DHL Group Aktie: Rekordporto in Sicht
Der Regulierungsentwurf erlaubt für 2027 und 2028 höhere Porto-Spielräume; die endgültige Festlegung steht nach einer Anhörung noch aus.

- Briefporto-Spielraum von bis zu 20,35 Prozent
- Paketpreise könnten um bis zu 10,72 Prozent steigen
- Briefsendungen gingen seit 2005 deutlich zurück
- DHL-Aktie notierte bei 56,18 Euro
Das Briefporto steigt zum Jahreswechsel womöglich so stark wie nie. Die Bundesnetzagentur hat einen Entwurf vorgelegt, der der Deutschen Post für 2027 und 2028 einen durchschnittlichen Preisaufschlag von bis zu 20,35 Prozent erlaubt. Beschlossen ist das nicht, die Behörde legt den Spielraum erst nach einer Anhörung der Branche fest. Die Aktie von DHL Group notierte am Vormittag nahezu unverändert bei 56,18 Euro.
Was der Entwurf vorsieht
Würde die Post den Spielraum gleichmäßig ausschöpfen, kostete ein Standardbrief im Inland ab Januar 1,14 Euro statt heute 95 Cent. Möglich ist auch eine Staffelung in Fünf-Cent-Schritten, etwa 1,10 oder 1,15 Euro. Welche Briefart wie viel teurer wird, entscheidet der Konzern erst nach der Festlegung des Rahmens. Die Bundesnetzagentur prüft die Tarife anschließend und gibt sie frei.
Bisherige Erhöhungsspielräume nutzte die Post stets voll aus. Das dürfte Marktbeobachtern zufolge auch diesmal gelten. Zum Vergleich: 2025 lag der Spielraum bei 10,48 Prozent, 2022 bei 4,6 Prozent.
Auch das Paketgeschäft ist betroffen. Hier sind bis zu 10,72 Prozent vorgesehen, nach 7,21 Prozent in der vorherigen Runde. Für Geschäftssendungen schlägt die Behörde ebenfalls 20,35 Prozent vor. Die neuen Tarife würden zwei Jahre gelten.
Sinkende Mengen, steigende Kosten
Hinter dem Aufschlag steht der Strukturwandel. 2005 wurden in Deutschland 16,9 Milliarden Briefe verschickt, 2025 nur noch knapp 9,4 Milliarden. Briefkästen, Filialen und Zusteller braucht die Post trotzdem weiter. Behördenchef Klaus Müller erklärt die Preissprünge damit, dass sich die Kosten auf immer weniger Sendungen verteilen. Die Post hatte nach seinen Angaben sogar mehr gefordert. Die Regulierer erkannten diverse Kostenpositionen nicht an.
Rund 85 Prozent des Briefgeschäfts macht der Konzern mit Firmen und Behörden, nur 15 Prozent mit Privatkunden. Die Konkurrenz ist an die Portovorgaben nicht gebunden, weil sie keine Universaldienste anbietet. Dazu zählen im Paketmarkt Hermes, DPD, GLS und UPS.
Im europäischen Vergleich läge Deutschland auch nach der Erhöhung nicht an der Spitze. Österreich verlangt einen Euro, die Niederlande 1,40 Euro, Frankreich 1,52 Euro. Dort steht bereits fest, dass der Preis zum Jahreswechsel auf 1,67 Euro steigt.
Für die Aktie zählt nun die endgültige Festlegung des Spielraums nach der Konsultation. Analysten sehen die Papiere im Schnitt von sieben Häusern bei knapp 59,30 Euro, die Ziele reichen von 47 bis 65 Euro.
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