Deutz: 1,6 Milliarden für FFG

Deutz kauft Rüstungsfirma FFG für 1,6 Milliarden Euro und baut neue Defense-Sparte auf. Analysten sehen Kurspotenzial.

Die Kernpunkte:
  • Milliardenschwere FFG-Übernahme beschlossen
  • Neue Defense-Sparte als fünfte Säule
  • Analysten bestätigen Kaufempfehlungen
  • Serienproduktion von GEREON gestartet

Der Kölner Motorenhersteller hatte am 9. Juli die vollständige Übernahme des Rüstungsunternehmens FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH für rund 1,6 Milliarden Euro angekündigt. Mit dem Zukauf entsteht eine neue Sparte namens „Defense“, die künftig neben den bestehenden Bereichen Energy, Engines, NewTech und Service als fünfte Säule des Konzerns firmiert. Es ist der bislang größte Schritt in der Transformation des Unternehmens hin zu einem breiter aufgestellten Technologiekonzern mit Rüstungsbezug.

Kapitalerhöhung und neue Ankeraktionäre

Die Finanzierung des Kaufpreises steht auf zwei Säulen: Rund eine Milliarde Euro zahlt Deutz in bar, den Rest deckt eine Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage ab. Über diesen Weg steigen die bisherigen Eigentümerfamilien von FFG mit bis zu 29,9 Prozent als Ankeraktionäre bei Deutz ein und erhalten im Gegenzug zwei Sitze im Aufsichtsrat. Über die für die Übernahme notwendige Kapitalerhöhung muss eine außerordentliche Hauptversammlung entscheiden, die für den 24. August terminiert ist. Erst mit diesem Beschluss wird der Deal endgültig unter Dach und Fach sein.

Parallel zur Transaktion registrierte das Unternehmen am 17. Juli eine Veränderung der Beteiligungsverhältnisse, die im Rahmen einer Stimmrechtsmitteilung nach dem Wertpapierhandelsgesetz veröffentlicht wurde. Solche Meldungen sind bei größeren Kapitalmaßnahmen üblich und dokumentieren Verschiebungen im Aktionärskreis im Vorfeld der bevorstehenden Hauptversammlung.

Analysten sehen Kurspotenzial durch FFG-Auftragsbestand

Die Reaktionen aus der Analystengemeinde auf den Deal fielen überwiegend positiv aus. Kepler-Cheuvreux-Analyst Dr. Hans-Joachim Heimbürger bestätigte am 15. Juli seine Kaufempfehlung für die Deutz-Aktie mit einem Kursziel von 12,00 Euro. Bereits am 10. Juli hatte Warburg-Research-Analyst Stefan Augustin sein „Buy“-Rating erneuert und das Kursziel mit 13,20 Euro sogar am höchsten in der Vergleichsgruppe angesetzt – begründet mit dem hohen Auftragsbestand, den Deutz durch die neu erworbene FFG übernimmt. Am selben Tag bekräftigte ODDO-BHF-Analyst Klaus Ringel die Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 12,50 Euro. Alle drei Kursziele liegen damit deutlich über dem aktuellen Kursniveau der Aktie, die am Freitag mit 9,35 Euro schloss und im Tagesvergleich um 0,32 Prozent zulegte.

Serienproduktion von GEREON gestartet

Neben der FFG-Übernahme setzt Deutz auch operativ Zeichen im Verteidigungsgeschäft. Am 7. Juli startete am Produktionsstandort Ulm die erste Serienfertigung des unbemannten Bodensystems „GEREON“, das Deutz gemeinsam mit ARX Robotics entwickelt hat. Der Produktionsstart fällt in eine Phase, in der der Konzern sein Rüstungsgeschäft ohnehin ausbaut, und unterstreicht, dass die Defense-Strategie nicht allein auf den FFG-Zukauf beschränkt ist, sondern auch in bestehenden Kooperationen konkrete Fortschritte macht.

Kursbild zwischen Erholung und Unsicherheit

An der Börse zeigt sich das Bild gemischt. Seit dem 52-Wochen-Tief von 7,35 Euro Anfang November hat die Aktie um 27,21 Prozent zugelegt, notiert damit aber weiterhin deutlich unter dem im Februar markierten Jahreshoch von 12,49 Euro. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 9,63 Euro liegt der aktuelle Kurs mit einem Abstand von 2,90 Prozent leicht im Minus. Am 16. Juli kreuzte der Kurs die 20-Tage-Linie nach oben, was als kurzfristig positives technisches Signal gilt.

Wie tragfähig die Erholung ist, dürfte sich auch an den kommenden Quartalszahlen entscheiden. Medienberichten zufolge kommt den anstehenden Zahlen besondere Bedeutung zu, weil sie zeigen sollen, ob Deutz seine für das Gesamtjahr 2026 ausgegebenen Margenziele von 6,5 bis 8,0 Prozent bestätigen kann. Bis zur Hauptversammlung am 24. August bleibt der FFG-Deal damit der bestimmende Faktor für die Aktie – sowohl mit Blick auf die operative Integration als auch auf die Zustimmung der Aktionäre zur notwendigen Kapitalerhöhung.

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