Deutz: Insider kaufen vor FFG-Abstimmung am 24. August

Deutz-Führungskräfte investieren kurz vor der Abstimmung über die milliardenschwere FFG-Übernahme in eigene Aktien. Der Deal soll das Verteidigungsgeschäft stärken.

Die Kernpunkte:
  • Insider investieren vor FFG-Abstimmung
  • Kapitalerhöhung für 1,6-Milliarden-Deal geplant
  • Goldman Sachs erhöht Stimmrechtsanteil
  • Umsatz und Auftragseingang deutlich gestiegen

Deutz-Chef Sebastian Schulte hat in der vergangenen Woche für knapp eine Million Euro eigene Aktien seines Unternehmens gekauft. Er ist damit nicht allein: Auch Aufsichtsratsmitglieder und dem Management nahestehende Personen griffen zu ähnlichen Kursen zwischen 9,70 und 10,10 Euro zu. Die Käufe fallen mitten in eine Phase, in der der Motorenhersteller vor der wichtigsten Entscheidung seiner jüngeren Geschichte steht.

Am 24. August stimmen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über eine Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage ab. Sie soll den Weg für die 1,6 Milliarden Euro schwere Übernahme der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft FFG frei machen – laut Unternehmensangaben der größte Zukauf in der 160-jährigen Firmengeschichte.

FFG soll operativ eigenständig bleiben und zum Kern der neuen Business Unit Defense werden. Die bisherigen FFG-Eigentümerfamilien erhalten dafür bis zu 29,9 Prozent an Deutz und streben nach Vollzug zwei Sitze im Aufsichtsrat an.

Insider setzen auf den Deal

Dass Vorstand und Aufsichtsrat kurz vor der entscheidenden Abstimmung selbst Aktien kaufen, lässt sich als Vertrauenssignal lesen. Neben Schulte investierten Aufsichtsratsmitglied Dietmar Voggenreiter, CFO Oliver Neu sowie weitere dem Management nahestehende Personen jeweils fünf- bis sechsstellige Summen über verschiedene Handelsplätze.

Parallel dazu meldete die Goldman Sachs Group einen aufgestockten Stimmrechtsanteil von 5,69 Prozent, nachdem die Schwelle von 5 Prozent Anfang August überschritten wurde – ein Hinweis darauf, dass auch institutionelle Investoren die Position vor der Abstimmung ausbauen.

Regulatorisch ist die Übernahme bereits ein gutes Stück vorangekommen: Das Bundeskartellamt gab den Kauf Anfang August ohne Auflagen frei. Der Vollzug der Transaktion selbst wird für Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet, vorbehaltlich weiterer behördlicher Genehmigungen und der Zustimmung der Aktionäre.

Operatives Geschäft liefert Rückenwind

Die Zuversicht rund um den Deal fällt in eine Phase solider operativer Zahlen. Im ersten Halbjahr steigerte Deutz den Umsatz um 11 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro, das EBIT kletterte um 43 Prozent auf 79,7 Millionen Euro. Der Auftragseingang legte sogar um 28,7 Prozent auf 1.331,3 Millionen Euro zu.

Das Management bestätigte die Jahresguidance von 2,3 bis 2,5 Milliarden Euro Umsatz und einer EBIT-Marge zwischen 6,5 und 8,0 Prozent – und äußerte sich nach eigenen Angaben „extremely comfortable“ mit dem Zielkorridor, mit Ergebnissen oberhalb der unteren Spanne.

Treiber sind vor allem die Sparten Service, Energy und Defense, während das klassische Motorengeschäft schwächelt. Im Energy-Segment hob Deutz das Jahresumsatzziel von 300 auf 320 bis 330 Millionen Euro an. Auch die Elektrifizierungstochter Deutz NewTech verbesserte sich: Der Umsatz verdoppelte sich nahezu auf 6,1 Millionen Euro, die bereinigten EBIT-Verluste sanken von 19,4 auf 13,5 Millionen Euro.

Kurs unter Druck trotz guter Nachrichten

An der Börse spiegelt sich die Aufbruchstimmung zuletzt nicht eins zu eins wider. Die Aktie schloss am Dienstag bei 10,17 Euro, nach einem Rückgang von 1,9 Prozent binnen eines Tages und 4,6 Prozent auf Wochensicht. Damit liegt das Papier rund 19 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 12,49 Euro aus Ende Februar.

Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 9,9 Prozent, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 20 Prozent verteuert. Die Entscheidung der Aktionäre am 24. August dürfte zeigen, ob der Markt den FFG-Deal endgültig als Wachstumstreiber goutiert oder die Integrationsrisiken stärker gewichtet.

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