belastungsfaktor ist damit vorerst vom Tisch. Der Zuschlag für die WM-2030-Rechte eröffnet zusätzliches Potenzial für das TV-Geschäft, auch wenn sich der Effekt erst mittelfristig zeigen dürfte. Und mit der Bestätigung der Jahresprognose im Mai hat das Management signalisiert, dass es trotz des schwachen Aktienkurses keinen operativen Bruch sieht. Bestätigt sich dieses Bild im nächsten Bericht, könnte die Nähe zum Jahrestief – aktuell nur rund 11 Prozent entfernt – eher eine Bodenbildung markieren als eine fortgesetzte Talfahrt.

Bärisches Szenario

Dagegen steht ein Kurs, der sich seit dem Jahreshoch deutlich verbilligt hat und weiterhin unter seinen mittelfristigen Durchschnittslinien notiert. Ein Minus von 17,89 Prozent auf Zwölfmonatssicht zeigt, dass der Rückkauf den Abwärtstrend bislang nicht gestoppt, sondern allenfalls abgefedert hat. Bleibt die operative Entwicklung hinter der im Mai bestätigten Prognose zurück, dürfte der Markt das als Warnsignal werten, zumal die Kursschwankungen der Aktie zuletzt spürbar zugenommen haben. Auch die WM-2030-Rechte binden zunächst Kapital, ohne kurzfristig Erträge zu liefern. Sollte zudem die Kostenentlastung aus der Tarifeinigung durch steigenden Wettbewerbsdruck im Mobilfunk- oder TV-Geschäft aufgezehrt werden, fehlt dem Rückkaufprogramm ein zweites tragendes Argument – und die Nähe zum Jahrestief würde sich eher als Vorbote eines neuen Tiefs erweisen denn als Boden.

Ausblick

Solange die im Mai bestätigte Jahresprognose für bereinigtes EBITDA AL und Free Cashflow AL im kommenden Quartalsbericht Bestand hat, dürfte das laufende Zwei-Milliarden-Euro-Rückkaufprogramm die Aktie in der Nähe des aktuellen Niveaus stabilisieren, selbst wenn das Gesamtmarktumfeld nervös bleibt. Kippt die Prognose oder enttäuschen operative Kennziffern, dürfte der Titel den Test des Jahrestiefs erneut aufnehmen. Der nächste konkrete Prüfstein ist der anstehende Quartalsbericht, auf den Marktbeobachter derzeit mit besonderer Aufmerksamkeit blicken. Bis dahin bleibt der Rückkauf das sichtbarste Gegengewicht zum charttechnischen Abwärtstrend, während WM-Rechte und Tarifeinigung eher mittelfristig wirken.

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